Graffiti-Kunst für Teamerfahrung

Aylin Behringer (r.) mit zwei Jugendlichen bei der Gestaltung einer Wand in der Kita Unterfeldhaus. Foto: Ria Garcia

Seit vielen Jahren bietet der Verein Neue Wege jungen Menschen, die straffällig geworden sind, eine besondere Möglichkeit die abzuleistenden Sozialstunden mit neuen Erfahrungen zu verbinden.

Erwischt! Es kann ein kleinerer Diebstahl, eine leichte Körperverletzung oder auch Drogen-Verstoß sein. Viele Kinder oder Jugendliche kommen in der Zeit des Heranwachsens auch einmal in die Situation einen Fehler zu begehen. Die Mehrzahl wird und wurde wohl bei einer solchen Eskapade nicht erwischt, aber einige fallen dennoch auf und finden sich in einem Diversionsverfahren oder vor Gericht wieder. „Im Jugendstrafrecht geht es nicht um die Bestrafung“, erklärt Melanie Rohde von der Jugendgerichtshilfe Heiligenhaus. Ihre Aufgabe ist es straffällig gewordene Jugendliche und ihre Familien zu beraten und im Verfahren zu begleiten. Der zeitliche Rahmen dafür ist begrenzt. „Für das Gespräch steht etwa eine Stunde zur Verfügung. Kommt es zur Gerichtsverhandlung, gibt es im Vorfeld ein weiteres Gespräch“, beschreibt Melanie Rohde die übliche Verfahrensweise. „Die meisten Jugendlichen sehen wir einmal und dann nie wieder“, betont sie, dass die Mehrzahl der Jugendlichen keine Wiederholungstäter sind. Für die Jugendlichen ergeben sich aus dem Diversionsverfahren oder der Gerichtsverhandlung abzuleistende Sozialstunden. Dafür stehen unterschiedliche Institutionen zur Verfügung. So können Sozialstunden bei verschiedenen Einrichtungen der Caritas, bei der Tafel, in Jugendtreffs oder auch auf dem Bauhof oder unterstützend beim Hausmeister einer Kita abgeleistet werden.

Eine besondere Möglichkeit diese Sozialstunden abzuleisten bietet der Verein ‚Neue Wege e.V.‘ jeweils in den Sommerferien. Der Name des Vereins, der 2007 aus der Zusammenarbeit der Städte Mettmann, Wülfrath, Heiligenhaus und Haan (Erkrath kam später hinzu) entstand, ist Programm. Es gilt neue Wege aufzuzeigen und zu finden. Zu den Zielen des Vereins gehört die Förderung junger Menschen in ihrer Entwicklung, das Angebot der Hilfe für die Kinder und Jugendliche und ihrer Familien. Gefährdungen sollen von Kindern und Jugendlichen abgewendet werden. Aus diesen Zielen heraus wurden unterschiedliche Projekte entwickelt, zu denen auch die Graffitiprojekte in den Sommerferien gehören. In den Oster- und Herbstferien werden andere Projekte angeboten.

Nutzen nicht nur für die Jugendlichen selbst

Für die jungen Menschen, die ihre Sozialstunden in den Graffitiprojekten ableisten können, ist es die Möglichkeit sich künstlerisch auszuprobieren, im Team gemeinsam etwas zu erreichen, am Ende einer Woche das Ergebnis des Schaffens zu sehen. „Für uns ist es die Möglichkeit viel intensiver und näher pädagogisch mit den Jugendlichen zu arbeiten. Wir können auch das soziale Miteinander fördern. Ohne diese Projekte kämen wir nicht so nah an die Jugendlichen heran“, beschreibt Melanie Rohde die positiven Effekte dieser Projekte. Ohne den Verein Neue Wege wäre das nicht möglich. „Wir sind sehr dankbar dafür.“

Aylin Behringer – Foto: RG

Die künstlerische Leitung hatte in den letzten Jahren der spanische Künstler Javier Landa Blanco. Die zuletzt stark angestiegene Inzidenz in Spanien hat seine Teilnahme in diesem Jahr zunichte gemacht. Aylin Behringer, die sich schon in der Vergangenheit ehrenamtlich in die Projekte eingebracht hat, ist kurzerhand eingesprungen und hat die künstlerische Leitung übernommen. In dieser Woche hat sie mit den Jugendlichen Graffitiprojekte in Wülfrath in der Schule Am Berg, in der Realschule Heiligenhaus sowie in der Kita Falkenzwerge und der städtischen Kita Unterfeldhaus in Erkrath verwirklicht. Dafür, wie die Wände jeweils gestaltet werden, können die Einrichtungen Wünsche äußern und Vorgaben machen.

Neben den positiven Effekten in der Arbeit mit den Jugendlichen ergeben sich selbst erklärend positive Effekte für die, die Wände für die Graffitigestaltung zur Verfügung stellen. Was vorher grau und eintönig war, ist anschließend ein echter Hingucker.

Eindrücke von Aylin Behringers Arbeiten finden sich auch auf Instagram unter nilya_artworks.

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