
Premium | Im letzten Mobilitätsausschuss gab es mit einem Antrag der Grünen noch einmal einen Vorstoß für eine mögliche Brücke am Thieleshof, den einige Anwohner im Ausschuss verfolgten.
In einer Zollauktion waren die Grünen auf die Versteigerung einer Brücke gestoßen, die aus ihrer Sicht kostengünstig die inzwischen abmontierte marode Brücke hätte ersetzen können. Schließlich war die Brücke, deren Neubau eigentlich 2021 beschlossene Sache war, allein dem Sparzwang im Rahmen des Haushaltsoptimierungskonzepts (HOK) 2023 zum Opfer gefallen. Selbst eine Unterschriftenaktion der Bürger änderte daran nichts. Mit einem Antrag brachten die Grünen schließlich die gebrachte Brücke aus Nordhorn als Alternative ins Spiel. In der Verwaltungsvorlage schlug die Verwaltung indes vor den Antrag abzulehen und begründete dies damit, dass sich gegenüber einem Neubau keine wirkliche Kostenersparnis ergeben würde. In einer Anlage wurden die Kosten gegenübergestellt.
„Ist die Behindertenbeauftragte Katja Fellenberg in die Planungen eingebunden worden“, wollte Barbara Geiss-Kuchenbecker (Grüne) zu Beginn des Tagesordnungspunktes von der technischen Beigeordneten Carola Beck wissen. Bürgermeister Christoph Schultz wies darauf hin, dass es sich hier um die Planungen des BRW handele. „Die Brücke ist ein Bauernopfer. Sie ist mit den Sparvorschlägen von PwC vom Tisch gewischt worden“, erinnerte Geiss-Kuchenbecker an die Abläufe. Die Anwohner seien bis heute entsetzt und verzweifelt. Sie seien Politik verdrossen. Sie kritisierte, dass offensichtlich nicht einmal bekannt sei, ob die Behindertenbeauftragte eingebunden gewesen sei. „Ich will es einmal verbildlichen. Stellen sie sich vor, Herr Pfleging gehe dort mit Kinderwagen spazieren, oder der Bürgermeister mit Krücken.“ Auch die Verlegung der ‚Hüpfsteine‘ sei ja nicht kostenlos. „Das die Arbeiten ausgerechnet jetzt beginnen, wenn wir den Antrag gestellt haben“, monierte sie.
Zwischenzeitlich hatten die Arbeiten des BRW (Bergisch-Rheinischer Wasserverband) für die Verlegung der Trittsteine begonnen. Schultz erinnerte an die Abläufe, der Beschluss zur Verlegung der Trittsteine sei im November 2023 gefasst worden. Ende 2024 habe die Verwaltung darüber informiert, dass die Arbeiten 2025 abgeschlossen werden. „Das ist die Umsetzung des Beschlusses. Für Ihren Antrag soll der BRW jetzt den Beschaffungsprozess stoppen?“, fragte er. Die Kritik dazu, dass ein Beschluss umgesetzt werde, könne er nicht verstehen. „95 Prozent werden die Trittsteine nutzen können“, prognostizierte er. Er betonte, dass die Verwaltung seinerzeit intensiv nach einer Lösung für die Anwohner gesucht hätte und mit den Trittsteinen eine Alternative gefunden hätte, die den Freizeitweg für Anwohner erhalte.
Neubau keine große Belastung für den städtischen Haushalt?
„Ein Neubau wäre investiv und hätte bei einer Abschreibung über 50 Jahre bei 80 Tsd. Euro Kosten den städtischen Haushalt jährlich nur mit ca. 1.600 Euro belastet“, verdeutlichte Peter Sohn (BmU), dass die Ersparnis durch Wegfall des Brückenneubaus nicht so groß gewesen sei. Der Weg dorthin sei teurer, denn den berechne der BRW jährlich. „Wir haben mit der Brücke nichts eingespart“, betonte er noch einmal. Jan Wirtz (CDU) gestand, dass er die Idee mit der gebrauchten Brücke erst einmal charmant gefunden hätte. „Bei der Entscheidung zum Wegfall der Brücke standen nicht die Kosten, sondern die Frage, ob wir die Brücke brauchen, im Vordergrund“, argumentierte Detlef Ehlert (SPD). Dann sei der Gedanke aufgekommen, dass man dann ja auch den Weg dorthin nicht brauche. Wegen der Anwohner habe man dann die Trittsteinlösung gewählt, die er persönlich auch für unsinnig halte.
Andreas Kuchenbecker äußerte, dass er und seine Frau die Reaktion der Bürger heftig wahrgenommen hätten. Trittsteine seien keine Lösung und als sie dann die Brücke gesehen hätten, haben sie sich mit der Alternative befasst. „Welche Auskünfte haben Sie in Nordhorn erhalten?“, wollte er von Carola Beck wissen. Die Antwort kam von Ralf Hezel: „Wir haben vorausschauend die Kosten gegenübergestellt.“ Wenn man eine Brücke machen wolle, wäre eine neue günstiger. Kuchenbecker zeigte sich enttäuscht, dass nicht einmal Kontakt aufgenommen wurde, denn über den Preis hätte man noch reden können. „Ich kann nur hoffen, dass die Bürger das zur Kenntnis nehmen.“ Peter Knitsch befand es nicht in Ordnung ältere Menschen, Menschen mit Kinderwagen oder Radfahrer so zu behandeln. „Ich war am Wochenende vor Ort. Innerhalb von 10 Minuten haben mit viele Menschen angesprochen, was ich da mache. Die Brücke fehlt.“
In einer Sitzungsunterbrechung kommen Bürger zu Wort
„Ich betreue zwei ältere Damen über 70 Jahre. Für die sind die Steine nicht nutzbar“, erklärt eine Anwohnerin. Carola Beck antwortete ihr, dass weiter nördlich ein barrierefreier Weg zur Verfügung stehe. Ralf Hezel zeigte auf einer Karte den blau markierten Weg, der nicht länger sei, als der bisherige zur Brücke Überhahn. „Wir haben überlegt, was wir machen können, um den bisherigen Weg nicht überflüssig zu machen“, begründete er die Trittsteinlösung. Allerdings war die Trittsteinalternative, wie wir im Mai 2023 berichteten, eine Idee der CDU Unterfeldhaus gewesen, die auch auf Facebook veröffentlicht wurde.
Alexander Schulze erinnerte daran, dass nach dem Hochwasser 2021 eine Absperrung angebracht wurde, da die Brücke teilweise unterspült wurde. „Die Absperrung ist von den Anwohnern zur Seite genommen worden und die Brücke wurde trotzdem genutzt, solange sie noch stand.“ Er wohne genau an der Ecke zum Weg und sehe täglich Menschen im mittleren zweistelligen Bereich, auch mit Fahrrad, die wegen fehlender Beschilderung den Weg nutzen und dann wieder umkehren. Der bisherige Weg, der auf der Karte der Verwaltung gelb eingezeichnet war, hätte Bänke und Mülleimer gehabt. Der blaue Weg habe nichts dergleichen. „Ich habe den Eindruck, dass die Bürger diese Entscheidung nicht verstehen.
Mit den Stimmen von CDU und SPD wurde der Antrag der Grünen schließlich abgelehnt und enttäuschte Bürger verließen den Sitzungssaal. Barbara Geiss-Kuchenbecker und der Bürgermeister folgten ihnen nach draußen. „Sie glauben doch nicht, dass ich diese Steine nutzen kann?“, sagte eine der Anwohnerinnen. Älter, aber noch fit, traute sie sich das nicht zu. „Wir können noch ein Drahtseil über den Bach spannen, damit sie Halt finden“, stellte der Bürgermeister in Aussicht, überzeugte aber die Dame und andere Besucher nicht.
Echo auf die Trittsteine bei Facebook
Am 15. April postete eine Facebooknutzerin in der Gruppe ‚Wir sind Erkrath‚ erste Bilder der Trittsteine während der Verlegung und nach Fertigstellung. Ihr Urteil: „Ich komme da noch gut rüber, aber meiner Meinung nach sind die Abstände etwas groß zwischen den Trittsteinen.“
55 Kommentare sind bereits unter dem Post zu lesen. Die Meinungen: Geteilt. Gefragt wurde unter anderem, ob die Meinung des Seniorenrats, der sich gegen die Trittsteinlösung und für eine Brücke ausgesprochen habe, nicht zähle und ob die Behindertenbeauftragte dazu befragt wurde. In zahlreichen Posts wurde bemängelt, dass keine Menschen mit Behinderung oder Kinderwagen und Fahrräder die Brücke mehr passieren können. Andere schreiben, die müssen dann halt den anderen Weg (den von der Verwaltung in der Sitzung erwähnten ‚blauen Weg‘) nehmen.
„Es stellt sich auch die Frage, wie es aussieht, wenn mehr Wasser fließt. Sind die Steine dann hoch genug? Werden sie mit der Zeit zu rutschig und wie ist es im Winter, wenn sich Eis bildet!?“, lauteten einige Fragen. Gelebte Inklusion sähe anders aus. Für wen genau die Steine denn nun gedacht seien, stand als Frage im Raum. Eine Nutzerin merkte an, dass man Schilder aufstellen sollte, die die Durchfahrt für Radfahrer, Rollstuhlfahrer und alle, für die der Weg über den Eselsbach nicht nutzbar wäre ‚verbieten‘ solle.


Die fehlende Beschilderung hatte auch Alexander Schulze in der Sitzung des Mobilitätsausschusses angemerkt. Sie könnte zumindest helfen, dass sich weniger ortskundige Radfahrer, Spaziergänger mit Kinderwagen, Rollatorennutzer und allgemein Menschen mit Einschränkungen nicht vergebens auf den Weg machen und dann umkehren müssen.

Machtverliebte Parteien der (aktuellen) politischen Mehrheit und einer Verwaltungsspitze in Erkrath, die die Bedürfnisse der Anwohnerr*innen offenbar als belanglos beiseite schieben möchten, sollten sich nicht wundern und haben es auch nicht anders verdient, wenn die Wähler*innen sich von Ihnen nicht vertreten fühlen. Wenn der Bürgermeister meint, „ 95% werden die Trittsteine nutzen können“, fehlt ihm jeder Zugang zu diesem Erkrath Quartier, zu seiner Altersstruktur, der Anzahl von Familien mit Kindern, Halter*innen von Hunden, Menschen mit Behinderung, Fahrradfahrende und andere. Oder er hat ein gestörtes Verhältnis zu Zahlen!