Ist Aufgeben doch eine Option? Das Ende von erkrath.jetzt?

von Ria Garcia

Wir stehen vor der schwierigen Frage, ob erkrath.jetzt noch eine Zukunft hat.

Vorab: Vom Start im November 2019 an gab es Menschen, die von der Idee, dass es mehr unabhängigen Lokaljournalismus für Erkrath geben muss, überzeugt waren und die uns mit einem Abonnement bei Steady unterstützt haben. Als wir die Gemeinnützig anerkannt bekamen, kamen noch regelmäßige und einmalige Spenden hinzu.

Diesen Leserinnen und Lesern sind wir sehr, sehr dankbar. Ohne Euch wären wir nie bis hierher gekommen!

Aber, auch wenn wir immer mal wieder gelobt werden, weil unsere Berichte mehr Hintergründe liefern, ausführlicher sind und weil wir allen Vereinen und Institutionen verlässlich die Möglichkeit bieten, ihre Pressemitteilungen einer breiten Leserschaft zu präsentieren: Es steht schlecht um uns. Sehr schlecht, um genauer zu sein. Und genau jetzt stellt sich die Frage, ob wir – an der absoluten Grenze der Leistungsfähigkeit angelangt – noch einmal einen anderen Ansatz wagen, oder ganz aufgeben und erkrath.jetzt für immer einstellen?

So manch schlaflose Nacht liegt hinter uns, aber die Überlegung wollen wir am Ende mit unseren Lesern gemeinsam anstellen und die Option offen halten, auch Ideen unserer Leser aufzugreifen, die helfen könnten erkrath.jetzt langfristig zu erhalten. Wie lange es noch kostenlose, gedruckte Anzeigenblättchen gibt, weiß kein Mensch und vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, dass es nur noch eine einzige Tageszeitung im Abonnement gibt, die keinen Platz für all die Nachrichten hat, die in den letzten vier Jahren bei uns Platz gefunden haben. Das seit Jahren zu beobachtende Zeitungssterben führt am Ende zu einer Einheitspresse, aber Lokalzeitungen finanzieren sich nun einmal nicht von selbst. Nicht einmal erkrath.jetzt, obwohl wir mit der Gemeinnützigkeit keine Gewinne erzielen müssen. Da ‘oben’ ist niemand, der die Hand aufhält und einen Gewinn erwartet. Aber da ‘unten’ sind Menschen, die auch nicht annähernd für das, was sie leisten, bezahlt werden können und neben Honoraren (es gibt keine Festangestellten bei erkrath.jetzt) entstehen auch andere Kosten für die Herausgabe einer digitalen Zeitung.

Wollt Ihr weiterhin erkrath.jetzt lesen?

Dann lest hier erst einmal ein wenig zu Zahlen, Fakten, Hintergründen. Vielen unserer Leser sind diese gar nicht bekannt, auch wenn wir noch so ‘penetrant’ unseren ‘Floating Banner’ auf der Homepage haben, der aufmerksam macht:
*** Wir brauchen Eure Hilfe, damit erkrath.jetzt auch in Zukunft berichten kann. ***

Einige unserer Unterstützer, die uns und erkrath.jetzt nahe stehen, wissen, wie es um uns steht und sind traurig bei dem Gedanken, dass wir nach vier Jahren jetzt vielleicht doch aufgeben müssen.

Ein kleiner Hinweis für alle unsere Steady-Abonnenten: Wir erhalten aus Jahresabos nur einen monatlichen Betrag. Wenn erkrath.jetzt eingestellt würde, erstattet Steady die Differenz an Jahresabonennten zurück. Bei Monatsabos endet dieses, sobald erkrath.jetzt nicht mehr erscheint. Vorerst bleibt alles, wie es ist. Ihr könnt weiterhin Jahresabos abschließen, um uns zu zeigen, dass Ihr uns unterstützen wollt.

Ein kleiner Rückblick auf vier Jahre erkrath.jetzt

Zum 1. November 2019 ging erkrath.jetzt an den Start. Erste Unterstützer gab es, wie oben erwähnt, von Beginn an. Aber ihre Zahl ist nie im Verhältnis unserer Leserzahlen gewachsen, was schließlich im Sommer 2021 dazu führte, dass sich eine Mitgründerin verabschiedete und in eine Festanstellung wechselte. Immer noch Mit-Vorstand, weil die Kleinstgenossenschaft anders nicht funktionieren würde, ist das nur noch ein Titel auf dem Papier.

Die Arbeit liegt seither auf den Schultern nur eines Vorstands, der darüberhinaus Redaktionsleitung, Technik, Grafik, Vertrieb, Buchhaltung und alle anderen adminstrativen Aufgaben ‘wuppen’ muss. Da sich niemand vierteilen kann, fehlt natürlich Zeit auch den Vertrieb von Bannern, Advertorials, Stellen- oder Familienanzeigen voranzutreiben. Ein 60 Wochenstunden-Job, von denen 45 ehrenamtlich geleistet werden. 2023 war gefühlt das ‘härteste Jahr’ für erkrath.jetzt, ein privater Schicksalsschlag, ein chaotischer Umzug, Krankheit und der Crash des wichtigsten Notebooks haben es – zumindest im zweiten Halbjahr – unmöglich gemacht, noch allem gerecht zu werden.

Seit einem guten Jahr besteht die Überlegung einen Verein zu gründen, der Herausgeber von erkrath.jetzt werden könnte. Dessen Mitglieder würden mit ihrem Mitgliedsbeitrag (statt Abo oder Spenden) nicht nur zu ideellen Mitherausgebern, sondern zu tatsächlichen Mitherausgebern. Gründungsmitglieder gäbe es schon. Aber die Entwicklungen in 2023 haben nicht die Zeit gelassen, die Satzung fertigzustellen und vom Finanzamt vorprüfen zu lassen. Dass die Genossenschaft aufgelöst wird, steht bereits fest, denn die Anforderungen sind auf Dauer in dieser Konstellation nicht zu erfüllen.

Jetzt aber, mit Blick auf die Zahlen aus 2023, an der Grenze der finanziellen, aber auch menschlichen Leistungsfähigkeit, stellt sich die Frage, ob die Vereinsgründung überhaupt Sinn macht und ob sich dadurch auch nur annähernd etwas an unserer Situation ändern wird. Wie viele Leser wären überhaupt bereit Vereinsmitglied zu werden und damit den langfristigen Erhalt von erkrath.jetzt sicherzustellen? Wie viele Menschen würden erkrath.jetzt auch aktiv unterstützen, beispielsweise in der Buchhaltung oder mit journalistischen Beiträgen oder vielleicht auch in einem anderen Bereich?

Zu Zahlen und Fakten

Rund 3,5 Mio. Seitenaufrufe seit dem 1. November 2019. Aktuell 11.540 veröffentlichte Beiträge, 18.626 Medien (Bilder und PDF’s), vier Jahre harte Arbeit und viel zu wenig Einnahmen, um die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. 3.114 Beiträge sind Artikel unserer Autoren, auch Bürgerreportern (271 Beiträge). 8.386 Pressemitteilungen von der Stadt, dem Kreis, der Polizei, Fraktionen und Parteien, Institutionen und Vereinen haben wir veröffentlicht. Es versteht sich, dass nicht eine einzige davon mit Bild und Text, von allein auf erkrath.jetzt erscheint. Jede einzelne davon verursacht Arbeit in der Redaktion. Mittlerweile entfallen etwa 20 Wochenarbeitsstunden nur auf die Verarbeitung von Pressemitteilungen, die aktuell noch ehrenamtlich geleistet werden.

Es gibt nur wenige Idealisten, die längerfristig soviel ehrenamtliche Arbeit leisten würden. Für mehr freie Journalisten und andere freie Mitarbeiter, die bezahlt werden könnten, fehlt das Geld.

Von den inzwischen täglich mindestens 2.000 Lesern, je nach Thema in der Spitze auch gerne mal bis 8.000 Leser, unterstützen uns aktuell 78 mit einem Abonnement über Steady. Nach Abzug der Gebühren des Dienstleisters und der enthaltenen Umsatzsteuer bleiben davon monatlich etwa 600 Euro netto. Macht cirka 7.200 Euro Abo-Einnahmen für das Jahr 2023.

Mit der Gemeinnützigkeit kam die Möglichkeit hinzu uns – statt mit einem Abo – auch mit Spenden zu unterstützen. Das ist über Betterplace, Paypal und direkt auf unser Konto möglich, wobei wir letzteres aus Gründen nicht mehr auf unserer Homepage veröffentlichen. Unter den Spendern gibt es einen Teil, der uns monatlich mit einer Spende unterstützt und einige, die hin und wieder einen etwas größeren Betrag spenden. Spendeneinnamen (darin enthalten auch 1.100 Euro aus dem Sparkassenzweckertrag) in 2023: Cirka 5.700 Euro. Hinzu kommen für 2023 etwa 1.730 Euro netto Werbeeinnahmen.

Das macht Gesamteinnahmen für 2023 von circa 14.630 Euro, denen natürlich Kosten gegenüberstehen.

Kosten für den Provider der Website, für Domains und SSL-Zertifikate sowie Plugins, die für den Websitebetrieb notwendig sind: Circa 750 Euro. Je größer erkrath.jetzt wird (Anzahl veröffentlichter Texte und Medien), je näher rückt möglicher Weise der Moment, in dem wir uns für ein ‘größeres Webpaket’ entscheiden müssten, das dann natürlich auch wieder teurer ist.
Auch die Genossenschaft kostet Geld: 400 Euro Verbandsmitgliedschaft im Jahr und wenn wir sie nicht auflösen würden, nocheinmal rund 2.000 Euro Prüfungsgebühren alle zwei Jahre.
Fast 450 Euro Bank- und Paypalgebühren entstehen pro Jahr. Die Liste der Fixkosten ist sicher nicht ganz vollständig. Bürokosten, Strom, Telefon, sind ‘Privatvergnügen’ der Mitarbeitenden, die auch keine Fahrtkostenerstattung zu Terminen erhalten.

Für alle Mitarbeitenden zusammen bleiben nach Abzug der oben genannten Kosten 12.000 Euro als mögliches, auszuschüttendes Honorar in 2023 übrig. Neben der Redaktionsleitung, in der auch nicht dauerhaft 60 Wochenarbeitsstunden von einer Person geleistet werden können, schreiben drei Autoren regelmäßig und drei weitere unregelmäßig für erkrath.jetzt. Pressemitteilungen wurden ehrenamtlich bearbeitet. Nur in Ausnahmefällen haben wir dieses Jahr auf freie Journalisten zurückgegriffen, deren Einsätze einzeln vergütet werden. Der überwiegende Teil der Arbeit ist in diesem Jahr ‘unbezahlt’ geleistet worden. Im November 2021 schrieben wir, dass das nächste Jahr entscheidet, ob wir weitermachen können. Wir haben mit viel Kraft ein weiteres Jahr ‘angehängt’. Viel verändert hat sich an den Einnahmen nicht, aber jetzt sind wir an der Stelle, an der wir eine endgültige Entscheidung treffen müssen.

Ist also Aufgeben nicht doch die beste Option? Die Frage ist an Euch gerichtet.

Schreibt uns eine Email an redaktion@erkrath.jetzt oder nutzt das unten eingefügte Kontaktformular.

  • Ihr könnt uns schonungslos schreiben, dass wir erkrath.jetzt doch einfach ‘einstampfen’ sollen.
  • Ihr könnt uns aber auch schreiben, ob ihr Ideen für unsere Zukunft habt? Ob Ihr Euch bespielsweise vorstellen könnt, mitzuarbeiten (Vorsicht: Das ist nur etwas für Idealisten)?
  • Oder ob ihr – im Falle einer Vereinsgründung – Mitglied werden würdet, um damit auch wirklicher Mitherausgeber zu sein. Angedacht waren ein Jahresbeitrag von 120 Euro und ein ermäßigter (für Renter, Studenten, Menschen mit kleinem Einkommen) von 60 Euro. Natürlich wäre in der Fördermitgliedschaft auch ein freiwilliger, höherer Beitrag möglich. Sinn macht die Vereinsgründung nur, wenn wirklich viele Leser auch dazu bereit wären.
  • Die Option ein Abo über Steady abzuschließen, das je nach Wahl jährlich oder monatlich kündbar ist, würde bestehen bleiben. Wer kein Vereinsmitglied sein möchte, kann sich weiterhin für ein Abo (mit ausgewiesener Mwst.) entscheiden.
  • Und wenn auch ein neu gegründeter Verein die Gemeinnützigkeit erhält, bestünde weiterhin die Möglichkeit zu spenden.

Wir sind auf Eure Zuschriften gespannt, die uns helfen, eine endgültige Entscheidung zu treffen.
Wenn sich für erkrath.jetzt in den kommenden zwei Monaten keine tragbare Lösung abzeichnet, endet die Berichterstattung voraussichtlich im Frühjahr, spätestens Sommer, 2024.

    Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Formularangaben gespeichert werden.

    4 Kommentare

    1. Liebe Ria,
      Vielen Dank für die Offenheit. Wenn ihr entscheiden solltet, dass eine Vereinsgründung einen Versuch wert ist – ich bin dabei.
      Gute Wünsche zum neuen Jahr 2024 !!
      Renate

    2. Herzlichen Dank für das bisherige Engagement!

      Ich halte eine Vereinsgründung für sehr vernüftig. Auch dieser könnte gemeinnützung sein. Ausserdem müsste über ein regelmäßiges Abo, evtl. im Mitgliedsbeitrag enthalten, nachgedacht werden.
      Ich bin gern als Gründungsmitglied des Vereins dabei.
      Alles Gute
      Hermann Lossau

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