Jung und Alt zeigten Gesicht für Zusammenhalt

von Timo Kremerius

Foto: Irene Thompson

Am vergangenen Samstag setzten rund 200 Bürgerinnen und Bürger bei der Kundgebung „Familien zeigen Gesicht“ ein starkes Zeichen für Kinder, Jugend und soziale Angebote in Erkrath.

Familien mit Kindern, junge und auch ältere und alte Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt gaben am vergangenen Samstag möglichen Sparmaßnahmen „ein Gesicht“. Zwar sind einige Maßnahmen aus der Haushaltskonsolidierungsliste seit der nicht öffentlichen Sitzung der „Finanzkommission“ schon wieder vom Tisch, aber es sind noch viele mögliche Entscheidungen offen, die möglicher Weise nicht ohne Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt bleiben werden. Kritisiert hatten Elterninitiative und betroffene Vereine und Verbände vor allem die nicht öffentliche Behandlung der großen Sparliste, ohne das Betroffene vorher angehört wurden.

Am Samstag hatten sich viele Teilnehmer der Kundgebung vorab in der Begegnungsstätte Hand in Hand des Freundeskreis für Flüchtlinge e.V. getroffen, um gemeinsam Plakate zu beschriften, Luftballons aufzublasen und ihre Schilder für die Kundgebung vorzubereiten. Der Verein hatte aufgrund eines Antrags auf Personalkostenzuschuss als erster erfahren müssen, dass hart gespart und in Kauf genommen wird, dass die Maßnahmen für den einen oder anderen Verein möglicher Weise das Aus bedeuten. Sich den Europaplatz künftig ohne die Begegnungsstätte Hand in Hand vorzustellen, fällt vielen schwer, denn inzwischen ist sie wichtige Anlaufstelle nicht nur für Geflüchtete. Gemeinsam steckten die Teilnehmer der Kundgebung am Samstag viel Energie in die Vorbereitung. Sie bemühten sich den möglichen Sparmaßnahmen im städtischen Haushalt ein Gesicht zu geben, ob jung, ob alt, für den Zusammenhalt. Viele weitere Teilnehmer brachten selbstgestaltete Plakate von zu Hause mit.

Schabestan Gafori. Foto: Timo Kremerius

„Wir haben in den letzten Wochen gesehen, dass es etwas bewegt, wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme erheben. Dass die Stadt nun weitere Beratungen öffentlich führen will, ist auch ein Erfolg dieses Engagements“, sagte Schabestan Gafori in ihrer Eröffnungsrede. „Für uns ist klar: Angebote für Kinder und Jugendliche sowie soziale und kulturelle Projekte müssen Priorität haben. Wenn hier gestrichen wird, sparen wir an der Zukunft unserer Stadt.”

Weitere Rednerinnen machten deutlich, wie wichtig die vermutlich betroffenen Einrichtungen für das gesellschaftliche Miteinander sind. Sabine Börner vom Förderverein der Stadtbücherei etwa betonte die Bedeutung der Bibliothek als Bildungs- und Begegnungsort für Kinder und Familien. Die ehrenamtlich engagierte Irene Thompson schilderte, wie wichtig soziale Angebote für den Zusammenhalt in der Stadt sind. „Wir wollen eine Stadt, die spart, ohne zu zerstören. Eine Stadt, die zuhört, bevor sie streicht. Eine Stadt, die Zukunft gestaltet und nicht Zukunftschancen zerstört“, brachte sie das Anliegen der Bürgerinnen und Bürger auf den Punkt.

Auch Unterstützerin Sara Willwerth unterstrich, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich mehr Dialog und Transparenz bei wichtigen Entscheidungen wünschen. Sie sprach – selbst seit der Abgabe der Buchhandlung Weber im Ruhestand – aus Sicht der Älteren, für die öffentliche Anlaufstellen, wie beispielsweise die Stadtbücherei oder den AWO-Treff, wichtig sind. Als Stellen, zu denen jeder kommen kann, egal wie hoch die Rente ist, benannte sie diese. „Die Boomer Generation geht in Rente. Ich höre von vielen, dass sie sich engagieren wollen, ihre Erfahrungen weitergeben wollen. Aber auch von der jüngeren Generation lernen wollen. Es braucht diese Räume, die dafür immer offen sind“, sagte sie. Sie häufe hoffentlich, je älter sie werde, mehr Lebensweisheit an und frage sich auf einmal: Was ist der Sinn des Lebens? Wie kann ich diesen Rest meines Lebens zufrieden, entspannt und mit Freude genießen? Ihre persönliche Antwort darauf sei: Nicht Streit, sondern Kompromiss. Nicht fordern, sondern verständnisvoll zu gönnen. „Das heißt für mich auch: Natürlich Solidarität mit den jüngeren Generationen, mit Verständnis für deren Probleme und Forderungen und deren Wunsch nach Unterstützung.“

Zum Abschluss, der sehr kurz, aber klar und deutlich vorgetragenen Reden, sagte Schabestan Gafori: “Wir stehen heute hier als Familien, als Ehrenamtliche, als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Wir wollen keinen Streit, sondern Beteiligung. Wir wollen frühzeitig informiert werden und mitreden, wenn es um die Zukunft unserer Kinder geht.”

Von denen, die letztendlich im Rat über die Sparmaßnahmen entscheiden, den Kommunalpolitern, haben wir nur Vertreter aus den Fraktionen BmU, Grüne und Linke vor Ort entdeckt. Die Elterninitiative kündigte an, die weiteren Beratungen zum Haushalt aufmerksam zu begleiten und sich weiterhin für einen offenen Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerschaft einzusetzen.

Die Kundgebung verlief erfrischend friedlich und dennoch fehlte es keineswegs an Ausdruck für das wichtige Anliegen nicht da zu kürzen, wo es die Menschen und deren Zukunft in der rund 45 Tsd. Einwohner starken Stadt Erkrath am härtesten trifft. Dass im städtischen Haushalt gespart werden muss, ist auch den Bürgerinnen und Bürgern klar. Allerdings sollten Kürzungen bei Kindern, im sozialen und kulturellen Bereicht nur das allerletzte Mittel sein, da sie das Fundament einer Stadtgesellschaft bilden.

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