Gründung, Start und Entwicklung von erkrath.jetzt

erkrath.jetzt inside Teil 3

Symbolbild: Gerd Altmann auf Pixabay

Welche Schwierigkeiten wir auf dem Weg zur Gründung einer Genossenschaft hatten, würde ein eigenes Kapitel füllen. Aber wie erreicht man die Gemeinnützigkeit?

Schon beim Besuch des Campfire-Festivals im Sommer 2019 hatten wir verstanden, dass Journalismus an sich nicht förderfähig ist. Alle journalistischen Startups, die gemeinnützig sind, hatten dies über andere Förderzwecke erreicht. Eigentlich erfüllt Journalismus viele Förderzwecke, er dient der Demokratieförderung, der Völkerverständigung und der Volksbildung und mehr. Wir konzentrierten uns auf diese drei Zwecke.

Auf unserem Weg zur Gründung trafen wir schon gleich zu Beginn selbst bei einem der größten Genossenschaftsverbände, vielleicht sogar dem größten, mit vielen unserer Fragen auf Unverständnis. Dass wir am Ende kurz vor der Gründung einen kleinen Verband wählten, der bereits im ersten Telefonat viele unserer Fragen beantwortete, haben wir unter ‚es prüfe, wer sich ewig bindet‘ gebucht. Das Lehrgeld betrug 1.000 Euro plus ‚Märchensteuer‘ Beratungshonorar, für eine Beratung, die unsere Fragen nicht ausreichend beantwortete und uns in eine Richtung gedrängt hätte, die nicht zu uns passte. Auch wenn wir ‚Lehrgeld‘ zahlen mussten, hat sich der Wechsel gelohnt und am Ende lagen die Kosten für uns doch noch niedriger als gedacht. Finanziert haben wir den Start ohne Kredit mit Eigenkapital. Wir haben einfach jeder der drei Gründungsmitglieder privat die zehnfache Anzahl von den Pflichtgenossenschaftsanteilen übernommen, die wir hätten normaler Weise einbringen müssen.

Gründung war schließlich am 31.10.2019 und noch in der Nacht zum 1.11.2019 stellten wir erkrath.jetzt online. Über die dazugehörige Facebookseite machten wir unser neues Medium publik. Schnell wuchsen unsere Leserzahlen und wir sind bis heute enorm dankbar, dass unter unseren ersten Lesern einige gleich ein Abonnement über Steady abschlossen, sodass zumindest schon einmal die technischen Kosten für den Betrieb von erkrath.jetzt gedeckt waren. Einige Leser verstanden unsere Idee und trugen als erste den community-zentrierten Lokaljournalismus als Gemeinschaft mit.

Mittlerweile lesen 700 bis 1000 Menschen täglich erkrath.jetzt. Bei besonderen Ereignissen, wie etwa dem Brand der ehemaligen Tapetenfabrik oder ähnlich aktueller Berichterstattung können es an einem einzigen Tag auch schon mal 10.000 Leser sein. Inzwischen haben wir auf erkrath.jetzt 5.670 Beiträge und rund 9.700 Fotos veröffentlicht. Fast 2 Millionen mal wurde unsere Homepage bisher aufgerufen. Das ist ein beachtliches Ergebnis für ein neues Medium. Aber diese Zahlen allein können den dauerhaften Bestand von erkrath.jetzt nicht sichern, denn nur wenn es im dritten und entscheidenden Jahr gelingt, die Finanzierung von erkrath.jetzt sicherzustellen, gibt es auch ein Jahr vier und viele weitere mit täglich aktuellen Berichten aus Erkrath und Umgebung.

Finanzierung auf ‚tönernen‘ Füßen

Genau da, also in der Finanzierung, liegt aber bisher der Knackpunkt, der im kommenden Jahr über den Fortbestand von erkrath.jetzt entscheiden wird. Gewinne müssen wir gar nicht erzielen. Als gemeinnützige Genossenschaft arbeiten wir ohne Gewinnerzielungsabsicht. Aber um erkrath.jetzt dauerhaft betreiben zu können, müssten 180 bis 200 TSD Euro Einnamen erzielt werden und davon sind wir meilenweit entfernt. Um es genauer auszudrücken: Von diesem Ziel sind wir 90 Prozent entfernt.

Woche für Woche stecken in erkrath.jetzt rund 100 Arbeitsstunden (Redaktion intern mit Verarbeitung von Pressemitteilungen, Außentermine, Artikel schreiben, Bilder bearbeiten, Grafik, Technik usw.). Alle administrativen Aufgaben, wie Buchhaltung, Vorstandssitzungen, Protokolle, usw. müssen auch erledigt werden. Das lässt vielleicht erahnen, wie groß der ehrenamtliche Einsatz in den letzten zwei Jahren war. Aber auch die Menschen, die erkrath.jetzt ins Leben gerufen haben und so einige andere, die mit uns vieles im Ehrenamt stemmen, müssen am Ende Miete zahlen und ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dieses dritte Jahr von erkrath.jetzt wird also entscheiden müssen, ob wir weiter machen können oder nicht. Vielleicht müssen wir auch die Veröffentlichung von Pressemitteilungen drastisch reduzieren. Das wäre schade, denn wir sind wahrscheinlich das einzige Medium, dass alle eingehenden Pressemitteilungen auch berücksichtigt. Klar ist aber auch, dass es so dauerhaft nicht funktionieren wird.

Dank an alle, die erkrath.jetzt bisher mit einem Beitrag unterstützen

Es ist schwer zu vermitteln, dass wir ein Medium herausgeben, dass für jeden frei lesbar ist, dessen Artikel teilbar und diskutierbar sind, wir aber dennoch darauf angewiesen sind, dass unsere Leser diese Arbeit finanziell mit einem Abo oder Spenden unterstützen müssen, damit es funktioniert (sofern sie finanzielle dazu in der Lage sind). Wir wissen, dass es ähnliche Projekte gibt, die funktionieren. In der Schweiz zum Beispiel. Aber gelingt das auf Dauer auch hier bei uns?

An dieser Stelle möchten wir noch einmal all denen danken, die unsere Arbeit unterstützen. Zum Teil sogar mit freiwillig gewählten Beträgen, die über ein normales Abo einer Tageszeitung hinausgehen. Andere haben sich entschlossen einen Beitrag zu leisten, der dem eines Tageszeitungsabos entspricht. Das hilft uns sehr. Auch alle anderen Beiträge sind eine große Hilfe. Es zeigt uns, dass es doch einige Menschen gibt, die die Idee hinter erkrath.jetzt und der Genossenschaft verstanden haben und bereit sind in den Lokaljournalismus der Zukunft zu investieren. Und dann sind da natürlich auch die Menschen, die mit uns diese Arbeit tun und ziemlich oft auf ein Honorar verzichten. „Danke, Ihr seid wirklich klasse.“

In der nächsten Folge schildern wir Euch etwas über den typischen Arbeitsalltag in der Redaktion und darüber hinaus.

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