
Premium | Am vergangenen Mittwochabend war im Planetarium Erkrath Feierstunde. Zwar bringt es der Verein in Hochdahl erst auf 45 Jahre, aber 100 Jahre Planetarien insgesamt wurden auch hier feierlich begangen.
Rund 50 Gäste hatten sich eingefunden, nachdem es zuvor eine öffentliche Vorstellung von „100 Jahre Ewigkeit“ gegeben hatte, einer Produktion zur Kulturgeschichte der Planetarien. Unter den Gästen beim anschließenden Empfang geladener Gäste waren Landrat Thomas Hendele, Bürgermeister Christoph Schultz, Ratsmitglieder, Mitglieder der Erkrather Verwaltung und einige weitere Gäste, wie auch Haans Bürgermeisterin Bettina Warnecke. Nach einem kleinen Sektempfang im Foyer begaben sich die Gäste ins Planetarium, wo sie offiziell von Maximiliam Mucha, dem 1. Vorsitzenden des Sternwarte Neanderhöhe Hochdahl e.V., begrüßt wurden. Er versäumte nicht darauf hinzuweisen, dass der Verein in fünf Jahren selbst ein besonderes Jubiläum begeht. Dann werden 50 Jahre gefeiert. Die Feierlichkeiten zu 100 Jahre Planetarien bilden einen Abschluss, begonnen hätten diese bereits vor zwei Jahren.
In einem Vortrag führte Mucha anschließend durch die Entwicklungsgeschichte der Planetarien, die bereits 1664 mit einer Holzkonstruktion, dem Gottorfer Globus, begann und eher mythologisch war. Dort saß man zusammen und philosophierte. 1774 folgte das Eisinga Planetarium, eine mechanische Konstruktion. Erst 1923 gelang es Zeiss in Jena einen ersten Planetariumsprojektor zu entwickeln. Der Demoprojektor war der erste, der Sternenlicht projezierte. Das erste fest installierte Planetarium entstand dann 1925. „Die zwei größten Planetarien gab es in Barmen und in Düsseldorf“, berichtete Mucha. Das Planetarium in Barmen sei im Krieg zerstört und das in in Düsseldorf beschädigt worden. Nach dem Krieg sei es umgebaut und rein akkustisch genutzt worden. „Sie kennen es alle. Es ist die heutige Tonhalle.“ Planetarien sind 2022 in NRW als immaterielles Kulturgut anerkannt worden. „In diesem Jahr wurde die immersive Vermittlung der Natur und des Universums in Planetarien von der Deutschen UNESCO-Kommission zum Immateriellen Kulturerbe erklärt“, ergänzt Mucha.
Von der Geschichte der Planetarien kam Max Mucha zur Geschichte des Vereins, der aktuell 550 Mitglieder zählt und 1967 gegründet wurde. Das Besondere sei, dass die Mitglieder zu einem Drittel aus Jugendlichen bestehen. Im November 1968 begann der Bau der Sternwarte, die komplett in Eigenleistung entstand und seit dem letzten Jahr saniert wird (wir berichteten). Auch bei der Sanierung haben die Vereinsmitglieder wieder in vielen ehrenamtlich absolvierten Stunden Hand angelegt und so rund 40 Tad. Euro Kosten einsparen können. Aber nicht alles, was nötig ist, kann in Eigentleistung erbraucht werden. Unterstützung erhalten sie dabei u.a. vom Handwerkerkreis und der Stadt Erkrath.
Das Planetarium wurde 1980 errichtet. Neben diesen beiden Standorten betreibt der Verein noch das Schulungszentrum an der Hildener Straße, in dem 1970 europaweit das erste Mal Mondgestein ausgestellt wurde. Dort finden auch die zahlreichen Kurse statt. „Über 500 Unterrichtsstunden im Jahr, komplett ehrenamtlich“, ließ Mucha die Gäste wissen.
Besonderheiten des Planetariums in Hochdahl
Beim Bau des Planetariums in Hochdahl war dieses mit seiner Bauart und Technik, dem Starball, das erste dieser Art in Deutschland und europaweit eines der ersten, ließ Max Mucha die Gäste wissen. 27 Jahre lang hat das Planetarium damit gearbeitet. 2007 wurde die Technik bei einem Brand beschädigt und das Planetarium blieb längere Zeit geschlossen. 2008 war Wiedereröffnung. Den Starball ersetzte ein digitales System. „Auch da waren wir immer noch eines der ersten Planetarien mit dieser Technik.“ Bereits 10 Jahre später, 2018, wurde wieder modernisiert und zuletzt in 2023 kam dann mit einer neuen Bestuhlung auch mehr Komfort für die Besucher an die Reihe.
Besucher kamen im vergangenen Jahr reichlich. Gab es in 2020 und 2021 Corona bedingt einen starken Einbruch in den Besucherzahlen, stiegen sie 2022 wieder an, hatten 2023 aber noch nicht wieder das „Vor-Corona Niveau“ erreicht. 2024 sprengte dann aber alle vorherigen Besucherzahlen. Waren es vor Corona pro Jahr cirka 20.500 Besucher, brachte 2024 ganze 32.135 Besucher. Eine ganz besondere Produktion, die im Sommer 2023 in die Planetarien kam, zog Besucher an, die nie zuvor in einem Planetarium waren. Das war Pink Floyd – The Dark Side of the Moon, anlässlich des 50-jährigen Album-Jubiläums.
Neben den öffentlichen Veranstaltungen kann man das Planetarium auch für private Veranstaltungen buchen. Ein kleiner Teil Veranstaltungen, wie etwa bei der Nacht der Museen, ist kostenfrei. Außerdem finden viele Veranstaltungen für Schulen statt. „Schulgruppen besuchen uns aus 190 Kilometer Umkreis“, berichtet Max Mucha. „Weil wir ein supergeniales Programm bieten“, ergänzt er. Auch im Ausland kennt man das Hochdahler Planetarium. So waren bereits Schüler der St. Pauls Girls School und Schüler aus Rotterdam zu Besuch.
Immer auf dem neuesten Stand
Max Mucha schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass die Technik des Planetariums bis zum Jubiläum auch schon wieder erneuert werden müsse und man bereits mit dem Kreis und Stadt im Gespräch sei und nach Fördermöglichkeiten suche. „Das haben sie eindrucksvoll dargestellt“, meldete sich Landrat Thomas Hendele anschließend zu Wort. Über die hohen Besucherzahlen zeigte er sich erfreut. Nach dem Neanderthal Museum läge das Planetarium auf Platz zwei. Hendele sagte Unterstützung bei der Akquisition von Fördermitteln zu. „Ich habe Ihnen schon einmal einen kleinen Umschlag mitgebracht.“ Bürgermeister Christoph Schultz ging auf den besonderen Tag anlässlich 100 Jahre Planetarien ein, erwähnte den einmaligen Fund der Himmelsscheibe von Nebra und andere Geschichtsdaten. Er bedankte sich dafür, dass der Verein den Forschergeist wachhält.
Und dann kamen die Gäste selbst in den Genuss von Vorführungen. Zuerst entführte Magdalena Kapela sie in die unendlichen Weiten des Weltalls, die vielleicht dem einen oder anderen zeigten, wie unendlich ‚klein‘ der Mensch angesichts dieser Dimensionen wirklich ist. Anschließend sahen dann auch die Gäste des Empfangs die Produktion „100 Jahre Ewigkeit“, die zum Jubiläum der Planetarien entstand. Sie zeigt die Auseinandersetzung des Menschen mit dem Himmel und den Einfluss, den diese auf die Geschichte der Zivilisation hatte. Von der Nutzung des Feuers, das durch Blitze vom Himmel kam, über megalithische Steinkreise und die Ursprünge der astronomischen Wissenschaft im antiken Griechenland hin zu technischen Prozessen der modernen Meeresschifffahrt.




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