‘Goldene Momente’ und Abschied

von Ria Garcia

Ein Ausschnitt der Einladung zur Ausstellung. Das Kreuz (✝) haben wir grafisch aktuell hinzugefügt.

Am Samstag beginnt im KunsTHaus eine neue Ausstellung. Für die beiden Künstler sollte es die erste Ausstellung sein, für Günter Füllgräbe (†) ist es nun die letzte Ausstellung.

Die Hängung der Bilder ist meist ein von freudiger Erwartung und Geschäftigkeit geprägter Termin, bei dem wir vor Ausstellungsbeginn mit den Künstlern sprechen. Gestern war das anders. Überhaupt wird die ganze Ausstellung etwas anders sein, als Besucher das erwarten würden. Denn etwas, jemand wird fehlen. Günter Füllgräbe ist am Mittwoch verstorben. Über Ostern ins Krankenhaus gekommen ahnte er bereits, dass er selbst nicht bei der Eröffnung sein würde. “Dann ist er eben eine Woche später dabei”, sagte Wolfgang Sendermann zu Günter Füllgräbes Frau. Beide ahnten nicht, dass er gar nicht mehr dabei sein wird. Seine Frau brachte gestern die Bilder, die nun andere für ihn hängten.

Während der Ausstellung soll ein Foto an den Fotografen erinnern, der ein Auge für ‘den besonderen Moment’ hatte, wie Besucher der Ausstellung feststellen werden. Und so wird vielleicht die von ihm fotografierte Allee im Herbst, an deren Anfang sich die Äste zu einem Tor neigen, sinnbildlich zum ‘letzten Weg’ werden. Genauso wie der spektakulär fotografierte Sonnenuntergang in all seiner Schönheit an den Mann erinnern wird, der diese Schönheit zu sehen und festzuhalten vermochte. An einem Bild mit zwei Anglern in der Brandung hängt das Herz der Frau, die nun zu schnell von ihrem Mann Abschied nehmen musste, besonders. “Das wird einen Platz zu Hause finden”, sagte sie als sie die Bilder ins Kunsthaus brachte. Sie ist tapfer, für ihn, der sich so sehr auf diese Ausstellung gefreut hatte. Günter Füllgräbes gerahmte oder auf Leinwand gezogene Fotos können bei der Ausstellung erworben werden und so werden sich vielleicht Besucher einen ‘dieser besonderen Momente’ mit nach Hause nehmen. Zum Andenken an den Künstler, der einen Blick für solche Motive hatte.

Noch hatten diese Motive ihren Platz in der Ausstellung an den Wänden nicht gefunden:

Zwischen Betroffenheit und Erfüllung des Wunschs

Wolfgang Sendermann hatte uns gleich nach dem Eintreffen ‘zur Seite genommen’, um uns auf diese unerwartete Wendung vorzubereiten. Er war selbst tief betroffen, kannte Güter Füllgräbe schon lange, ist früher sogar mit ihm Marathon gelaufen. Vor einem Jahr erst ist Füllgräbe Mitglied im KunsTHaus geworden, nachdem er schon einige Zeit in der ZWAR-Gruppe einen Fotokurs leitete. “Er hat sich so auf dieser erste Ausstellung gefreut”, sagte Wolfgang Sendermann. Auch für Nina Diana Beeckmann sollte es die erste Ausstellung sein. “Die gemeinsame Ausstellung hatte Wolfgang Sendermann bei der Mitgliederausstellung vorgeschlagen. Keiner von uns beiden hatte genügend Werke bereitstehen, mit denen er allein das KunsTHaus für eine eigene Ausstellung hätte füllen können”, erinnerte sich Nina. “Wir haben letzte Woche noch zusammengesessen und besprochen, wer was macht”, konnte sie nicht fassen, dass er nun nicht mehr dabei sein wird. Die Situation nun ohne ihn in der Ausstellung Besucher zu empfangen scheint fremd, aber es hat in ihr etwas bewegt: “Jetzt mache ich das vor allem für ihn.” Und so schien es gestern bei der Hängung auch den anderen Helfern zu gehen, die die Aufgabe übernommen hatten Günter Füllgräbes Bilder aufzuhängen.

Nina Diana Beeckmann ist Hochdahlerin und hat schon in der Schulzeit begonnen zu malen. Später im Beruf und mit Kindern reichte die Zeit nicht mehr, doch seit drei oder vier Jahren malt sie wieder intensiv. Ihre Werke sind abstrakt, ihre Materialien Acryl und Streichpaste, mit denen sie plastische Effekte erzeugt. “Ich male, was ich fühle und jeder Betrachter interpretiert die Bilder anders”, erläutert sie Motivation, Stil und Technik. Viele der ausgestellten Bilder stammen aus einer Serie, der sie den Titel ‘We are golden’ gegeben hat. Dass sie nicht nur mit gedeckten Farben arbeitet, zeigen einige Bilder mit eigener Farbstrahlkraft. Aber die Vorfreude auf die Ausstellung ist gedämpft durch den Abschied, den keiner voraussehen konnte. Ein Diptychon, ein zweiteiliges Bild, dass sie für die Ausstellung ausgewählt hatte, scheint – ohne es bei der Auswahl geahnt zu haben – die unerwartete Teilung zu zeigen und so werden die ‘Goldenen Momente’ vor allem einem Fotokünstler gewidmet sein, der zu plötzlich aus der Künstlergemeinde und dem Kreis seiner Familie ausgeschieden ist. “Es ist traurig, dass Besucher seine Werke nun erst nach seinem Tod sehen werden”, drückt Nina Diana Beeckmann ihre Gefühle an diesem Tag einmal nicht im Bild, sondern in Worten aus.

Ein kleiner Eindruck von Nina Beeckmanns Werken, bevor sie ihren Platz in der Ausstellung gefunden haben:

2 Kommentare

  1. Mein lieber Herr F., wie ich Sie immer scherzhalber nannte. Ich bin unendlich traurig, dass Sie uns so früh verlassen haben. Es war mir stets eine große Freude und Ehre mit Ihnen zusammen arbeiten zu dürfen. Sie werden mir sehr fehlen.

  2. Mensch Günter, viel zu früh bist du gegangen. Ich erinnere mich sehr gerne an unsere gemeinsamen Läufe und später die Treffen mit Dagmar auf der Mittelstrasse in Hilden. Wir hatten immer Zeit für ein gemeinsames Gespräch.
    Mach‘s gut und grüße Svenja von mir.

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