Hexe verbrenne – die wilden Zeiten der Gleichstellung

von Ria Garcia

Annegret Pollmann. Foto: Ria Garcia

Ein Berufsleben lang setzte sich Annegret Pollmann für die Rechte der Frauen ein. 36 Jahre davon prägte sie die Gleichstellung in der Stadt Erkrath. Jetzt geht sie in den Ruhestand. Wir haben mit ihr zurückgeblickt.

Für Annegret Pollmann war Erkrath nach dem Studium nicht die erste berufliche Station, aber am Ende die, die sie über mehr als dreieinhalb Jahrzehnt beibehielt. „Ich war schon immer empfindlich, wenn es Ungerechtigkeiten gab“, erinnert sie sich an ihre Jugend zurück. Sie ist eine von vier Geschwistern. Die Eltern, beide Akademiker flohen einst mit dem ältesten Bruder, der damals noch ein Baby war, aus der ehemaligen DDR. Ihr Engagement in der evangelisch-christlichen Gemeinde hatte sie in den Fokus der Behörden gebracht. Beide waren Akademiker und wünschten sich diese Laufbahn auch für ihre vier Kinder. „Ich hätte durchaus auch gerne etwas handwerkliches gemacht“, erzählt Annegret Pollmann. Sie sei aber dem Wunsch der Eltern gefolgt, habe ihr Abitur gemacht und dann Pädagogik studiert.

Das Studienfach habe für sie von Beginn an festgestanden. Zuerst mit der Idee verbunden Lehrerin zu werden, dann wechselte sie im Studium in Richtung Erwachsenenpädagogik. „Ich wollte in den Bereich Gefängnisse, um Häftlinge zu resozialisieren, aber nach einem Praktikum in einem Gefängnis habe ich das dann ganz schnell wieder gelassen“, verrät sie lachend. Bei der Erwachsenenpädagogik blieb es. Im Zweitfach studierte sie Psychologie und überlegte das Studienfach noch einmal zu wechseln. Die Seminare hatte sie bereits alle belegt, aber aufgrund des hohen NC’s wechselte sie schließlich nicht und schloß ihr Studium als Diplom-Pädagogin ab. Neben dem Pädagogik-Studium hat sie auch eine Coaching-Ausbildung.

Gemeinsam mit einem ihrer beiden Brüder engagierte sie sich gegen Atomkraft. „Unsere Eltern haben uns vier Geschwistern immer vermittelt, dass wir uns wehren können, wenn es gerechtfertigt ist. Wir haben gelernt Konflikte auszutragen, zu diskutieren und zu argumentieren“, erzählt Annegret Pollmann. Lange bevor sie ahnte, dass sie einmal als Gleichstellungsbeauftragte tätig sein würde, setzte sie sich als Studentin dafür ein, dass ein Frauen-Café entsteht und saß im Studentenparlament an der Bergischen Gesamthochschule und Iniversität Wuppertal. Damals kam es häufiger zu Auseinandersetzungen mit der Studentengruppe RCDS und sie setzte sich für die jungen Frauen an der Uni ein.

Ein Berufsstart in wilden Zeiten

Mit dem abgeschlossenen Studium in der Tasche war der Berufseinstieg damals nicht einfach. „Es war schwer einen Job zu finden und genauso schwer eine Wohnung zu finden“, erinnert sich Annegret Pollmann. Am Ende hatte sie ihren Einstieg einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu verdanken. Der damals neue Gemeindedirektor der Gemeinde Windeck im Rhein-Sieg-Kreis leistete sich schon recht früh eine „Frauenbeauftragte“, allerdings hatte sie dabei noch einige andere Aufgaben in der Gemeinde zu erfüllen. An das Vorstellungsgespräch in Windeck erinnert sich Annegret Pollmann noch gut. Im ersten Gespräch erwarteten sie drei Gesprächspartner und nach der Vorstellungsrunde schien niemand so recht zu wissen, was er noch sagen und fragen sollte. „Das war eine komische Situation und ich entschloss mich zu reagieren. Ich sagte: Ihre Zeit ist knapp bemessen, meine auch“, so Annegret Pollmann. Eigentlich hat sie nicht damit gerechnet, dass etwas daraus wird, aber dann erhielt sie einen Anruf mit der Entschuldigung, dass das erste Gespräch nicht so gut gelaufen sei und ob sie noch einmal vorbei kommen wolle.

Die Anfänge der Gleichstellung liegen in den 1970er Jahren. Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfahlen gehörten zu den ersten Bundesländern, die sich auf Landesebene Gleichstellungsbeauftragte leisteten. Erste Gleichstellungsbeauftragte auf kommunaler Ebene war 1979 Eva Rühmkorf in Hamburg. Nordrhein-Westfahlens erste kommunale Gleichstellungsbeauftragte war 1982 Lie Selter. Damals war die Berufung von Gleichstellungsbeauftragten noch freiwillig. Im Oktober 1994 wurde es dann für alle Gemeinden, Städte und Kreise in NRW mit mehr als 10.000 Einwohnern Pflicht eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte zu bestellen. Erst 1999 mit der Änderung der Gemeindeordnung wurde die Berufung einer Gleichstellungsbeauftragten in allen Kommunen in NRW Pflicht.

Der Berufseinstieg war aufregend und wenn Annegret Pollmann von ihrer ersten Stelle erzählt, dann klingt das wie eine Geschichte aus dem wilden Westen. Im Grunde ist sie ins kalte Wasser geschubst worden. Es war gar nicht klar umrissen, was eine Gleichstellungsbeauftragte in der Gemeinde tun soll und in Windeck traf sie auf ein bäuerlich geprägtes Umfeld. „Als ich die erste Bäuerin überredet habe ihre Arbeit niederzulegen und ins Frauenhaus zu gehen, erwartete mich anschließend ein Schild mit dem Hinweis ‚Hexe verbrenne‘. Außerdem hatte man mir die Reifen zerstochen. Aber während es von der männlichen Bevölkerung böse Anfeindungen gab, haben sich auch erste Frauen zusammengeschlossen und gründeten Kindertreffs“, blickt sie zurück.

Als Annegret Pollmann sich schließlich um eine unbefristete Stelle in Heimatnähe bemühte, gab es gerade einmal zwei Ausschreibungen, auf die sie sich bewerben konnte: Radevormwald und Erkrath. Auf beide bewarb sie sich. Eine Einladung erhielt sie dann aus Radevormwald. „Das war nur eine Teilzeitstelle, aber nachdem sich aus Erkrath nichts bewegte, hab ich mich dafür entschieden“, sagt sie. Es sollte mehr als ein Jahr dauern, bis sie einen Anruf aus Erkrath erhielt. „Sind Sie noch interessiert?“, fragte man. Sie war interessiert. Erst später hat Annegret Pollmann erfahren, warum in Erkrath alles etwas länger dauerte. Für die erstmalige Besetzung der Gleichstellungsbeauftragten hatte man einen Arbeitskreis gebildet, in dem gemeinsam beraten wurde. Die Ausschreibung, auf die mehr als 90 Bewerbungen eingingen, erfolgte 1989. Bis sich der Arbeitskreis schließlich einig war, verging eine lange Zeit. „Es war dann Ende 1990, als ich die Stelle in Erkrath endlich antrat“, so Annegret Pollmann. Als sie sich dann dem Rat vorstellte, der sie in ihr Amt wählte, zischte ihr der damalige Stadtdirektor, neben dem sie saß, zu: „Wir brauchen sie hier nicht.“

Die damals 29-jährige Annegret Pollmann ließ sich davon nicht abschrecken, zumal sie – zu dieser Zeit selbst noch SPD-Mitglied – wusste, dass Stadtdirektor Helmut Günter bald von Bernd Sundhoff im Amt abgelöst werden sollte und sie künftig Unterstützung erwarten konnte. Wer aber an dieser Stelle annimmt ihr Weg sei fortan ein leichter gewesen, irrt. Als sie 1990 in Erkrath begann, gab es in ganz Deutschland gerade einmal ein paar hundert Frauengleichsstellungsbeauftragte, wie ihr sperriger Titel in der Ausschreibung der Stadt Erkrath damals hieß. Immer wieder musste sie sich der Frage stellen, was sie eigentlich tut, was ihre Aufgaben sind. „Von jüngeren Kolleginnen höre ich oft, dass das heute nicht viel anders ist“, berichtet sie uns im Gespräch.

Eine Bilderpräsentation zur Verabschiedung von Annegret Pollmann (l.) erinnerte an ihre Anfänge. Foto: RG

Die Anfänge in Erkrath

In ihrer Anfangszeit musste Annegret Pollmann sogar Kritik von Frauen hinnehmen, die sich zuvor dafür stark gemacht hatten, dass Erkrath eine Frauenbeauftragte bekommt. Damals gab es vor Ort die DKPistinnen, die Grünen Frauen und den Verein Frauentreff Xanthippe (1988 – 2003). Eine der Gruppen, die sich schnellere Erfolge erhofft hatte, stellte Annegrets Pollmanns Arbeit in Frage. „Sie nannten mich eine bürgerliche Tussi, weil ich an Besprechungen in der Verwaltung teilnahm, in denen damals nur Männer saßen. Aber wie hätte ich denn frauenpolitische Forderungen durchsetzen sollen, ohne mit den damals ausschließlich männlichen Entscheidungsträgern zu verhandeln?“

In ihrer Position war Annegret Pollmann immer Einzelkämpferin in der Verwaltung. Nach außen hat sie über die Jahre starke Netzwerke entwickelt. Die Gleichstellungsarbeit in Erkrath hat es so manches mal die Presse geschafft. Etwa 1992 mit unterschiedlichen Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswochen zur Gleichstellung. Die Vereinbarkeit von Familie & Beruf war von Beginn an ein starkes Themenfeld. Wenn man die Berichterstattung von damals nachliest, wie etwa das damals schon eingeforderte „Bedarfsgerechtes Angebot an Kindertagesbetreuung“, dann versteht man vielleicht, dass Gleichstellung eine Arbeit in vielen kleinen Schritten ist. Auch die Väter, die damals schon fortschrittlicher unterwegs waren und als „Hausmann“ keine leichte Rolle gegenüber ihren Geschlechtsgenossen, aber durchaus auch gegenüber Frauen hatten, vergaß sie in ihren Verantstaltungen nicht.

So manche Aktion entstand in Kooperation mit Mitstreiterinnen, wie etwa Monika Thöne, ehemalige Leiterin der Caritas Begegnungsstätte oder Gabriela Klosa, Leiterin des TSV Jugendzentrums und natürlich mit Gleichstellungsbeauftragten aus den kreisangehörigen Städten und aus dem Kreis. Als 1999 im SGB VIII die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen festgeschrieben und deren Förderung beschlossen wurde, erweiterte sich ihr Aufgabengebiet. Sie wurde beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss und erhielt durch Herbert Bander, damals Jugendamtsleiter in Erkrath, Unterstützung für ihre Arbeit. Gemeinsam mit der Politik schufen die beiden die Stelle eines Jugendschutzbeauftragten in der Verwaltung. Auch die städtische Erziehungsberatung wurde ausgebaut. Jugendeinrichtungen waren aufgefordert gezielte Angebote für Jungen und Mädchen zu entwickeln. Das TSV Jugendzentrum war damals Vorreiter, hatte als eine der ersten Jugendeinrichtungen schon Anfang der 90er Jahre solche Angebote entwickelt. Gerne erinnert sich Annegret Pollmann an die Wendo-Angebote im Rahmen der Ferienspaßprogramme, in denen Mädchen Selbstbehauptung und Selbstverteidigung lernten.

Aus der Präsentation zum Abschied. Foto: RG

Gleichstellung: Ein bisschen wie die Statik im Bauprojekt

Die Position der Frauengleichstellungsbeauftragte war als Stabsstelle mit Querschnittsfunktion angelegt. Annegret Pollmann traf anfangs auf eine stark hierarchisch strukturierte Verwaltung mit 400 Mitarbeitern, die bis heute auf fast 1.000 angewachsen ist. In der Verwaltung und auch außerhalb der Verwaltung sollte sie vor allem Diskriminierung von Frauen abbauen. Dabei stieß sie sowohl in der Verwaltung, als auch in der Politik auf Gegenwehr.

Sie erinnert sich noch gut an einige hitzige Debatten. Etwa im Jahr 2000, da hatte sie den Einsatz von Küchenkräften in Kitas gefordert, die damals kaum Zeit fanden die zunehmenden pädagogischen Vorgaben zu erfüllen. „Ich bekam als Gegenargument zu hören, dass Erzieherinnen als Frauen ja wohl auch kochen können und dass das deshalb naturgemäß auch zu ihren Aufgaben gehöre.“ 2000 trat in Erkrath auch der erste Frauenförderplan in Kraft, mit dessen Hilfe sich über die Jahre der Anteil an Frauen in der Verwaltung deutlich entwickelte.

Bereits 2007 hatte sich die Frauenquote in vielen Bereichen der Verwaltung gut entwickelt, allein im technischen Bereich war sie mit 40 Prozent noch nicht erfüllt und im höheren Dienst, in der Verwaltungsspitze kam sie gerade einmal auf 20 Prozent. Jetzt vor ihrem Ruhestand freut sich Annegret Pollmann vor allem, dass auch in der Feuerwehr inzwischen 14 Feuerwehrfrauen tätig sind. Dazu haben vor allem auch die Girls Days beigetragen, in denen Mädchen bis dahin von Männern dominierte Berufe kennenlernen konnten. Später wurden sie mit den Boys Days ergänzt, bei denen Jungen dann die Berufe kennenlernen konnten, die lange Zeit typische Frauenberufe waren.

Die Gleichstellung und das liebe Geld

Vor rund 25 Jahren, wie heute, fehlte es an finanziellen Mitteln in der Haushaltskasse. Annegret Pollmann verpackte die Botschaften an die Politik deshalb auch schon einmal bei einer Karnevalsfeier ins Kostüm. Etwa als Zauberin mit Zauberstab und dem Schild „Frauenförderplan – da hilft nur noch zaubern“. Auch wenn der Frauenförderplan ein Grund zur Freude war, leichter wurde es erst einmal nicht. In der Amtzeit von Bürgermeister Arno Werner, die von 2000 bis 2015 dauern sollte, erlebte sie wenig Unterstützung aus der Verwaltungsspitze für ihre Arbeit.

Auf Kreisebene, erreichte sie gemeinsam mit ihren Gleichstellungskolleginnen aus den Städten die Einrichtung eines Fördertopfes für Projekte in den Schulen, der auch immer voll ausgeschöpft wird. Aktuell beträgt er für die zehn Städte im Kreis insgesamt 50.000 Euro pro Jahr. „Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass die Schulen auch Anträge stellen. Das musste über die Schulsozialarbeiter erfolgen“, sagt Annegret Pollmann.

Aus der Präsentation zum Abschied. Foto: RG

Der lila Virus im System

Der Presse gegenüber hatte Annegret Pollmann einmal gesagt, dass sie sich oft vorkäme, wie „der lila Virus im System“. Ähnlich schien die Verwaltungsspitze sie zeitweise gesehen zu haben, denn keine andere Stelle in der Verwaltung musste so oft umziehen, wie die Gleichstellungsbeauftragte. Insgesamt neun Mal waren es und ein Leserbrief in der Presse verdeutlichte es: „Wo ist sie denn jetzt schon wieder zu finden, die Gleichstellungsbeauftragte Annegret Pollmann?“

Zu ihrer Außenwirkung darf man getrost sagen, dass die Farbe lila in Erkrath viel bewegt hat und das ihr Gesicht in der Stadt untrennbar mit dem Thema Gleichstellung verbunden ist. Viele Errungenschaften hat ihr Wirken in den Jahren mit sich gebracht. Die Vielfalt lässt sich kaum in einem Artikel festhalten. Von Frauenmessen über die Single-Selbsthilfegruppe, die später zum Stammtisch für alleinlebende Frauen wurde, hin zum Thema Frauen & Beruf und lange bevor es nun aktuell zum Gesetz werden soll, Aktionen zu digitaler Gewalt. Schon ganz am Anfang ihrer Zeit in Erkrath war sexueller Mißbrauch Thema einer Wanderausstellung. Viele Jahre später griff sie auf Initiative von Andrea Bleichert (SKFM) das Thema Loverboy Methode auf.

Leider war und ist Gewalt gegen Frauen damals wie heute ein Thema. „Ich war froh, als der SKFM 1993 für den Kreis Mettmann die Trägerschaft für ein Frauenhaus erhielt und dieses gründete“, sagt sie. Dank der Landesmittel wurde auch der Beratungsbereich gegen Gewalt an Frauen ausgebaut, für den der SKFM Mettmann im gesamten Kreis zuständig ist. Die seit 2011 zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen kreisweit initierte Brötchentüten-Aktion mit dem Slogan „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ und dem Aufdruck sämtlicher Notrufnummern ist für Annegret Pollmann eine Herzensangelegenheit. Die Aktion findet jährlich in Kooperation mit den Gleichstellungsbeauftragten, den Bäckerein und dem SKFM Mettmann statt. Dabei werden kreisweit 135.000 Tüten verteilt. Allein in Erkrath sind es 20.000 Stück.

Ihr selbst sind einige Aktionen aus den Jahren besonders in Erinnerung geblieben. Wie etwa das Internationale Begegnungswochenende in Wiehl, an dem 15 Frauen und 11 Mädchen im Altern von 9 bis 48 Jahren, die aus Ländern wie Polen, Russland, Ukraine, Marokko und Deutschland stammten, teilnahmen. Die Initiative ging von Gabriela Klosa aus. „Ich hatte vorher arge Bedenken, wie das klappt“, erinnert sie sich. Aber dann wurde es eine für alle bereichernde Erfahrung.

Von guten und schlechten Viren

Am 28. April 2026 feierte der „lila Virus“ Annegret Pollmann im Foyer der Stadthalle mit vielen Weggefährten einen emotionalen Abschied. In einer Präsentation ließ sie ihre Zeit als Gleichstellungsbeauftragte teils humorvoll, teils selbst berührt, Revue passieren. Sie vergaß dabei nicht ihre vielen Weggefährten und Mitstreiter zu benennen. Die Liste wäre zu lang, um sie hier einzufügen. Bürgermeister Christoph Schultz scherzte: „Dafür, dass das ein trauriger Anlass ist, sehe ich hier viele lachende Gesichter.“ Er ging in seiner Rede auf Annegret Pollmanns Herkunft ein und sagte, sie sei immer eine „Bergische“ gewesen. Sie ist zwar in Essen Steele zur Welt gekommen, ist aber in Gummersbach aufgewachsen, hat später in Wuppertal studiert und dann lange dort gewohnt. Ihre Wahlheimat ist seit langem Solingen. „Du bist ein Mensch, der sich immer mit vollem Herzen einsetzt“, würdigte er ihr Engagement. Dafür bedankte er sich mit wertschätzenden Worten.

Während Annegret Pollmann sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, bleibt der „orange Virus“ in Form von Gewalt gegen Frauen eine Aufgabe für ihre junge Nachfolgerin Derya Durur. Auch sie war zur Abschiedsfeier gekommen. Zeit für eine Einarbeitung, wie es Annegret Pollmanns Wunsch war, gab es zwar, aber Derya Durar verbleiben wohl erst einmal nur wenige Monate für ihre wichtige Arbeit. Sie erwartet ein Baby und wird sich in diesem Sommer erst einmal in den Mutterschaftsurlaub verabschieden. Wie die Lücke bis zu ihrer Rückkehr überbrückt wird, zeigt sich im Sommer oder Herbst.

Annegret Pollmann hatte im Gespräch gesagt, dass die – nicht nur in Erkrath – knappen Finanzen dazu führen würden, dass Gleichstellungsbeauftragte künftig möglicher Weise darum kämpfen müssen das bisher erreichte auch zu erhalten. Genug zu tun gibt es für sie weiterhin. Immer noch verdienen Frauen in vielen Bereichen weniger als ihre männlichen Kollegen. Gewalt gegen Frauen nimmt in den letzten Jahren zu und mit dem Nachahmen des Trends der Tradwives (traditionelle Frauen) aus Amerika gefährden auch hier bei uns inzwischen einige junge Frauen all das, was Frauen in mehr als 100 Jahren erkämpft haben.

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