
Klaus Grabenhorst verzaubert das Café 28 mit Liedern von Reinhard Mey.
Es gibt Abende, da passt einfach alles zusammen. Wenn Klaus Grabenhorst zur Gitarre greift und die zeitlosen Lieder von Reinhard Mey anstimmt, geschieht etwas Berührendes im Raum: Die Hektik des Alltags verstummt, die Gäste schließen die Augen und plötzlich sind die 70er-Jahre wieder ganz nah. Im vollbesetzten Café 28 im Forum Sandheide wurde am vergangenen Freitag genau solch ein „Wohlfühlabend“ gefeiert – eine Hommage an das Leben, die Musik und die Menschlichkeit.
Ein Künstler mit Herz und Haltung
Wer ist dieser Klaus Grabenhorst, der das Publikum so mühelos in seinen Bann zieht? Viele Erkrather kennen ihn bereits als „Sahnehäubchen“ aus dem Wohnzimmertheater von Beate Sarrazin. Doch seine Wurzeln reichen tief: 1958 in Braunschweig geboren, griff er schon früh zur Gitarre. Nach Stationen am Bodensee, in Frankfurt, Nürnberg und München fand er schließlich in Düsseldorf seine Heimat.
Grabenhorst ist ein Künstler mit klarer Haltung. Von 1977 bis 1981 prägte er mit den Asphaltkonzerten des Musikalischen Straßenkabaretts die deutschen Straßen. Themen wie Medienkritik, Friedenspolitik und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Doppelmoral ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Vita. Ob als Gitarrenlehrer, Regisseur am Frankfurter Theater am Turm oder als fesselnder Geschichtenerzähler – Grabenhorst bringt eine enorme Lebenserfahrung auf die Bühne, die man in jedem Ton spürt.
Vom Zufall zum Kultur-Highlight
Dass er ausgerechnet im Café 28 landete, verdanken wir seinem sympathischen Widerstand gegen die moderne Wegwerfgesellschaft. Als er nach dem Tod seiner Mutter deren Wohnung auflöste, war ihm wichtig, dass liebgewonnene Dinge weiter genutzt werden. So führte ihn sein Weg zum SKFM, wo er die Sachen abgab – und bei einer Tasse Kaffee im Café 28 feststellte, dass dieser Ort einmal im Monat seine Tore für die Kultur öffnet. Er sinnierte laut darüber, dass er hier auch gerne einmal auftreten würde. Ein halbes Jahr später klopfte die Anfrage tatsächlich bei ihm an – ein glücklicher Zufall, der nun in dieser wunderbaren Hommage gipfelte.
Im Café 28 gehörte ihm die Bühne ganz allein. Dabei trällerte er nicht einfach nur die bekannten Melodien. Grabenhorst ist ein begnadeter Geschichtenerzähler und fesselte die ca. 80 Zuschauer mit einer Mischung aus Musik und fundiertem Hintergrundwissen über Reinhard Mey. So erfuhren die Gäste etwa, dass Mey in seiner Anfangszeit viel auf Französisch schrieb – geprägt durch seine frankophile Familie und seine erste Ehefrau Christine. Erst später fand er zu seiner großen Liebe Hella, die er 1977 heiratete. Klaus berichtete unter anderem, dass Reinhard Mey während seiner Karriere mehr als 800 Lieder verfasst hat.

Konzert mit vielen Anekdoten
Zwischen den einzelnen Liedern lieferte Grabenhorst immer wieder kleine Anekdoten. Nach den letzten Zeilen aus dem Lied Zeugnistag, das die Geschichte eines Jungen erzählt, der die Unterschrift seiner Eltern fälscht und von diesen beim Direktor heldenhaft gedeckt wird, kommentierte Grabenhorst: „Ich wünschte, jedes Kind hätte Eltern aus diesem Holz.“ Zu Trilogie auf Frau Pohl erzählte Grabenhorst von Meys wilder WG-Zeit mit Ingo Insterburg und Hannes Wader, woraufhin die Besucher im Lied begeistert in den Refrain einfielen: „Auf Ihr Wohl, hochverehrte Frau Pohl!“ Ergreifend war die Geschichte zu Über den Wolken. Grabenhorst berichtete von Meys Konzert in der Dresdner Oper am 11. November 1989. Eigentlich war das Lied verboten, doch nach dem Mauerfall musste Mey es dreimal singen, während die Ostberliner die Zeile „Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ mit einer Inbrunst mitsangen, die heute noch für Gänsehaut sorgt.
Zusammen mit dem Catering und der Atmosphäre, die das Team vom SKFM unter Leitung von Matthias Königsberg ins Café 28 zauberte, dürfte es für die Besucher ein unvergesslicher Abend bleiben, an dem niemand hungrig heimkehrte. Die hausgemachten Frikadellen und Schnitzel fanden reißenden Absatz, was für die Qualität der Küche spricht und die Catering-Crew verlor auch dann nicht die gute Laune, wenn zwischendurch einmal die Kasse streikte.
Klaus Grabenhorst bot an diesem Abend 18 von Reinhard Meys Liedern dar, von denen das Publikum so manchen Klassiker mitsang. Die Verbundenheit im Raum war spürbar und natürlich bildete Gute Nacht Freunde traditionell den Abschluss des Konzerts. Es war ein Abend voller Emotionen, Erinnerungen und Heiterkeit. Das Café 28 hat einmal mehr bewiesen, dass es ein Ort der Begegnung ist, an dem Herzlichkeit und Kultur Hand in Hand gehen. Das Fazit der Besucher war eindeutig: Man hätte noch ewig weiterhören mögen. Klaus Grabenhorst und die engagierten Mitarbeiter des SKFM haben im Café 28 gezeigt, wie schön Gemeinschaft sein kann.
Für alle Reinhard Mey Fans, die lieber das Original hören: Neben den unvergessenen Liedern, die viele mitsingen können, wird es noch in diesem Jahr, im September, ein neues Album geben. Das kündigt der Künstler auf seiner Homepage an.
Kulturtage im Café 28 finden jeweils am letzten Freitag im Monat von 19 bis 21 Uhr statt. Bereits geplant sind in diesem Jahr: Chorauftritt „Mixtour“ (24. April 2026), Lesung mit Claudia Birkheuer (26. Juni 2026) und NoHSpill, Rockmusik in Deutsch (30. Oktober 2026).

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