Gerlinde Sämann zu Gast in der Kulturvilla

Kulturvilla Mettmann

Gerlinde Sämann. Foto: Severin Schweiger

„Wie machen Sie das bloß“?

Diese Frage hat die Nürnbergerin Gerlinde Sämann schon tausendfach in ihrem langen Sängerleben gehört. Gut nachvollziehbar, denn muss eine klassische Sängerin nicht sehen können? Die Noten? Den Dirigenten? Auf der Opernbühne ihre Mitspieler? All das kann Gerlinde Sämann nicht, denn sie ist von Geburt an blind. Berühmte Beispiele für blinde Musiker gibt es einige, Andrea Boccelli etwa oder Stevie Wonder. Aber wie machen sie das bloß?

„Ich spüre den Dirigenten“, sagt sie, „ich stelle mich ein, suche eine Verbindung, über Atem und Körperbewegung. Die Musik ist die Brücke. Oft fühle ich mich, als hätte ich Augen überall, die schauen, nur die beiden in meinem Kopf, die schauen nicht“. Tatsächlich hat Constanze Backes, die sie zu einem ganz besonderen Konzert in die Kulturvilla eingeladen hat, diese intuitive Superkraft von Gerlinde Sämann schon persönlich kennenlernen dürfen. Sie erzählt aus ihren musikalischen Begegnungen: „Als ich noch singend durch die Gegend zog, war es immer das größte Geschenk, mit Gerlinde singen zu dürfen, denn sie klingt wie ein Engel, ist andererseits wie ich eine total bodenständige Mama und Pragmatikerin und die intuitivste Sängerin, die ich kenne, denn sie spürt die Musik durch die Poren und liest die Noten mit den Fingern. Deshalb kann sie das Konzert bei uns am 2. November in völliger Dunkelheit singen. Diesmal geht das Geschenk an unser Publikum!“

Gerade erst wurde Sämann mit dem Europäischen Kirchenmusikpreis ausgezeichnet, der in den letzten 25 Jahren Weltstars wie Arvo Päärt oder John Rutter verliehen wurde. Ein Dokumentarfilm über ihr Leben und Wirken ist in Vorbereitung. Der zauberhafte Klang ihrer Stimme wird gern als „sphärisch“, „feenhaft“ und „silbrig“ bezeichnet.

Um dem Publikum einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln, wie das Leben im Dunkeln sich anfühlt, werden am 2. November buchstäblich die Lichter ausgehen. „Wir verdunkeln den Saal“, so Constanze Backes, „und lassen Gerlindes Stimme wie aus dem Nichts erstrahlen. Es wird keine visuelle Ablenkung geben. Eine traumhafte Atmosphäre“!

Ein ganz winzigkleines Lichtpünktchen wird es allerdings am Notenpult des Harfenisten Vincent Kibildis geben, denn wie jeder sehende Musiker muss er die Noten mit den Augen lesen. Kibildis spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Harfe und ist stilistisch vom Mittelalter bis zur Folkmusik auf der ganzen Welt mit renommierten Ensembles und solistisch unterwegs. 

Wer auch diese kleine Lichtquelle noch ausblenden möchte, darf sich an der Abendkasse eine Schlafmaske nehmen.

Sämann und Kibildis werden Songs und Lieder aus fünf Jahrhunderten spielen, von der Renaissance bis zum zeitgenössischen Folk. Natürlich spielt der Überraschungseffekt eine große Rolle. Eines steht fest: Es wird ein unvergesslicher Abend!

Das Programm wird etwa 70 Minuten dauern.

Kinder und Jugendliche bis 27 Jahren sowie Mettmann-Pass-Inhaber zahlen ab dieser Saison nur noch 5 Euro Eintritt, bzw. 7 Euro an der Abendkasse.

Info:
Sonntag, 2. November 19.00 (Einlass ab 18.30)
Kulturvilla Mettmann, Beckershoffstraße 20, Mettmann
Im Dunkeln!
Gerlinde Sämann und Vincent Kibildis
Tickets VVK €25/5, Abendkasse €30/7

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