Im Zirkus Willibelli wurden Kids zu Artisten und Clowns

von Timo Kremerius

Grafik: clker-free-vector-images / Schrift: Red.

Bereits zum siebten Mal „gastierte“ der Zirkus Willibelli an der Grundschule Willbeck. Ohne den Teamgeist von Eltern, Lehrern, Förderverein und Zirkuscrew wäre das „Zirkus-Wunder“ nicht möglich.

Wenn aus schüchternen Erstklässlern mutige Fakire werden und das Lehrerkollegium Hand in Hand mit Zirkusleuten tonnenschwere Zelte stemmt, dann ist in Erkrath-Hochdahl wieder die Magie los und im gesamten Viertel herrscht Zirkusfieber. So auch in diesem Jahr wieder. Wie dynamisch diese Schulgemeinschaft ist, zeigte sich schon vor dem ersten Trommelwirbel: In einer rekordverdächtigen Drei-Stunden-Aktion bauten Eltern, Lehrer, der Förderverein und die Zirkuscrew das riesige Zelt gemeinsam auf. Ein echter Kraftakt, der von der ersten Sekunde an von Vorfreude und lautem Lachen begleitet wurde.

Die kommissarische Schulleiterin Birgit Ehlert blickte im Gespräch stolz auf die Geschichte zurück: Die ersten drei Veranstaltungen wurden von der Familie Sperlich durchgeführt, einer traditionsreichen deutschen Artisten- und Zirkusfamilie. Bekannt wurde die Familie durch ihre innovativen Mitmach- und Projektzirkusse und ihre Pionierarbeit in der Zirkuspädagogik. Nachfolgezirkus der Familie Sperlich wurde schließlich die Familie Koplin mit Janina und Alexander Koplin, auch bekannt als „Zirkus ohne Grenzen“. Sie kommt aus dem direkten Umfeld des Circus Gerhard Sperlich und bringt ebenfalls das echte Zirkusleben direkt an Bildungseinrichtungen – in diesem Fall wie seit Jahren an die Grundschule Willbeck.

Das pädagogische Konzept dahinter entfaltet sich im Rahmen einer intensiven Projektwoche, in der das Klassenzimmer oder die Turnhalle kurzerhand zur Manege umfunktioniert wird. Die Kinder üben Kunststücke, Akrobatik, Zauberei oder Clownerie ein und präsentieren diese am Ende vor einem großen Publikum. Ziel dieses durchdachten Ansatzes ist es, das Selbstvertrauen, den Teamgeist und die Kreativität der Kinder nachhaltig zu stärken.

An der Grundschule Willbeck wurden in diesem Jahr alle 224 Schülerinnen und Schüler aus sämtlichen Jahrgangsstufen komplett eingebunden, und jedes Kind bekam einen eigenen Part zugeteilt. Vier Tage lang wurde im „Zirkus Willibelli“ eifrig trainiert, ausprobiert und über sich hinausgewachsen. Ob Trapez, Jonglage, Seiltanz, Clownerie oder der riskante Tanz mit dem Feuer – unter den strengen Sicherheitsaugen der Familie Koplin und ihrem achtköpfigen Team, die hier eine sehr hohe Messlatte anlegten, wuchsen die „Kiddies“ über sich hinaus. Für Schulleiterin Birgit Ehlert steht dabei vor allem das soziale Miteinander im Fokus: „Gemeinsam schaffen, einander helfen“ – das ist die gelebte Philosophie hinter den Kulissen, während Alexander Koplin ergänzt, dass seine Crew pro Jahr rund 16 solcher wechselnden Standorte an Schulen und Kitas ansteuert.

„Zirkus ist der einzige Ort auf der Welt, an dem man mit offenen Augen träumen darf.“  Ernest Heminway

Um so ein großes Projekt erfolgreich durchzuführen, braucht es natürlich ein bärenstarkes Team im Rücken. Die Grundschule Willbeck gleichte einem perfekt verzahnten Uhrwerk: Neben Schulleiterin Birgit Ehlert stemmten 18 Lehrkräfte, zwei Sonderpädagoginnen, zwei Lehramtsanwärterinnen, drei Sozialpädagoginnen, eine Alltagshelferin sowie das 13-köpfige OGS-Team und vier Betreuungskräfte die intensive Woche. Unterstützt wurden sie von einer Küchenhelferin, der Sekretärin, dem Hausmeister und einer FSJlerin. Hinzu kamen noch Studierende im Praxissemester, Praktikantinnen und Praktikanten sowie Inklusionshelferinnen und -helfer, die die unterschiedlichsten Aufgaben wie die Vorbereitung von Materialien, die Begleitung von Kindern mit besonderem Förderbedarf oder die Unterstützung im Unterricht übernahmen. Ein riesiges Kollektiv, das den Kindern den Rücken freihielt.

Nach den harten Proben stieg das Lampenfieber, bis am Ende der frenetische Applaus in der Manege aufbrandete. Am Freitag und Samstag schlug dann die Stunde der Wahrheit: Vier Vorstellungen, aufgeteilt in zwei Gruppen, standen auf dem Plan. Und die Premiere am Freitagvormittag um 11 Uhr war schlichtweg grandios. Obwohl das Thermometer im Zelt gefühlt an der 30-Grad-Marke kratzte, hielt es niemanden auf den Plätzen. Die glänzenden Augen aller Beteiligten entschädigten vollkommen für die Hitze.

Birgit Ehlert begrüßte sichtlich stolz die Gäste im vollbesetzten Zelt und hieß sie herzlichst willkommen, darunter auch prominente Ehrengäste wie Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz, Schulrätin Judit Kluth und die ehemalige Schulleiterin Barbara Arts, die besonders hervorgehoben wurden. Was die Kinder dann in der Manege ablieferten, brachte das Zelt zum Kochen. Jeder durfte im Vorfeld seine Wunschgruppe wählen – und die Begeisterung war in jedem Gesicht abzulesen. Atemberaubende Akrobatik, stolze Seiltänzerinnen, Trommelrhythmen und magische Zaubertricks rissen das Publikum mit.

Besonders spektakulär: Ein Junge wurde in eine Kiste gesperrt und scheinbar mit Säbeln durchstochen – nur um Sekunden später völlig gesund und munter wieder herauszuspringen! Auch die Lichteffekte im Halbdunkel mit fluoreszierenden Bändern, Stäben und ähnlichen Accessoires sorgten für optische Highlights und waren einfach schön anzusehen. Das Publikum dankte es den jungen Stars mit frenetischem Applaus, Jubelrufen und rhythmischem Klatschmarsch. Ein rundum gelungener, kurzweiliger Vormittag, der schon jetzt Vorfreude auf das nächste Jahr weckt. Hier haben alle Beteiligten großartige Arbeit geleistet. Danke dafür.

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