Jörg Schönenborn spannt den Schirm übers Hospiz

V.l.: Wido Weyer (Unternehmer u. Botschafter des Franziskus Hospizes), Wolfgang Soldin (erster Vorsitzender des Franziskus Hospiz Vereins), der neue Schirmherr Jörg Schönenborn, Thorsten Schmitz (Kämmerer der Stadt Erkrath u. Botschafter des Hospizes), Michaela Noll (ehemalige Schirmherrin), Bürgermeister Christoph Schultz und Silke Kirchmann (Hospizleiterin). Foto: Ria Garcia

Am 25. November 2025 übergab Michaela Noll den Staffelstab für die Schirmherrschaft an ihren Nachfolger Jörg Schönenborn. Welchen Bezug der WDR Programmdirektor zu Hochdahl hat, verriet Hospizvereinsvorsitzender Wolfgang Soldin.

Als Schirmherrin hat Michaela Noll das Fanziskus Hospiz lange Jahre begleitet. Nachdem sie sich aus der Bundespolitik zurückgezogen hat, ist sie in die zweite Reihe getreten. Als Hospizbotschafterin ist sie erhalten geblieben, die Rolle des Schirmherrn oder Schirmherrin war indes vakant. Am Dienstag übergab Michaela Noll in Anwesenheit von Hospizbotschaftern, aktuellen und ehemaligen Vorständen, Hospizleiterin Silke Kirchmann und dem Leitungsteam der einzelnen Hospizbereiche nun symbolisch den Staffelstab an ihren Nachfolger.

Nach einer kurzen Begrüßung der Anwesenden erzählte Hospizvereinsvorsitzender Wolfgang Soldin einleitend, dass keiner Argumente bedurfte Hospizbotschafter zu gewinnen. Alle hätte sich auf Anhieb gerne bereit erklärt. Dann würdigte er in einem Rückblick die lange Zeit der Schirmherrschaft von Michaela Noll. 20 Jahre hatte sie den Südkreis als Bundestagsabgeordnete vertreten. Soldin erinnerte an einige Anekdoten und daran, dass sie in ihrer Zeit in Berlin vor allem den Familien und dem Ehrenamt sehr zugewandt war und welche Politikpromeninz sie in den vielen Jahren ins Hospiz geholt hatte. Zum Dank gab es einen riesigen Blumenstrauß.

Hospizleiterin Silke Kirchmann gab einige Einblicke in die Arbeit des Hospiz und lobte ihr Leitungsteam. Über 50 haupt- und weit über 120 ehrenamtliche Mitarbeiter sind fürs Hospizzentrum tätig. Eine wichtige Qualifikation der Mitarbeitenden sei „die Idee vom Leben und Lachen“, erklärte Kirchmann. Das Hospizzentrum sei Ansprechpartner im Kreis Mettmann und werde auch bundesweit nachgefragt. 38 externe und 50 interne Fort- und Weiterbildungen habe es im Laufe dieses Jahres gegeben. Auch Infoveranstaltungen für Hospizleitungen werden angeboten.

Für einen Eindruck, in den berührenden Alltag der Hospizgäste, Angehörigen und Mitarbeiter verlas sie vier Fallbeispiele. „Ich hätte 886 andere Beispiele zu denen ich Geschichten erzählen könnte“, schloss sie. 278 trauernde Menschen habe das Hospiz im letzten Jahr begleitet. „Ohne finanzielle Unterstützung ist das alles nicht möglich. Das ist auch gut so. Wenn man damit Geld verdienen könnte, wären hier ganz andere Menschen“, schloss sie ihren Einblick ins Hospizzentrum.

Der neue Schirmherr Jörg Schönenborn

Natürlich ist es für das Hospizzentrum nicht unwesentlich einen prominenten Schirmherrn oder auch eine Schirmherrin zu haben. „Wie finden wir einen neuen Schirmherrn?“, startete Wolfgang Soldin den kleinen Rückblick auf die Suche. „Wir haben recherchiert und wussten schon, dass sie in Hilden wohnen und einen Bezug zu Hochdahl haben“, richtete er seine Worte an Jörg Schönenborn. „Wir haben schon einige Projekte, wo wir sie einführen können“, kündigte er an.

Der 61jährige Jounalist ist Programmdirektor des WDR und aufgrund seiner Funktion nicht mehr ganz so häufig selbst im Fernsehen zu sehen. Aufgrund seines Interesses für Politik und Gesellschaft (er studierte Journalismus und Politikwissenschaften) moderiert er aber weiterhin regelmäßig das ARD-Wahlstudio. Die Wahlanalysen zeigen, so Schönenborn, auch wie Gesellschaft so tickt. „Ich bin überzeugt, dass wir stolz auf uns seien können. Für uns ist Gemeinschaft immer noch wichtig“, erklärt er. Auch wenn zu spüren sei, „wie es zerrt“. Die Wahlergebnisse in den unterschiedlichen Bundesländern seien auch ein partieller Ausdruck der Unzufriedenheit.

Den von Soldin erwähnten Bezug zu Hochdahl hat der in Solingen-Ohligs geborene Schönenborn über seine Frau. Sie ist in Trills, nicht weit vom Frankziskus Hospiz entfernt, aufgewachsen. Die beiden haben 1990 in St. Franziskus in Trills geheiratet. Damals stand das Hospiz vor der Gründung. Die Entwicklung haben sie dann vor allem über die Schwiegereltern mitverfolgt. Im Hospiz selbst sei er, so gestand er, vorher nie gewesen. „Ich hatte Gelegenheit mit ein Bild vom Hospiz zu machen“, berichtete er von seinem Hospizbesuch. Schönenborn hatte sich, nachdem er kontaktiert wurde, gefragt, ob die Aufgabe etwas für ihn ist. Ein Kollege sei vor einiger Zeit an Parkinson gestorben, erzählt er. Erst der Kampf ins Leben und dann der Kampf aus dem Leben, hatte es ein anderer Kollege bezeichnet.

„Hier gibt es so gar keine Kampfspuren“, beschrieb er das positive Erleben im Hospiz. Licht spiele im Hospiz eine große Rolle. „Sie haben hier einen Ort geschaffen, der strahlt“, lobt er das Hospizzentrum. Mit seiner Bekanntheit will er künftig mehr Öffentlichkeit fürs Hospiz schaffen. „Die Gesellschaft sollte wissen, dass es solche Orte gibt.“ Für die Ehre künftig Schirmherr sein zu dürfen bedankte er sich. „Ich hoffe, dass ich die Erwartungen erfülle.“


Geschichte des Franziskus-Hospiz Hochdahl

In Hochdahl fand sich 1988 eine Gruppe von Menschen aus der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde zusammen, die sich wünschten, mit Sterben und Tod natürlicher und weniger angstbesetzt umzugehen. Schwerstkranke Menschen, Angehörige und Nahestehende wollten sie in dieser Lebensphase nicht mehr allein lassen. Auch sollte Sterben und Tod in den Kirchengemeinden gegen den gesellschaftlichen Trend der Tabuisierung neu zum Thema werden.

1988 entstand mit 114 Gründungsmitgliedern der ökumenisch geprägte „Franziskus-Hospiz-Verein Hochdahl“, als dessen Vereinszweck die ideelle und finanzielle Unterstützung bei der Einrichtung eines Hospizes, insbesondere eines ambulanten Hospizdienstes, und die Förderung der ehrenamtlichen Mitarbeit im Vordergrund stehen. Als Trägerin des Hospizes wurde im Dezember 1990 die „Franziskus-Hospiz für Schwerstkranke Hochdahl GmbH“ gegründet. Gesellschafter sind heute der Franziskus-Hospiz e.V. Hochdahl und die Marienhaus Unternehmensgruppe mit Sitz in Waldbreitbach, da die Waldbreitbacher Franziskanerinnen den Aufbau der Hospizarbeit von Anfang an unterstützt haben.

Bereits im Januar 1990 begann der Ambulante Hospizdienst mit seiner Arbeit.

Der Bau eines Hospizzentrums in Hochdahl-Trills konnte als Bundesmodellprojekt mit Förderung durch das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung zügig realisiert werden.

Am 9. Mai 1995 wurde das Hospiz-Zentrum mit Ambulantem Hospiz, Tageshospiz und Stationärem Hospiz eröffnet. Die Integration aller Hospizdienste unter einem Dach war zur damaligen Zeit in dieser Form in der Bundesrepublik Deutschland einmalig.

Das Konzept des Tageshospizes, wie es im Bundesmodellprojekt vorgesehen war, konnte nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden. Es musste 2005 geschlossen werden, weil es ähnlich wie es andere Träger von Tageshospizen in Deutschland erlebten – nicht in dem erforderlichen Maße ausgelastet war.

Unter Mitwirkung des Franziskus-Hospiz Hochdahl wurde im Jahr 2007 das Palliativnetzwerk im Kreis Mettmann gegründet.

Seit 2013 arbeitet das Ambulante Hospizpflegeteam in einer Kooperation mit der SAPV UG Mettmann in enger Verzahnung mit qualifizierten Palliativmedizinern in der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) mit. Das bisherige Angebot in der Allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV) durch unseren Ambulanten Hospiz- und Palliativpflegedienst wurde in diesem Zusammenhang aufgegeben.

Um die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Hospizarbeit an Einrichtungen und Fachkräfte aus der Region weiterzugeben, wurde im Franziskus-Hospiz Hochdahl ab dem Jahr 2007 ein Bildungszentrum aufgebaut.

Das Franziskus-Hospiz Hochdahl war und ist Impulsgeber für hospizliche Haltung und palliative Versorgung, versteht sich heute aber auch als ein Glied in einem immer dichter werdenden Netzwerk der Hospizarbeit und Palliativversorgung. Quelle: Homepage des Franziskus Hospizzentrum Hochdahl

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