Stand der Wissenschaft in der MS Forschung

von Ria Garcia

V.l.: Dr. Kalyani Bondre-Kempen, Marion Kremerius und Catherine Wolters. Foto: Timo Kremerius

Nach vier Jahren Corona-bedingter Pause fand am vergangenen Dienstag die inzwischen zehnte Informationsveranstaltung zum aktuellen Stand der Wissenschaft zu Multipler Sklerose in der Stadthalle statt.

In vier Jahren kann die Wissenschaft zu vielen neuen Erkenntnissen über eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, wie Multiple Sklerose, gelangen. Dementsprechend groß war das Interesse bei von der Erkrankung Betroffenen, deren Angehörigen und allgemein aus beruflichen oder privaten Gründen Interessierten, die zahlreich in der Stadthalle erschienen.

Die Ursachen, die zu einer MS Erkrankung führen, sind bis heute unbekannt. Weltweit wird zur ‚Krankheit der tausend Gesichter‘, wie MS wegen der oft sehr unterschiedlichen Symptomatik und Schwere auch genannt wird, geforscht. Immer noch sucht man nach der Ursache und vor allem nach passenden Behandlungsformen.

Seit 19 Jahren leitet Marion Kremerius in Erkrath eine inzwischen recht große Selbsthilfegruppe für MS-Betroffene. „Über Fortschritte in der Wissenschaft und mögliche Therapieansätze informiert zu sein, halte ich für die Betroffenen und Angehörigen sehr wichtig“, erklärt sie. Das war auch der Grund eine jährliche Veranstaltung zu planen, die über neue Ansätze informiert. Wie groß der Informationsbedarf bei von MS Betroffenen, deren Angehörigen, aber auch bei Menschen, die beruflich oder privat mit Betroffenen zu tun haben, ist, zeigte sich gleich bei der ersten Veranstaltung, die vor vielen Jahren mit 150 Teilnehmern ausgesprochen gut besucht war. In den Folgejahren nahm die Teilnehmerzahl noch weiter zu. Die Veranstaltung wurde durch ‚Mund zu Mund Propaganda‘ über die Grenzen des Neanderlands hinaus bekannt, Besucher kamen aus Düsseldorf, Wuppertal, Mönchengladbach und sogar aus den Niederlanden. Angezogen vom hohen Niveau der jeweiligen Referenten gesellten sich auch Ärzte und Therapeuten zu den Veranstaltungsbesuchern.

Mit umfangreichem Informationsmaterial zu den neuesten Forschungsansätzen und Behandlungsmöglichkeiten unterstützt auch die Pharmaindustrie die Veranstaltungen, die jedes Jahr zeitnah nach dem internationalen Neurologenkongress statt. So flossen die neuesten Forschungsergebnisse zu Multipler Sklerose gleich mit in die Veranstaltung ein.

Forschungsergebnisse aus vier Jahren

Mit der Pandemie stoppten die jährlichen Veranstaltungen des Fördervereins MS-Treff und so gab es in diesem Jahr erstmals alles Wissenswerte, was sich seit Beginn der Pandemie in der MS-Forschung getan hat. Referentinnen waren in diesem Jahr die Neurologin Dr. Kalyni Bondre-Kempen, leitende Oberärztin der Abteilung Neurologie im Marienhospital in Düsseldorf und Catherine Wolters, Psych. Psychotherapeutin, Psychoonkologin M.Sc. und Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin M.A. Das Marienhospital ist neben der Uniklinik Düsseldorf die einzige Klinik in näherer Umgebung, die schon seit Jahren eine ambulante Beratungsstelle für Menschen mit Multipler Sklerose anbietet.

Dr. Bondre-Kempen referierte zum Thema ‚Therapie der MS – Neue Medikamente – Stand der Forschung‘. Weiterhin, so führte Bondre-Kempen aus, läge ein Schwerpunkt auch in der Ursachenforschung. In den vergangenen drei Jahren sei man zu vielen neuen Erkenntnissen gelangt, die eine weitere Grundlage bilden sollen, um Multiple Sklerose vielleicht eines Tages nicht nur therapieren, sondern vielleicht sogar heilen zu können. Aktuell arbeitet man vor allem noch daran das Voranschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Durch gezieltere Medikamente, die auf einzelne Zellen wirken, werden Nebenwirkungen verringert und die Verträglichkeit verbessert. Dr. Bondre-Kempen beantwortete auch Fragen der Besucher und gab diesen auch später im Foyer noch die Möglichkeit persönliche Fragen zu stellen. Die Neurologin verriet auch, dass sie eigentlich aus Erkrath kommt und hier auch das Gymnasium besuchte. Erst seit einigen Jahren hat sie ihren Lebensmittelpunkt an den Arbeitsort Düsseldorf verlegt.

Die zweite Rednerin, Catherine Wolters, referierte über das Thema ‚Wie redest du eigentlich mit dir – Der Umgang mit uns selbst‘. Die Psychologische Psychotherapeutin, die auch Psychoonkologin ist und Kommunikations- und Medienwissenschaft studiert hat, ging darauf ein, wie sehr die Psyche unser körperliches Befinden beeinflusst und welchen Einfluss das auf chronische Leiden hat. Damit griff Wolters neben der vorher vorgestellten Fülle an neuen Wirkstoffen und Darreichungsformen ein ebenso wichtiges ‚Heilmittel‘ auf. Unterhaltsam vermittelte sie den Besuchern die ernst gemeinte Forderung zuerst einmal mit sich selbst gut umzugehen und bezog die Zuhörer mit ein.

Fragen blieben hier bei den Zuhörern nach dem Vortrag nicht offen. Er traf offensichtlich den Kern, den viele Zuhörer in ihrem Innersten kennen, aber das Wissen darum nicht immer umsetzen. Später im Foyer war dann von einem Besucher zu hören: „Ich kam mir vor wie ein Nick-Männchen, denn bei allem was die Referentin vortrug, musste ich zustimmen. Ich werde künftig öfter daran denken.“

Bei einem kleinen Imbiss nach den Vorträgen nutzen viele Besucher die Möglichkeit mit den Referentinnen und Ansprechpartnern des Fördervereins und Mitgliedern der Selbsthilfegruppe MS-Treff Erkrath noch persönliche Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*