War Kaiser Wilhelm II nun im Morper Park?

von Ria Garcia

Gespannt folgten rund 60 Besucher am Sonntagvormittag Uli Schimschocks Erzählungen zum Morper Park. Foto Wolfgang Scheurer

Natürlich war er, aber die Geschichte ist eben doch ganz anders, als gedacht, wie die Teilnehmer des Rundgangs durch den Morper Park erfuhren.

Einmal krankheitsbedingt abgesagt, konnte am vergangenen Sonntag nun der Rundgang durch den Morper Park bei schönstem Herbstwetter stattfinden. Für Uli Schimschock ist der Nachholtermin eine Herzensangelegenheit gewesen, ist der Park doch sein ‚zweites Zuhause‘. Es dürfte nur wenig Erkrather geben, die so oft den Park genießen und erkunden, wie er. Eingeladen hatte der Heimat- und Brauchtumsstammtisch anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Parks. Gefolgt waren rund 60 Teilnehmer. Alle wollten von Uli Schimschock mehr über die Geschichte des Parks zu erfahren und vor allem wollten sie Antwort auf die Frage zu erhalten ‚War Kaiser Wilhelm im Morper Park?“.

Erst einmal hat Uli Schimschock aber die Geschichte des Parks und den zum Teil sehr alten Baumbestand erläutert. Buchen, Fichten und Eichen spenden Spaziergänger viel Schatten. Angelegt wurde der Park 1897 von Friedrich Grillo, dessen Vater, der Industrielle Wilhelm Grillo, große Teile von Morp bereits 1880 gekauft hatte. Die Villa Grillo, auch Forsthaus Morp genannt, wurde vermutlich erst etwas später erbaut, was sich aus den alten Plänen des Parks erschließen lässt. Dort hatte die Villa ursprünglich noch einen anderen Standort. „Der Park wurde nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks des 18. und 19. Jahrhunderts angelegt“, ließ Uli Schimschock seine Zuhörer wissen. Das sei aus seiner Sicht sehr gelungen.

Erst seit 1974 ist der Park der Allgemeinheit zugänglich. Von 1942 bis 1952 nutzte die Rheinbahn Villa und Park als Erholungsheim für Angestellte. Anschließend waren Villa und Park im Besitz der Stadt Düsseldorf, die dort ein Altenheim für Schwestern des Roten Kreuzes einrichtete. Von 1975 bis 1984 stand die Villa, die nach einem Grundstückstausch in den Besitz der Stadt Erkrath überging, schließlich leer, während der Park seit dem der Allgemeinheit zugänglich war. Der heutige Eigentümer der Villa erwarb diese 1984.

Heute steht der Park unter Denkmalschutz und Teile unter Landschafts- und Naturschutz, denn unter anderem findet man dort auch den Eisvogel. Wer den scheuen Vogel sichten möchte sollte mit Ruhe und Geduld unterwegs sein. In diesem Jahr haben im Morper Park außerdem vier Graureiherpaare gebrütet, erfuhren die Teilnehmer unterwegs. Auch ein junger Bussard wurde dort aufgezogen. Den Rundgang hatte der Heimat- und Brauchtumsstammtisch anlässlich des 125 Jubiläums des Parks organisiert.

„Ich war auch ganz fasziniert. Das tollste Erlebnis war der Rundgang durch den Irrgarten“, erzählte uns Wolfgang Scheurer, der sich mit seiner Frau dem Rundgang angeschlossen hatte. „Das sollte jeder einmal versuchen“, empfielt er. Das Labyrinth, das Wolfgang Scheurer ansprach, ist allerdings deutlich neueren Datums. Es wurde erst im Jahr 2000 angelegt. Zuvor hatte ein Wünschelrutengänger der richtigen Platz ermittelt.

„Man sagt, Labyrinthe seien magische Orte“, ging Uli Schimschock auf die mystische Komponete ein. Tatsache sei jedoch, dass es viele Schwingungen und Energien gäbe, die die meisten Menschen bewusst nicht wahrnehmen können. Das Labyrinth, wusste Uli Schimschock, hat einen Durchmesser von 16 Metern. Der Weg von Außen bis in die Mitte sei genau 60 Meter lang.

Und was war nun mit Kaiser Wilhem II?

Auf eine Antwort warteten die Besucher mit Spannung. „Ja, das war so: Parkarbeiter haben hier ein Päuschen gemacht und Kartoffelschnaps getrunken. Einer davon ein bisschen zu viel, denn er fiel rücklings in den Pool. Der hieß Wilhelm Kaiser“, erzählte Uli Schimschock, während er in besagtem Pool, eine Betonrundwand unter einer Blutbuche, stand. Schnell habe die Geschichte ‚Kaiser Wilhelm‘ sei besoffen in Grillos Pool gefallen die Runde im Dorf gemacht. Ob die Geschichte vom ‚Kaiserbecken‘ wahr ist oder falsch? Das fällt sicher unter Seemanns, bzw. Parkgängergarn. Uli Schimschock hat sie von der Blutbuche erfahren, klärt er die amüsierten Teilnehmer des Rundgangs auf. Der Rest der Park- und Villengeschichte hingegen ist wahrhaftig und entspringt überlieferten Tatsachen.

1 Kommentar

  1. Der Heimat und Brauchtumsstammtisch dankt für den schönen Bericht – wir treffen uns jeden 3. Donnerstag im Brauhaus zum boldenen HAndwerk in Erkrath (Tisch 71)

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