Unterwegs als Tatort-Ermittler in Hochdahl

von Ria Garcia

Die 'Tatwaffen' im Projektraum des KunsTHauses. Foto: RG

An diesem Wochenende locken die neanderlandTATORTE. Künstler öffnen ihre Ateliers. Wir haben für unsere Leser mal ‘reingeschnuppert’ und waren gestern an Tatorten im KunsTHaus unterwegs.

Wolfgang Sendermann, der sein Atelier normalerweise an der Hauptstraße öffnet, war heute gemeinsam mit Hyacinta Hovestadt im Projektraum des KunsTHauses anzutreffen. Die ‘Tatwerkzeuge’ lagen offen auf dem Tisch, wie etwa eine Motorsäge, eine Feile und verschiedene Hämmer. Noch nicht bearbeitete Specksteine und eine ‘kinderfreundliche’ Feile liegen für die Kleinen, die vielleicht einmal große Künstler werden wollen, bereit. Im Raum verteilt Skulpturen. Auch Hyacinta Hovestadt präsentiert Skulpturen, kleiner und erst beim näheren Hinschauen entdeckt man, dass sie ‘recycelt’ und simpler Wellpappe neue Form und neues Leben einhaucht.

Weitere ‘Tatorte’ finden sich in der ersten Etage und unterm Dach des Kunsthauses. Dort treffen wir Cornelia Schoenewald und Rainer Fröhlich. Wir wollten wissen, wie es ihnen während der Pandemie ergangen ist und beim Erzählen stellten beide fest, dass sie doch sehr aktiv waren. Nur eben mehr draußen, als in Innenräumen. “Wir fahren nächste Woche nach Potsdam”, berichtet Rainer Fröhlich, dass bereits die nächste (Foto-)Tour geplant ist. Auch in den letzten zwei Jahren waren die beiden oft unterwegs, haben sogar einen Fotokurs, der in der VHS Haan-Hilden nicht stattfinden konnte, kurzerhand nach draußen verlegt. “Wir haben es ein oder zweimal digital versucht, aber das ist für einen Fotokurs halt uninteressant”, erzählt Fröhlich. Jetzt freuen sich die beiden, dass sie endlich wieder Besucher im Atelier empfangen können. Neben Fotografien fallen einige Drucke ins Auge und ein Tuch, das mittels Cyanotypie gestaltet wurde.

Gleich nebenan treffen wir Eva Pannée in ihrem Atelier, die dort auch einigen Exponaten von Wolfgang Sendermann ‘Asyl gewährt’. Neben Fotografie, einem künstlerichen Schwerpunkt von Eva Pannée, bestechen ihre Keramikskulpturen, bei denen sie durch den Verzicht auf eine Lasur eine Optik erreicht, die an Holz erinnert. Einige ihrer Fotografien mit Motiven aus der Flora, wirken durch starke Kontraste, ungewöhnliche Tiefe und einem faszinierenden Wechsel von Schärfe und Unschärfe, die einen ganz neuen Blick auf Natur erlaubt.

Im nächsten Atelier treffen wir Anne Konert. Auf schwarzem Tuch fallen zwei Skulpturen aus Draht ins Auge. Eine Kugel zum Thema Glück dürften treue Ausstellungsbesucher bereits kennen. Dennoch: Auf schwarzem Tuch präsentiert wirkt sie noch einmal ganz anders. Davor: Ein Dinosaurier. Erst wenn man ganz nah heran tritt, fällt auf, dass der aus Draht gefertigte Körper Worte in sich trägt. Der Dino hat eine Botschaft. “Das sind Wörter, die eigentlich aussterben sollten, so wie die Dinosaurier einst ausgestorben sind”, erklärt Anne Konert. Aber sie fertigt nicht nur kunstvolle Drahtskulpturen. An den Wänden hängen Bilder, die den Blick anziehen. Konert arbeitet mit ‘Schüttungen’ und erzielt damit besondere Effekte. Während die Schüttungen etwas ‘wildes’ ins Bild bringen, sorgen klare Linien für den ruhigen Gegenpol. Und dann hängen da noch Werke, die weiter das eine noch das andere sind: Hinter ausgeschnittenen Leinwänden ist weißes Tuch gespannt. Davor spinnt sich Draht. Wie kommt eine Künstlerin auf solche Ideen? “Die kommen oft über Ausschreibungen. Dann frage ich mich, wie ich das lösen kann. Das ist ein bisschen wie Schulaufgaben im Fach Kunst”, lacht Anne Konert.

Im nächsten Atelier treffen wir auf Roswitha Müller-Krüger und Werner Rutz. Gemeinsam arbeiten die beiden am Projekt ” Die unsichtbaren Städte” nach dem Roman von Italo Calvino. Jeder für sich ist vielseitig künstlerisch tätig. Werner Rutz kennen wir vor allem über seine Prägedrucke und die feinen Zeichnungen, in denen sich so viel mehr versteckt, als das Auge auf den ersten Blick erkennen kann. Bei Werken von Werner Rutz empfiehlt sich: Bitte treten sie näher heran und schauen Sie gut hin, denn die Botschaften sind im Detail versteckt. Wenn man auf Roswitha Müller-Krügers Werke schaut, ist sicher für jeden etwas Passendes dabei. Zeichnungen, Grafik, Acrylmalerei, Mischtechnicken, Kollagen oder Monotopie. Irgendwie schafft sie es ‘alles zu Kunst zu machen’. Hängen geblieben sind wir an ‘Huhn Berta’, gezeichnet auf Packpapier, was dem Bild einen ganz besonderen Charme gibt. Augenzwinkern fragt Werner Rutz: “Weißt Du eigentlich, dass ich Deinen Bildern heimlich Namen gebe?” Wusste sie offensichtlich nicht, aber wenn er die Namen verrät, weiß sie, was er oder andere möglicher Weise in ihrem Werk sehen.

In der Dachmansarde hat Anna Owsiany-Masa ihr Atelier. “Das ist mein Ruheort”, verrät sie. Sie liebt dieses Atelier unterm Dach, die Ausstrahlung des alten Hauses, das einst eine Schule war. Ihre letzte Ausstellung im KunsTHaus liegt noch gar nicht lange zurück. Die hatte sie gemeinsam mit Klaus Stecher, der vor allem mit der ‘Wortkunst’ arbeitet. “Das war für mich eine kleine Herausforderung, denn unsere Ausstellungswerke sollten ja am Ende harmonieren”, erzählte sie. Herausgekommen sind bei ihr einige Werke, die kombiniert mit Zitaten einen ganz eigenen Ausdruck entwickelt haben. Anna zeichnet aber gerne auch sehr perspektivisch Motive aus der Architektur von ‘Lost Places’ bis hin zu plakativer Darstellung von dem, was aktuell der Krieg in der Ukraine anrichtet. “Die Friedenstaube fliegt davon”, beschreibt sie eines der Bilder.

Ein Besuch der offenen Ateliers im Kunsthaus lohnt in jedem Fall und anders als bei Ausstellungen, bei denen man nur die dazu ausgewählten Werke zu sehen bekommt, kann man im Atelier mal so richtig ‘stöbern’. Heute öffnen die Ateliers noch einmal von 11 bis 18 Uhr. Auch die Ausstellung ‘Goldene Momente’ ist in dieser Zeit im KunsTHaus zu besichtigen, in der auch die Fotografien des erst vor kurzem verstorbenen Künstlers Günter Füllgräbe zu sehen sind.

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