Jazzsommer endet mit Dixieland, Swing und eine Prise Rock’n’Roll von ‘Jazzsteps’

Foto: Susann Krüll

Vielfalt hatte Dr. Helmut Stein, Nachfolger des künstlerischen Leiters – der weit über Erkraths Grenzen hinaus bekannten Matinee – Jacky Müller, versprochen. Und er hielt Wort: Jazz in seiner ganzen Vielfalt gab es an den drei ersten Sonntagen im August.

Mit dem Auftritt von ‘Jazzsteps’ hatte Stein zum Abschluss des Jazzsommes – als eine Hommage an Jacky Müller – die sechsköpfige Formation von Wolfgang Scheelen in den Lokschuppen geholt und erinnerte damit an Müllers Auftritte mit verschiedenen ‘All-Star’-Formationen, die vielen Fans in kostbarer Erinnerung sind. ‘Jazzsteps’ ließ nicht nur die Herzen eingefleischter Dixieland- und Swing-Fans höher schlagen.

Wolfgang Scheelen ist einer der, wenn nicht der, besten Mundharmonika-Spieler Europas, machte aber auch an Banjo, Gitarre und als Sänger eine “bella figura“ in der von ihm für dieses Konzert zusammengebrachten Formation. Mike Rafalczyk an der Posaune, als Sänger sowie mit der Mundharmonika als Duett-Partner von Scheelen. Bastian Korn am Klavier und als Sänger gemeinsam mit seinem 10 Minuten älteren Zwillingsbruder Benny am Schlagzeug, der beweis, dass Drummer auch singen können. Die Korn-Zwillinge treten mit Wolfgang Scheele auch als Trio unter dem Namen „The Step Twins“ auf. Dazu kam Clive Fenton, der schon mit Größen wie Rod Mason auftrat. Mit seinem Sousaphon und am Bass ließ er im wahrsten Sinne tiefe und vollmundige Klänge einfließen. Mathias Seuffart, der für den erkrankten Boris Odenthal eingesprungen war, komplementierte mit Klarinette und Saxofon die ‘All-Stars’-Truppe, deren Spaß am Jazz den Funken bereits im ersten von drei Sets auf das Publikum überspringen ließ.

Alt-Bewährtes neu interpretiert von fantastischen Musikern

Nach vier Stunden sonntäglicher Matinee mit  Klassikern wie Louise Armstrongs ‘What a wonderful world’, dessen Refrain die Zuschauer voller Hingabe mitsangen, schaute man in lauter strahlende Gesichter. Zu Beginn, im ersten der drei Sets, gab es Klassiker aus den frühen Jahren des Jazz. Auch in der deutschen Übersetzung:  ‘Exactly you’ hieß da ‘Weil ich Dich so liebe habe’.

„Die meisten Deutschen, die in den Hochzeiten zwischen 20er bis 40er Jahren des letzten Jahrhunderts verrückt nach Jazz waren, verstanden nicht so gut Englisch“, erklärt Mike Rafalczyk, der sich als Fan des Deutschen outete. In der letzte Zugabe sang er ‘Icecream’ in der ersten Hälfte mit dem deutschen Text, bevor er zur Sprache des Originals wechselte. Legendär auch seine Duette mit der Posaune und Klarinette oder Saxophon von Bandkollegen Seuffert. Und magisch das Zusammen- und Wechselspiel mit seinem Mundharmonika-Virtuosen Scheelen.

Auch Rock’n’roll und Boogie Woogie fehlten als Stilrichtung auch nicht. Dargebracht mir vollem Körpreinsatz von Bastian Korn am Piano. Nicht nur die Finger, die in allen Stück mit seiner Beteiligung nur so über die Tasten flogen, auch Fuß, Ellenbogen und Po kamen zum Einsatz.

Zufriedenheit beim Publikum, den Mitarbeitern des Kulturamts der Stadt Erkrath und Helmut Stein

In seiner Begrüßung hatte Dr. Helmut Stein die ‘Jazzsteps’ als ‘Referenz an die Vergangenheit angekündigt’, die die ‘Dixie-Länder’ im Publikum mehr als zufrieden machen werde. Diese Prophezeiung bewahrheitete sich genauso wie die aus seinem Nachsatz: „Aber mit moderner Interpretation hören Sie jede Menge Klassiker, die wir alle kennen.” So wunderte es denn nicht, dass sich in den Pausen zwischen den einzelnen Sets zahlreiche Fachsimpeleien zwischen den Musikern und einzelnen Zuschauern, zumeist Kenner von Dixieland- und Swing, über die ‘Größen’ dieser eher klassischen Richtung des facettenreiches Genres Jazz ergaben. Ein älterer Besucher, der sich in der zweiten Zugabe nachdrücklich den Klassiker ‘Icecream’ wünschte, verblüffte vor allem Clive Fenton und Mathias Seuffart: Wusste er vielfach besser, wann sie mit Jazzgrößen wie Chris Barber, Udo Jäger oder Rod Mason welches Konzert an welchem Ort spielten.

Anders als der kundige Herr, der seinen Namen nicht in der Presse lesen wollte, freuten sich Martin Schlüter und seine Mutter über die angekündigte und eingehaltene Abwechslung. „Ich finde, dass Dr. Stein mit seiner Auswahl die ganze Bandbreite dessen, was Jazz alles sein kann, gezeigt hat. Wenn ich in den ganzen Jahren Bekannte und Freude gefragt habe, ob sie mit in den Lokschuppen kommen möchten, haben sie regelmäßig abgewunken, weil bisher Dixieland und Swing all die Jahre die Band-Auswahl klar dominierten“, so der Leiter des Büros von Landrat Hendele. Er empfindet die Atmosphäre im Lokschuppen und dem angrenzenden Biergarten des Restaurants „Olive“ als richtigen Ort für das Gefühl, das er als „free and easy“ bezeichnet. „Ich glaube, wir alle haben uns nach solchen Veranstaltungen gesehnt, die das Virus eine so lange Zeit unmöglich gemacht hat.“

Auch das Team vom Kulturamt der Stadt Erkrath ist zufrieden mit der ‘Feuerprobe’ ihres neuen künstlerischen Leiters. So hatte Dr. Helmut Stein am ersten Sonntag sein Auftreten als Nachfolger von Jacky Müller, der als Gründer mehr als 20 Jahre die Linie beim Erkrather Jazzsommer verantwortet hat, selbst bezeichnet. „Wir sind zufrieden, wenn es unsere Gäste sind“, bringt Ute Ackermann ihr Fazit nach drei Veranstaltungen auf den Punkt. „Die Rückmeldungen, die wir nach den beiden vergangenen Sonntagen und auch heute schon erhalten haben, waren zum absolut überwiegenden Teil sehr positiv,“ ergänzt ihre Kollegin Lydia Winnik.

Save the date: Am 7. August 2022 freuen sich Dr. Helmut Stein und das Kulturamt der Stadt Erkrath auf das erste von drei Konzerten im Jazzsommer 2022.     

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