Stadtteilkonferenz in Alt-Erkrath

Stadtteilkonferenz in Alt-Erkrath. Foto: SK

Die dritte und letzte Info- und Gesprächsrunde fand am vergangenen Mittwochabend mit gut 30 Teilnehmenden in der Stadthalle Erkrath statt.

Wie bei den vorangegangenen Terminen startete Bürgermeister Christoph Schultz mit einer PowerPoint-Präsentation der zahlreichen Projekte, mit denen sich die Verwaltung aktuell beschäftigt, bzw. die kurz- und mittelfristig angegangen werden sollen. Nach einer halben Stunde des Zuhörens waren die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Anliegen dran.

Das Starkregen-Ereignis vom Juli und zu erarbeitende Konzepte

Das verheerende Hochwasser hatte besonders die Anwohner an der Morper Allee und den angrenzenden Wohnstraßen sowie die der Gebiete rund um den Gerberplatz und die anliegenden Wohngebiete um Gymnasium und Realschule getroffen. Es war daher wenig erstaunlich, dass Hochwasser-Betroffene sich besonders zu den von Bürgermeister Schultz vorgetragenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz äußerten. In seinem Vortrag hatte er angekündigt, dass gerade eine Starkregenkonzept für die Düssel erarbeitet werde. Durch Pressmitteilungen und Hinweis auf der städtischen Website würde dann die Bevölkerung informiert, sobald das Konzept fertig und auf der Webseite der Stadt abrufbar sei. Auch gab Schultz den Hinweis, sich bei Fragen zum Hochwasser-Schutz sowie zur Einsicht von Hochwassergefahren- und Hochwasserrisiko-Karten an Miriam Riese, Beratung Starkregenvorsorge und Hochwasserschutz beim Abwasserbetrieb, zu wenden. Des Weiteren fänden sich auf erkrath.de unter dem Stichwort „Hochwasser“ Hinweise zum Beantragen von Hilfen, die Bund und Land zur Verfügung stellen.

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Anwohner der Gerberstraße hatten gleich mehrere Fragen an den Verwaltungschef. Warum läge für den Hubbelrather Bach noch kein Konzept zum Hochwasserschutz vor, obwohl das Thema bereits 2019 mit dem BRW (Bergisch-Rheinischer Wasserverband) besprochen worden sei. „Ich weiß, dass dies kein neues Thema ist. Da der Bach ein Nebenfluss der Düssel ist, ist auch er Gegenstand des Konzepts, das sich in der Ausarbeitung befindet“, so die Antwort des Bürgermeisters. Als eine Teilnehmerin zu bedenken gab, dass „das Rückhaltebecken an der Gink beim zurückliegenden Starkregenereignis ganz schnell an seine Grenze gestoßen ist“, laute seine Antwort: „Ich bin gewillt, dass wir als Stadt die freie Fläche gegenüber dem Bauernhof erwerben, um Fläche für eine mögliche Erweiterung vorhalten zu können.“

Kanalsystem

Im Zusammenhang mit den Hochwasser-Folgen wurde auch gefragt, ob denn das bestehende Kanalsystem in (Alt-)Erkrath generell zu klein sei, darauf Christoph Schultz: „Im Juli sind in kurzer Zeit so unfassbar große Regenmengen über Stunden heruntergekommen, dass kein Kanalsystem dies aufnehmen hätte können. Außerdem war der Boden durch die Regenfälle in den Tagen und Wochen davor schon so gesättigt, dass er kein Wasser mehr aufnehmen konnte.“

Anwohner der Gerberstraße wiesen Schultz auf eine weitere Problematik hin: Das Laub der Straßenbäume sammle sich vor den Straßeneinläufen, verstopfe sie und bringe sie auch schon bei „ganz normalen Regenfällen“ zum Überlaufen. Als mögliche Lösung stellte Schultz in Aussicht, dass der dreimalige Reinigungsrhythmus in dem Bereich Geberstraße/-platz auf viermal im Jahr erhört werden könne. Die Tatsache, dass die Gärten der Häuser, deren Front zur Gerberstraße hin liegen, rund eineinhalb Meter unter Straßenniveau liegen und beim Hochwasser auch fast so hoch überflutet wurden, war Schultz nicht bekannt. Als eine Anwohnerin in dem Zusammenhang noch anmerkte, dass bei der Bebauung der früheren Pose Mare-Geländes „drei Gullys weggefallen sind und das Wasser seitdem zu uns auf die Bongard und Gerberstraße fließt“, regte Schultz einen „spontanen Ortstermin“ an.
Die von den Anwohnern geäußerten Vermutung, dass die Kanäle in dem besagten Bereich nach dem Juli-Hochwasser noch nicht gereinigt worden seien, versprach er nachzugehen.

Planung „Düsselterrassen“ auf dem Gebiet des Wimmersberg

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Wenig erstaunlich war das zur Sprachekommen eines für diesen Stadtteil Erkraths besonders relevanten Themas: die geplante Bebauung des Wimmersbergs durch den Investor Catella. Zeitgleich zur Stadtteilkonferenz tagte zu diesem Thema der Ausschuss für Umwelt und Planung im Bürgerhaus Hochdahl und einen Tag später beschloss der Rat die Annahme des Bebauungsplans, siehe separate Berichterstattung von erkrath.jetzt. Zu dem Thema ergriff u.a. Michael Laferi, Sprecher der Initiative „Lebenswerter Wimmersberg“, das Wort: „Als Stadtplaner bin ich über das Ergebnis entsetzt. Sie haben dem Investor den ‚Roten Teppich‘ ausgerollt. Nichts, was an konstruktiven Beispielen von Bürgern eingebracht wurde, findet sich in der Vorlage wieder,“ so sein Vorwurf. „Sogar in ihrer PowerPoint Präsentation zeigen Sie keine dreidimensionale Darstellung, ohne die die Bürger sich die Massierung der Bebauung, u.a. die sechsgeschossige Wohnbebauung als Riegel zur Bahnstrecke, überhaupt vorstellen können. (…) Schade, schade, schade. Hier wird die Chance vertan, ein schönes Stück Erkrath zu errichten“, so Laferis Fazit, das mit Applaus der anwesenden Bürger*innen bedacht wurde. Bürgermeister Schultz wies die Vorwürfe zurück: „Zum einen: Der Investor ist keine Heuschrecke. Wenn Herr Laferi als direkter Anwohner des Wimmersberg im Stadtrat säße, wäre er befangen und dürfte nicht mitstimmen,“ so Schultz. „Wir haben in den vorangegangenen Bürgerbeteiligungen viele Bürgerinnen und Bürger gehört, können aber nicht allen eine Bühne geben. Die Hoheit über die Entscheidung hat nun einmal der Stadtrat.“ Er hob noch einmal hervor, wie dringend neue Wohnungen in Erkath benötigt würden, auch um den bestehenden Preisdruck bei den Mieten und beim Kauf zu mindern: „Wir haben nun einmal das Pech und das Glück zugleich, in einer so attraktiven Gegend in der Rheinschiene zu liegen, so dass viele Menschen hier leben möchten. Bestehender Wohnraum wird als Gut nachgefragt. Und das geplante Gebiet verträgt im Übrigen auch 750 Wohnungen,“ so der Bürgermeister, der auch Laferis Befürchtungen, nicht teilte, dass das, unter dem Namen „Düsselterrassen“ geplante Wohngebiet mit Kita, Tiefgarage und Supermarkt-Erweiterung möglicherweise ebenso lange „brachliegt wie in Düsseldorf das ebenfalls vom Investor Catella imitierte Baugebiet ‚Grand Central‘ am Düsseldorfer Hauptbahnhof, das bereits mehrfach weiterverkauft wurde“, wie Laferi anführte.

Mögliche Bebauung des Grundstücks Düsseldorfer Straße 1

Ein weiteres Baugrundstück bewegt in Alt-Erkrath die Gemüter: das Baugrundstück an der Düsseldorfer Straße, auf dem der Abriss des Bestandgebäudes bereits stattgefunden hat und auf dem sich eine „schützenswerte Parkanlage befindet. Gerüchteweise kursieren verschiedene Szenarien für eine neue Bebauung, die von fünf- bis achtstöckigen Wohnblöcken reicht, wie ein Anwohner ausführte.

„Mir ist nicht bekannt, dass für das besagte Grundstück vom neuen Eigentümer bereits ein Bauantrag eingereicht wurde. Daher kann ich Ihnen zu den dessen Plänen nichts Konkretes sagen“, so Bürgermeister Schultz zu den geäußerten Befürchtungen, von einer Verschattung für die bestehenden Wohnhäuser bis hin zu einer Erhöhung der Hochwassergefahr in diesem Bereich durch eine weitere Bodenversiegelung reichte. „In jedem Fall haben Sie als Nachbarn ein Widerspruchsrecht, wenn die Pläne für die Bebauung Ihren Interessen zuwiderlaufen sollten“, informierte der Bürgermeister, der zum Abschluss der Diskussion erklärte, dass es keinen Bebauungsplan für das Grundstück gebe und somit nach §34 der geltenden Landes-Bauordnung entschieden würde.

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Neubau Gymnasium Neandertal:

Da der jetzige Baukörper nicht wirtschaftlich zu sanieren sei und auf dem geplanten Baugebiet „Erkrath Nord“ bereits ein „Schulreserve Bau“ vorgesehen sei, werde der Neubau (in Passivhausstandard) in vier Jahren dort errichtet sein, ließ Bürgermeister Schulz die Anwesenden wissen. An der Stelle der jetzigen sei eine moderne Dreifach-Halle geplant, die die Anfrage nach Hallenzeiten entschärfen würde. Angedacht sei auch, das bestehende Gebäude als Ausweich-Quartier stehen zu lassen, um dann die benachbarte Realschule im laufenden Betrieb sanieren zu können.

Übergangs-Unterkunft an der Freiheitsstraße     

Diese sei vom Hochwasser so unterspült worden, dass sie nicht mehr standsicher sei und abgerissen werden müsse. Der Rat habe für den Standort bereits den Neubau der jetzt auf zwei Standorte verteilten GGS Erkrath beschlossen. Er komme somit für eine Wohnbebauung nicht in Frage, was eine Besucherin gefragt hatte.

Förderschule am Rathelbecker Weg

Wenn das Schulzentrum an der Brechtstraße mit Neubau der Förderschule (Bauherr: Kreis Mettmann) und der GGS Sandheide (Bauherr: Stadt Erkrath) fertiggestellt sei (Verzögerung wegen Mängeln in der Ausführungsplanung voraussichtlich um ein Jahr auf das Schuljahr 2025/26), soll am jetzigen Standort in städtischer Verantwortung sozialer Wohnungsbau entstehen.

Hinweis auf Beschwerdestelle

Auch bei der letzten der drei Stadtteilkonferenzen wies Bürgermeister Schultz darauf hin, dass Beschwerden und Probleme per Mail an: beschwerde@erkrath.de geschickt können. Auch eine App, in der herumliegender Abfall in großen Mengen, illegale Müll-Entsorgung, Gefahrenbäume, hochstehender Pflasterbelag u. ä. gemeldet werden könne, unterhält die Verwaltung über „tellmemängel Erkrath“.

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