
Mit Gründung der Art Group Erkrath und dem Start der Pop up Galerie ‚Kiek ma rin‘ in der ehemaligen Kik-Filiale in der Bahnstraße hat die Kunst einen neuen, großen Raum in Alt-Erkrath. Am vergangenen Freitag gab es die 13. Vernissage.
Die Erfolgsgeschichte begann im Januar 2024 mit der Gründung der Art Group Erkrath und gipfelt inzwischen in der 13. Ausstellung mit dem Titel ‚Von Kälte und Klarheit‘ im Kiek ma rin. Die erste Vernissage war im März 2024. Die Vorfreude der Künstlerinnen und Künstler war groß, vor allem, nachdem die Vernissage in der Woche zuvor aufgrund der Wetterbedingungen um eine Woche verschoben werden musste. Die Sicherheit der Besucher geht eben vor. Für die 13. Ausstellung im Kiek ma rin hatten die Mitglieder der Art Group Erkrath noch einmal die Kunstwerke getauscht. Zusammen mit den Werken der Gastkünstler entsteht ein vielfältiger Dialog zeitgenössischer Kunst, so Lothar Kniep in der Begrüßungsrede. Es scheint fast, als wenn jede neue Vernissage noch mehr Besucher anzieht. „Dass Sie heute hier sind, zeigt uns, wie lebendig Kunst sein kann, wenn sie Menschen zusammenbringt“, sagte Kniep. Ein ganz besonderer Moment erwarte man an diesem Abend ebenfalls: den 10.000sten Besucher. Das sollte an diesem Abend gefeiert werden.
Sieben neue Gastkünstlerinnen und Gastkünstler stellen in der 13. Ausstellung mit aus und bringen frische Impulse ein. Zu sehen sind ungewöhnliche Installationen wie schwebende Lampenschirme, fliegende Teppiche und markante Zickzack-Fotografien, die dazu einladen genau hinzusehen. Mit dabei sind dieses Mal als Gastkünstler Heidi Evers, Pia Köhler, Steffen Krüll, Amitis Moghadam Pouya, Dieter Schikarski, Sebastian Schmidt und Ulli Steinküller. Ihre Werke erweitern und bereichern das Spektrum der Ausstellung und unterstreichen den offenen, lebendigen Charakter der Gruppe.
Wir haben uns während der Vernissage mit Gastkünstlerin Amitis Moghadam Pouya, kurz Amitis genannt, unterhalten. Sie erzählte, dass sie vor knapp einem Jahr aus politischen Gründen nach Deutschland gekommen sei. Amitis hat Grafik und Design an der Soore University of Art in Teheran studiert und hat den innigen Wunsch, wenn ihr Asylantrag genehmigt ist, auf ihr Studium aufzubauen und in diesem Bereich in Deutschland zu arbeiten. „Meine Arbeiten erforschen den weiblichen Körper als einen Ort der Spannung und entstehen aus persönlichen Erfahrungen. Die dargestellten Frauen befinden sich an psychologischen Grenzen zwischen Anpassung und Widerstand, Vergangenheit und Gegenwart, Sichtbarkeit und innerem Rückzug. Malen ist für mich ein Akt des Durchquerens – ein stiller Raum, in dem Verletzlichkeit als Form von Stärke existieren darf“, sagt sie uns über ihre Kunst. Unterstützt wurde die Künstlerin von einem Familienangehörigen, der dolmetschte, sodass diese Unterhaltung möglich wurde. Ihre Bilder waren auch tatsächlich Eyecatcher.
Auch mit Künstlerin Inge Woeste, Mitglied der Art Group Erkrath, haben wir uns unterhalten. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf und kam nach über 20-jähriger Berufstätigkeit im Vertrieb zur eigentlichen Berufung: Kunst. Die Ausbildung in Zeichnen, Malen, Holz- und Steinbildhauerei bei Hannelore E. Busch, Bernard Lokai, Till Hausmann und Cornelia Pastohr war der Einstieg. Seit 2013 arbeitet sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Rita Lasch im eigenen Atelier. Das künstlerische Spektrum erstreckt sich so im Spannungsfeld zwischen Zeichnung und Malerei, fotorealistisch und abstrakt. Oft inspiriert von der Natur als Fundgrube für Ideen, Formen, Farbe, Struktur, experimentiert Inge Woeste mit unterschiedlichen Materialien und Techniken, die sie in einem Balanceakt zwischen Zufall und Absicht in ihren Arbeiten umsetzt.
Die Vernissage fand wieder ein breites Publikum, diesmal fehlte es aber an offizieller politischer Präsenz. Aus privatem Anlass war aber Erkraths zweite Stellvertretende Bürgermeisterin Lena Hemp anwesend und verfolgte mit großem Interesse das Geschehen. Der 10.000ste Besucher kam zwar nicht zur Vernissage, da fehlten bis zur runden Zahl 20 Besucher, aber noch am Wochenende. Günther Zimmer durfte sich darüber freuen die Zahl voll zu machen. Ausstellung ist noch bis zum 7. März 2026 im Kiek ma rin in der Bahnstraße zu sehen.
Impressionen aus der Ausstellung





Lothar Knieps Vorstellung der Gastkünstler der 13. Ausstellung
Ulli Steinküller (Solingen)
Ulli Steinküller studierte Grafik-Design an der Gesamthochschule Wuppertal mit den Schwerpunkten Fotografie und Film-Design. Er schloss sein Studium als Diplom-Designer ab.
Seine sogenannten 2SichtBilder entstehen durch auf Zickzack-Aluminiumprofile kaschierte Fotografien und erzählen Geschichten in zwei Ansichten, die sich je nach Blickwinkel verändern. Inspiriert vom Alltag und aktuellen Nachrichten verbinden seine Werke Humor und Dramatik, Schwere und Leichtigkeit und lassen viel Raum für Interpretation. Kennzeichnend für seine Arbeiten ist die kleine, stets versteckte „Ulli-Figur“, sein persönliches Erkennungszeichen und ein augenzwinkerndes Suchspiel für den Betrachter.
Amitis Moghaddam Pouya
Amitis Moghaddam Pouya ist eine iranische Malerin und Grafikdesignerin. Geboren ist sie in Teheran. Sie hat einen Bachelor in Grafikdesign von der Soore University of Art und lebt seit Kurzem in Deutschland, wo sie ihre künstlerische Arbeit fortsetzt. Im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen die Erfahrungen, Identität und Transformation von Frauen.
Ihre Werke verbinden symbolische Porträts mit surrealen Elementen, kraftvollen Farbflächen und Mustern, die an traditionelle persische Teppiche erinnern. Durch die Mischung aus Realismus und Abstraktion thematisiert sie innere Kämpfe, psychologische Grenzen sowie die emotionale Stärke und Wandlungsfähigkeit von Frauen.
Steffen Krüll (Erkrath)
Steffen Krüll ist Architekt und Kunstschaffender aus Erkrath. In seiner künstlerischen Arbeit nutzt er vor allem Graphitstift, Tusche sowie Aquarell- und Acrylfarben. Eine besondere stilistische Eigenheit seiner Arbeiten ist das Zeichnen mit Punkten. Mit unzähligen feinen Bleistiftpunkten lässt Krüll Wassertropfen, Wolkenformationen oder Vogelschwärme auf dem Papier entstehen. Seine Bilder wirken lebendig und dynamisch – alles scheint in Bewegung zu sein.
Die Vorlagen für seine Werke findet er in der Natur. Zunächst hält er die Motive fotografisch fest, um sie anschließend Punkt für Punkt zeichnerisch umzusetzen. So entstehen fein strukturierte Arbeiten, die Präzision, Geduld und eine besondere Sensibilität für Formen, Licht und Bewegung vereinen. Bei der Gemeinschaftsausstellung „Erk@Art“ der Erkrather Künstlerschaft gewann er 2024 den Puplikunspreis.
Heidi Evers (Düsseldorf-Gerresheim)
Heidi Evers zeichnet und malt seit jeher. Ursprünglich wollte sie Kunsterzieherin werden, studierte jedoch Grundschullehramt. Über vierzig Jahre hinweg blieb ihre künstlerische Arbeit eng mit dem Schulalltag verbunden und zeigte sich vor allem im Gestalten von Arbeitsblättern und Tafelbildern.
Ihre freie künstlerische Arbeit begann mit Acrylfarben, inspiriert von den Tiermotiven Franz Marcs, und findet bis heute fast ausschließlich auf Papier statt – Leinwände nutzt sie nur selten. Motive entdeckt sie überall: in ihrer unmittelbaren Umgebung ebenso wie auf Fotografien.
Heidi Evers malt Tiere, Menschen, Landschaften und Interieurs. Aktuell liegt ihr Schwerpunkt vor allem auf der Portraitmalerei, in der sie sich intensiv mit Ausdruck, Charakter und Persönlichkeit der dargestellten Menschen auseinandersetzt.
Sebastian Schmidt (Solingen)
Sebastian Schmidt ist Fotograf aus Solingen. Besonders fasziniert ihn die Vergänglichkeit seiner Motive. „Ich hetze dem Abriss hinterher“, sagte er letztens bei einer Vernissage. Seinen Einstieg in die Industriefotografie fand Schmidt mit einer Innenaufnahme der Henrichs Hütte in Hattingen. Von dort aus erweiterte der gebürtige Wuppertaler seinen Radius kontinuierlich. Seine fotografischen Erkundungen führten ihn durch das Ruhrgebiet zu Zechen und Bergwerken und schließlich zu den Relikten der Kohle- und Stahlindustrie in Belgien und Frankreich. Der Fotografie geht für Schmidt stets eine intensive Erkundung voraus. Er betritt die verlassenen Anlagen nie allein, sondern in Begleitung vertrauter Freunde. Schutzkleidung und mitunter auch Sicherungsseile gehören für ihn selbstverständlich dazu.
Pia Köhler (Bochum)
Pia Köhler ist Kunstschaffende aus Bochum und hat einen Leitsatz: du bist, wie du wohnst. Ein zentraler Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Upcycling von Möbeln, die sie mit viel Kreativität, Farbe und Gespür für Materialien in individuelle Unikate verwandelt. Einen ganz besonderen Stellenwert nehmen dabei ihre künstlerisch gestalteten Lampenschirme ein. Diese dienen Pia Köhler als dreidimensionale Leinwand: Mit Malerei, Strukturen, Linien und Stoffen verwandelt sie schlichte Lampenschirme in ausdrucksstarke Lichtobjekte. Durch das Zusammenspiel von Licht und Gestaltung entstehen einzigartige Stimmungen, bei denen der Schirm nicht nur beleuchtet, sondern selbst zum Kunstwerk wird. Jeder Lampenschirm ist ein handgefertigtes Einzelstück und verleiht dem Raum eine persönliche, warme und individuelle Atmosphäre.
Dieter Schikarski aus Erkrath
Er ist ein Künstler, der sich trotz großer Herausforderungen mit bemerkenswerter Ausdruckskraft mitteilt. Seit einer Meningitis im Alter von drei Jahren ist seine Zunge gelähmt; auch Lesen und Schreiben fallen ihm schwer. Doch seine Kunst spricht umso deutlicher. Mit lebhaften Gesten und Lauten versucht er, seinen Werdegang und sein künstlerisches Schaffen zu beschreiben – ein intensiver, unmittelbarer Dialog jenseits der Worte.
Er lehnt das Monochrome ab. Er liebt die gesamte Farbpalette und kombiniert sie zu grafischen und geometrischen Mustern. Je bunter und komplexer, desto besser – so beschreibt er selbst seine Vorliebe. Seine Werke sind kraftvoll, vielschichtig und voller Energie; Mit akribischer Präzision legt er Muster, Farben, Größen sowie die exakte Anzahl der Knoten pro Farbfeld fest. Diese Technik hat er sich autodidaktisch angeeignet – mittlerweile sind auf diese Weise bereits 441 Tabellen entstanden. Sie zeugen von seiner Disziplin, seiner Ausdauer und einem beeindruckenden strukturellen Denken, das sich in seinen farbintensiven Werken widerspiegelt. Seien Werke zeigen, wie Farben und Formen dort sprechen können, wo Sprache an Grenzen stößt.

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