Wie hoch wird das Wasser im Stadtweiher steigen?

Foto: Archiv/Ria Garcia

Seit etwa 14 Tagen wird der natürliche Wasserzulauf im Stadtweiher wieder angestaut.

Die Mitteilung, mit der Bürgermeister Christoph Schultz am 12. August 2021 vor die Presse trat, schlug ein wie eine Bombe: „Der Stadtweiher in seinem ursprünglichen Zustand kann nicht wieder hergestellt werden, die vorhandenen Wasservorkommen reichen für die Einspeisung nicht aus.“ Grund für diese Eröffnung war ein Gutachten des Ingenieurbüros Beck, das offenbarte, dass eine Erhaltung des bisherigen Stadtweihers nicht mehr tragbar sei und auch nicht verhandelbar sei. Dipl. Ing. Reinhard Beck hatte über Zuflussmodelle und Berechnung der vom BRW geforderten Grundabgabemenge errechnet, das dass cirka 30.000 m² große Becken des Stadtweihers nur noch eine Wasserhöhe von maximal 20 cm erreichen würde, in den Sommermonaten noch wesentlich weniger.

Präsentation zum Ideenforum Stadtweiher - Ingenierbüro Beck

Das Echo aus der Bevölkerung kam prompt. Der Stadtweiher sei identitätsstiftend. Die Empörung war groß und der Stadtverwaltung wurde sogar unterstellt, sie wolle neues Bauland schaffen. BmU, Grüne und Linke forderten schließlich im Haupt- und Finanzausschuss Anfang September eine zweite Meinung einzuholen. Den Antrag stellten die Grünen, er fand allerdings bei den übrigen Fraktionen keine Mehrheit. Der Planungswettbewerb für die Umgestaltung des Stadtweihers nach Maßgabe der vorliegenden Studie sollte noch vor der Bürgerbeteiligung in die Wege geleitet werden

Das erste Ideenforum mit Bürgern

Am 15. September folgte dann das erste Ideenforum mit Bürgern, aber zur Ideenfindung kam es gar nicht erst. Viel zu emotional aufgeladen war die Stimmung im vollbesetzten Bürgerhaus. Fehlende Versiegelung und ein gesunkender Grundwasserspiegel waren die Hauptgründe, die Beck dafür anführte, dass allenfalls eine kleine Teilfläche erhalten werden könne. Die zahlreichen Besucher und die Aufregung an diesem Abend machten deutlich, welchen Stellenwert der Stadtweiher in den Herzen der Hochdahler hat. „Egal, was wir 2019 noch gesagt haben: Einlaufendes Wasser versickert sofort wieder“, führte Dipl. Ing. Reinhard Beck im Bürgerhaus während seiner Präsentation aus. Immer wieder wurde er durch Zwischenrufe und Fragen aus dem Publikum unterbrochen. Am Ende war der geplante Ablauf der Veranstaltung nicht einzuhalten.

Eine zweite Bürgerveranstaltung war dann eigentlich für den 4. November geplant, wurde aber kurzfristig abgesagt. Grund: Für die Ratssitzung am 3. November hatten sowohl SPD, als auch Grüne Anträge gestellt, die den Ablauf grundsätzlich verändern würden und es am Ende auch taten. Zu groß war der Druck aus der Bevölkerung alles für den Erhalt des bisherigen Stadtweihers zu tun, als das am Ende noch eine Fraktion dagegen hätte stimmen wollen. Hans-Ulrich Zastrau hatte bereits Ideen für das Ideenforum vorbereitet, konnte sie aber aufgrund der Absage nicht mehr präsentieren. Wir haben diese in Absprache mit ihm hier veröffentlicht.

Entschlammung abgeschlossen, Anstauung läuft

Mitte Dezember teilte die Stadt mit, dass die Entschlammungsarbeiten abgeschlossen seien und man nun das Wasser im Stadtweiher wieder angestaut. Es ist ein Versuch, den Anwohner mit Spannung verfolgen dürften und auch unsere Redaktion hat die Neugier gepackt. Prognostiziert war im Beck-Gutachten, dass der Weiher einen maximalen Wasserstand von 20 Zentimetern erreichen würde. Wir waren gestern vor Ort und haben ein paar Fotos gemacht. Untenhalb eingefügt sind Bilder während der Entschlammung, nach zwei Wochen Anstauung und ein Perspektivenvergleich vom ursprünglichen Stadtweiher und dem jetzigen Wasserstand. Einen Messpegel hatten wir nicht zur Hand, aber rein optisch wirkt es so, als wenn die prognostizierten 20 Zentimeter schon nach zwei Wochen überschritten seien. Wir sind gespannt, wie sich der Wasserstand in den kommenden Wochen weiterentwickeln wird.

Aus dem zuständigen Fachbereich in der Stadtverwaltung konnten wir erfahren, dass aktuell noch keine Grundabgabe an den Sedentaler Bach erfolgt, sodass zufließendes Wasser noch in voller Menge im Stadtweiher verbleibt. In nächster Zeit soll ein zweites Gutachten erstellt werden, das von einem Begleitkreis, der aus Politik und Bürgern bestehen soll, begleitet wird. Erst wenn das Gutachten vorliegt, soll es ein weiteres offenes Ideenforum geben, denn erst dann wird klar sein auf welcher Grundlage weitere Ideen entwickelt werden können.

Stadtweiher während der Entschlammung

Nach zwei Wochen Wasseranstau am 2. Januar

Perspektivenvergleich vor Entschlammung und nach zwei Wochen Anstauen

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