Späte, berührende Verabschiedung im Jugendhilfeausschuss

V.l.: Nora Baumgarten, Ausschussvorsitzender Bernhard Osterwind und Beigeordneter Michael Pfleging bei der Verabschiedung. Foto: Ria Garcia

Im Jugendhilfeausschuss ehrten die Mitglieder Nora Baumgarten für 34 Jahre unermüdlichen Einsatz für Soziales und die Mitarbeit im Ausschuss.

Im letzten Jahr war Nora, damals noch Norbert, für viele überraschend als Geschäftsführer des SKFM und als Ausschussmitglied ein halbes Jahr nach dem Umzug ins Forum Sandheide und noch vor der feierlichen Eröffnung im letzten Sommer, in den Ruhestand gegangen. „Meine Batterien waren einfach platt“, erklärte Nora Baumgarten, die die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses bis im letzten Jahr als Norbert Baumgarten kannten, im Jugendhilfeausschuss. Auf das Selbstbestimmungsgesetz (#SeiDuSelbst), das im April dieses Jahres beschlossen wurde und größtenteils zum 1. November in Kraft tritt, konnte und wollte sie nicht mehr warten. „In der Schweiz wurde ein solches Gesetz bereits vor einem Jahr beschlossen. Mehr Transmenschen als vorher gibt es deshalb nicht“, sagte Nora Baumgarten.

34 Jahre war Nora Baumgarten, damals noch als Norbert, Mitglied des Jugendhilfeausschusses. „Ich freue mich, dass ich mich heute als die von Ihnen verabschieden kann, die ich schon immer war: Nora Baumgarten.“ Eine vorbereitete Rede ließ sie dann von der ehemaligen Kollegin Andrea Bleichert, die beim SKFM für die Frühen Hilfen zuständig ist, verlesen. Diese war sichtlich berührt. „Wir können nicht selbst entscheiden, ob wir Mann, Frau oder etwas anders sind. Ganz gleich welches biologische Geschlecht wir haben, wir sind es einfach […] Die jungen Menschen brauchen auch hier in Erkrath Referenzmodelle im ganz normalen Alltag in puncto Geschlechtervielfalt, um ihr persönliches Empfinden, ihr so sein, ihre persönliche Prägung abgleichen, wiedererkennen und annehmen zu können“, verlas sie aus der Rede. Es sei hilfreich, dass sich immer mehr Menschen in Spitzenpositionen zu ihrer Geschlechtsidentität bekennen, aber es bräuchte auch in Erkrath Menschen, die natürliche Vielfalt vorleben, war der Rede weiter zu entnehmen. Das zu fördern sei eine gemeinsame Aufgabe der kommunalen Jugendhilfe zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten und allen örtlichen Trägern der Jugendhilfe.

„Hierdurch wird kein Mensch zu etwas verleitet, was er nicht bereits von Natur aus ist, aber wir hätten eine geringere Suizidrate, gesündere Menschen und würden endlich auch an dieser Stelle dem Grundgesetz Artikel 3 entsprechen.“

Bernhard Osterwind fand als Ausschussvorsitzender wertschätzende und anerkennde Worte für die langjährige Zusammenarbeit und das Engagement von Baumgarten. Die Ausschussmitglieder zollten ihre Anerkennung mit einem großen Applaus, als Osterwind Nora Baumgarten zum Abschied ein Buch überreichte. Michael Pfleging überreichte im Namen des Ausschusses und der Verwaltung zum Abschied einen Blumenstrauß.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*