Kriminalität weiter unter Landesdurchschnitt

von Ria Garcia

V.l.n.r.: Jan Mertin (Kriminaloberrat und stellvertretender Leiter der Direktion Kriminalität), Landrat Thomas Hendele, Thomas Schulte (Leiter der Abteilung Polizei). Foto: Ria Garcia

Schon fast Mantra-mäßig kann Landrat Thomas Hendele bei der jährlichen Präsentation der Zahlen zur Kriminalität im Kreis Mettmann berichten, „dass man im Kreis Mettmann vergleichsweise sicher lebt“.

Die Aussage lässt sich auch auf die Stadt Erkrath übertragen. Nicht nur, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Verunglückten bei Verkehrsunfällen gegenüber dem Vorjahr zurück ging, auch die Zahl der Wohnungseinbrüche und die Straßenkriminalität sind gesunken. Gestiegen ist indes die Gewaltkriminalität bei gleichzeitig gestiegener Aufklärungsquote, sie liegt hier bei 81,19 Prozent. Nimmt man alle Fälle zusammen, ist die Kriminalitätshäufigkeitszahl (Fälle pro 100 Tsd. Einwohner) im letzten Jahr leicht auf 5.210 gestiegen. Sie liegt allerdings deutlich unter dem Kreisdurchschnitt und setzt damit eine schon in den vergangenen Jahren zu beobachtende Entwicklung fort.

Aus dem Jahresbericht 2023 der Kreispolizeibehörde.

Kreisweit sind die Kriminalitätszahlen leicht gestiegen. Aber auch hier konnte Landrat Thomas Hendele erfreulicher Weise mitteilen: „Trotz leicht gestiegener Fallzahlen verzeichnen wir eine Steigerung der Aufklärungsquote auf 54,33 Prozent und erreichen hierbei sogar den zweithöchsten Wert seit zehn Jahren“. Die Ermittlung von Tatverdächtigen sei im letzten Jahr um 8,92 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. „Das ist ein Punkt auf den ich durchaus stolz bin“, so Hendele mit Blick auf die oft dünne Personaldecke bei der Polizei. Trotz der Tatsache, dass der Kreis Mettmann an insgesamt 11 Städte grenze, von denen acht Großstädte sind und es sich bei uns um einen „städtischen Kreis“ handele, gäbe es im Kreis „ein hohes Maß an Sicherheit“.

Anstieg bei der Kinder- und Jugendkriminalität

Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahre stieg kreisweit um 9,86 %. Körperverletzungen, Diebstähle oder Rauschgiftkriminalität waren bei ihnen die häufigsten Delikte. 2.462 Tatverdächte, von insgesamt 12.163 waren im vergangenen Jahr unter 21 Jahre alt. Um 15,62 % stieg die Zahl der Tatverdächtigen Kinder (unter 14 Jahre). „Hier gibt es kein Strafverfahren. Sie werden bei den Eltern abgegeben“, erklärt Thomas Hendele. Projekte wie „Kurve kriegen“ und oder „Hilfen zur Erziehung“, können unterstützen, Täter im Kindes- und Jugendalter wieder „auf den legalen Pfad“ zurückzuführen. Die teilweise Strafmündigkeit beginnt in Deutschland mit dem 14. Lebensjahr und fragt man Thomas Hendele nach seiner persönlichen Meinung zur Entwicklung insgesamt, dann müsste man die Altersgrenze wohl inzwischen auf 12 Jahr absenken. Gerade aktuell gab es nicht weit entfernt in Dortmund einen Fall, bei dem ein 13-jähriger Täter einen Obdachlosen getötet haben soll.

Ein Teil der Tälle sei Mobbing und Cybermobbing zuzuschreiben. „Das kommt inzwischen häufiger durch Eltern zur Anzeige“, erklärt Thomas Schulte, Abteilungsleiter Polizei. „Aber nicht nur. Kinder sind auch schon sehr intensiv im Bereich der Eigentums- und Gewaltdelikte zu verzeichnen.“ Dem begegne die Polizei auch mit einem Intensivtäterprogramm.

Nicht deutsche Täter, Straftaten zum Nachteil Älterer, Verlagerung Online-Kriminalität auf die Straße

Der Anteil nicht deutscher Täter lag im vergangenen Jahr bei 14,6 % und damit über dem Anteil nicht Deutscher an der Bevölkerung im Kreis. „Viele der Täter kommen allerdings nicht aus dem Kreis Mettmann“, erklärt Landrat Hendele. „Die kommen wie die Heuschrecken und ziehen durchs Land“, ergänzt Thomas Schulte.

Vollendete Betrugsstraftaten zum Nachteil von Senioren seien zurückgegangen, was auch auf die intensive Präventionsarbeit zurückzuführen sei. Zum Teil sind die Senioren aufgeklärter und wachsamer, zum Teil seien es auch Bankmitarbeiter, denen auffällt, dass Senioren plötzlich größere Summen abheben. „Das ist sehr knifflig“, erklärt Thomas Hendele. Schließlich könnten Senioren frei entscheiden, wann sie wieviel Geld abheben. Sie dann anzusprechen und vorsichtig nachzufragen, sei schwierig. Zweimal hätten sogar Auszubildende einer Bank verhindert, dass die Straftat vollendet werden konnte.

Jan Mertin, Kriminaloberrat und stellvertretender Leiter der Direktion Kriminalität, erklärte, dass nach Corona auch wieder eine deutliche Verlagerung von der Online-Kriminalität zur Straßenkriminalität zu beobachten sei. Außerdem hätten bei Betrugsdelikten viele Straftaten ihren Ausgang im Ausland. „Die fließen nicht in die Statistik ein“, erklärt er. Bei der Straßenkriminalität gäbe es einen Rückgang der Fallzahlen. „Das ist in Teilen auf unsere Maßnahmen, wie etwa ZooM zurückzuführen.“

Der komplette Jahresbericht 2023 ist hier als PDF abrufbar.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*