Lust auf eine ‘Kultur-Tour’ in den Ferien?

von Ria Garcia

Familientag im Lokschuppen. Die Gäste des Netzwerks Bergischer Museen hatten allerhand zum Mitmachen im Gepäck. Foto: Ria Garcia

Die machte der Aktionstag ‘Alles in Bewegung’ am vergangenen Sonntag im Lokschuppen mit vielen Gäste aus dem Netzwerk Bergischer Museen.

Museum ist nicht einfach nur ‘tote Kultur’ der Vergangenheit. Museum kann ganz schön lebendig sein, wie man am letzten Sonntag beim Aktionstag im Lokschuppen sehen konnte. Da wurden eigene Ansteckbuttuns zuerst malerisch gestaltet und dann selbst zum fertigten Produkt gepresst, da liefen kleine Dampfmaschinen und Werkzeugmaschinen, man konnte testen, wie gut man Originale von Plagiaten unterscheiden kann, ‘fühlen’, welche Gegenstände und Materialen sich in Kartons verbargen und vieles mehr.

Deutsches Werkzeugmuseum Remscheid

Annabelle Hoppe und Adreas Wallbrecht vom Deutschen Werkzeugmuseum hatten mit ihrem zweiteiligen Stand ‘alle Hände voll zu tun’. Ihre Maschinennachbauten inkl. kleiner Dampfmaschine ließen die Besucher ahnen, wie ‘laut’ es in ehemaligen Fabrikhallen zuging. An einem zweiten Tische boten sie dann die ‘leisere Produktion’ an. Dort konnten Besucher ganz individuelle Buttons gestalten und Pressen.

Deutsches Werkzeugmuseum Remscheid


Wilhelm-Fabry-Museum Hilden

Bernd Harreuter.
© RG

Gleich nebenan haben wir Bernd Harreuter vom Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden getroffen. “Kommen Sie doch einmal zu uns nach Hilden. Ein Besuch lohnt sich”, lädt er uns ein. Das Museum, das nach dem berühmtesten Hildener benannt ist, ist im ehemaligen Verwaltungskomplex eines Industriedenkmals untergebracht. Es handelt sich um die alte Kornbrennerei und in der kann man die älteste liegende Einzylinderdampfmaschine im Rheinland und vieles mehr besichtigen. Ein kleiner Tipp: Am 8. Juni startet im Wilhelm-Fabry-Museum eine Aussergewöhnliche Ausstellung, die einen Besuch wert ist: ‘Eingebrannt – Die Geschichte über ein Foto, das jeder kennt: Das „Napalm-Mädchen“ von Nick Út’

Wilhelm-Fabry-Museum Hilden


Museum Plagiarius Solingen

Margit Germeshausen.
© RG

“Wollen Sie mal raten, was Original und was Plagiat ist?”, fragt uns Margit Germeshausen, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Museums Plagiarius. Täuschend echt wirken die Plagiate, vom Original äußerlich oft kaum zu unterscheiden, in der Qualität gibt es hingegen meist sehr deutliche Unterschiede. Rido Busse (†), Produktdesigner, war einst selbst davon betroffen. Als er bemerkte, dass dem Phänomen mit einstweiligen Verfügungen und Unterlassungsklagen nicht beizukommen ist, entschloss er sich der den ‘Plagiarius’, einen Negativpreis, zu vergeben, um Politik und Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam zu machen. 1986 entstand aus der ‘Ein-Mann-Bürgerinitiative’ der Verein Aktion Plagiarius e.V., der jährlich den Negativpreis an die dreisteste Fälschung vergibt. Das Museum Plagiarius stellt über 350 Originale und Plagiate aus.

Museum Plagiarius, Solingen


Museum auf der Hardt Wuppertal

Kurator Christoph Schwab und
Archivar Christian Froese. © RG

Wer zumindest gedanklich in den Ferien eine weite Reise unternehmen möchte, der ist im Museum auf der Hardt in Wuppertal sicher gut aufgehoben. Dort werden Gegenstände verschiedener Kulturen Afrikas und Asiens, zu denen aus religiöse Artefakte gehören, ausgestellt. Mit dabei vieles aus der fast 200-jährigen Geschichte des Alltags von Missionarinnen und Missionaren. Wer in die Lebenswelt von einst in Afrika, Asien, Ozeanien und Deutschland unter dem Wirken zweier evangelischer Missionsgesellschaften – der Rheinischen Missionsgesellschaft und der Bethel Mission eintauchen will, findet hier die Gelegenheit. Auf rund 450 Quadratmetern Fläche warten Kult- und Gebrauchsgegenstände, wie Masken, Schmuck, Waffen oder Statuen und vieles mehr.

Museum auf der Hardt der Archiv- und Museumsstiftung der VEM, Wuppertal


Konsumgenossenschaft ‘Vorwärts’

Dr. Arno Mersmann und Wolfgang Eber
vom Förderverein Konsumgenossenschaft
Vorwärts. © RG

Auch unsere Vorfahren hatten mit steigenden Lebensmittelpreisen zu kämpfen. Für Brot mussten die Menschen, als 1899 die Barmer Konsumgenossenschaft „Vorwärts“ gegründet wurde, 8 bis 10 Prozent ihres Wochenlohns ausgeben. Mit der Gründung der Konsumgenossenschaft sollten sich die Lebensbedingungen verbessern. Die Geschichte der Genossenschaftsbewegung beginnt cirka in der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist sicher als eine Art ‘Selbsthilfereaktion’ auf soziale Missstände zu verstehen, die heute bei explodierenden Lebensmittel- und Energiepreisen und zu wenig vorhandenem und unerschwinglichem Wohnraum gut nachvollziehbar ist. Die Konsumgenossenschaft “Vorwärts”, wuchs schnell auf eine beachtliche – auch bauliche – Größe heran. Der Fördervein setzt sich für den Erhalt der Gebäude ein und lässt Wirtschafts- und Sozialgeschichte sichtbar werden. Die Dauerausstellung  ‘Konsumgenossenschaften im Rheinland’ kann  jeden ersten Mittwoch und Sonntag im Monat zwischen 16 Uhr und 18 Uhr in der Münzstraße frei zu besichtigt werden.

Konsumgenossenschaft Vorwärts Münzstraße e.V., Wuppertal


Manuelskotten

Wilhelm Hölzer. © RG

Der Manuelskotten ist ein kleines Industriedenkmal, in dem noch täglich ein Nass-Schleifer arbeitet. ‘Museumssaison’ ist von April bis Oktober. Dann können Besucher sich an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat ‘umschauen’, weil der Förderverein an diesen Tagen Besichtigungen ermöglicht. Gezeigt wird die Entwicklungsgeschichte der Antriebstechnik. Eines der größten Wasserräder Deutschlands mit einem Durchmesser von 5,6 Metern mit Fliehkraftregler ist zu sehen und auch der Betrieb einer Dampfmaschine mit 8 PS von 1888 wird vorgeführt. Auch ein 30 PS Dieselmotor von 1927 ist zu sehen. Darüber hinaus gibt es einen Elektromotor, der immer dann eingesetzt wird, wenn das Wasserrad die Transmissionen für die Schleifsteine nicht antreiben kann. Der Eintritt ist frei, über Spenden zum Erhalt des Kottens freut man sich jedoch. Wer den Ausflug ‘stilecht’ unternehmen will, kann auch mit den Bergischen Museumsbahnen fahren, die ebenfalls an diesen Sonntagen unterwegs sind.

Manuelskotten, Wuppertal


Stadtmuseum Langenfeld

Alexandra Hinke. © RG

Hier kann man in der Dauerausstellung vor allem die Geschichte der Stadt Langenfeld von Ur- und Frühgeschichte bis zum modernen Langenfeld ab 1948 bis heute entdecken. Wer gruselig mag, sollte sich auf jeden Fall den ‘genagelten Schädels von Langenfeld’ anschauen. Der wurde 1964 bei Ausschachtungsarbeiten gefunden. Der gehörte, wie sich nach mehrfacher Untersuchung herausstellte, einer im 17. Jahrhundert einer etwa 30-jährigen Frau, die durch Einschlagen eines 50 cm langen Eisennagel in den Schädel getötet wurde. In der Ausstellung wird ein aufwändig hergestelltes Replik gezeigt. Das Original befindet sich im LVR-Landesmuseum in Bonn.
Im gleichen Gebäude befindet sich auch das Stadtarchiv und das ist dann vielleicht etwas für Familienforscher, vor allem wenn sie unter ihren Ahnen Verbindungen zu Langenfeld finden. Dort tagt nämlich regelmäßig der Arbeitskreis Ahnenforschung. Das nächste Treffen findet am Mittwoch, den 7. Juli 2022 statt. Der Arbeitskreis versteht sich als offenes Angebot für Familienforscher und Hobby-Genealogen und bietet den Teilnehmenden Hilfestellung beispielsweise beim Lesen von alten Urkunden, Briefen und anderer Schriftstücken. Eigene Forschungen und Stammbäume können nach vorheriger Absprache exemplarisch vorgestellt werden, sodass alle Teilnehmenden von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren können. Darüber hinaus gibt es hilfreiche Tipps für die eigene Recherche und zur Erstellung eines Familienstammbaums. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich unter stadtarchiv@langenfeld.de.

Stadtmuseum Langenfeld


Freilichtmuseum Lindlar

© RG

Wer vergangene Zeiten auch an der frischen Luft eleben möchte, ist im Freilichtmuseum Lindlag gut aufgehoben. Hier haben viele historische Gebäude eine ‘neue Heimat’ gefunden. Darunter auch das stattliche Wohnhaus Gut Dahl aus Wülfrath. Neben historischen Gebäuden kann man im Freilichtmuseum auch alte Handwerke oder Landwirtschaft und Gartenbau früherer Zeiten erkunden. Im Lokschuppen konnten Besucher auch ganz einfach Gegenstände und Materialien vergangener Zeiten ‘blind’ erkunden. Die steckten in geschlossenen Kartons, die nur vorne eine Öffnung boten, um hineinzugreifen und zu ‘ertasten’.

LVR- Freilichtmuseum Lindlar


Alles ‘Zauberei’

Hans Dillenberg
mit Assistentin
Paula. © RG

Magisch ging es dann am letzten Sonntag auf dem Bahnsteig des Lokschuppens zu. Dort wartete der Zauberer Hans Dillenberg in Frack und Zilinder und ‘verzauberte’ Groß und Klein. Eine Assitentin hat er vor Ort auch noch schnell gefunden: Paula.

Die Gäste aus dem Netzwerk der Bergischen Museen hatten allerlei für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Tag unter dem Motto ‘Alles in Bewegung’ im Gepäck und sie haben damit die Lust auf eine ‘Kultur-Tour’ in den Ferien gemacht, denn in Sachen Museen bietet sich für Tagestouren so einiges an. Auch ein Teil der Museumsausstellung des Eisenbahn- und Heimatmuseums war natürlich an diesem Tag wieder aufgebaut und am nächsten Museumstag – diesmal ohne Gäste – erwartet Besucher im Lokschuppen noch eine ganz besondere Überraschung …

Weitere Mitglieder im Netzwerk der Bergischen Museen:

Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum Velbert
Niederbergisches Museum Wülfrath
Zeittunnel Wülfrath
Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V.
Bergische Museumsbahnen e.V. Wuppertal
Zentrum für verfolgte Künste Solingen
LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs, Solingen
Museum Schloss Burg, Solingen
Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt I NaturGut Ophoven, Leverkusen
Schulmuseum Bergisch Gladbach – Sammlung Cüppers
Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe, Bergisch Gladbach
Museum Achse, Rad und Wagen der BPW Bergische Achsen KG, Wiehl
Museum und Forum Schloss Homburg, Nümbrecht
Netzwerk Industriekultur Bergisches Land e.V.

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