Gartengestaltung im Wandel von Klima und Ökologie

von Susann Krüll

Zu Petra Kühns Vortrag und Wiesenbegehung hatten sich viele interessierte Teilnehmer eingefunden. © SK

Ein Vortrag mit Wiesenbegehung zeigte vielen interessierten Möglichkeiten zur klimabeständigen Gartengestaltung auf.

Auch wenn der Titel des Vortrags von „Blütendoktor“ Petra Kühn nach einer wissenschaftlichen Abhandlung klingt, wie sie, die Chirurgin, sicher viele verfasst hat, erlebten vor Kurzem die rund vierzig Zuhörenden eine überaus kurzweilige, höchst informative und beileibe nicht „staubiger“ Einführung in die Gestaltung einer „Präriewiese“. Diese hat Kühn vor gut zwei Jahren in der ‘Neue Mitte Erkrath’, dem ehemaligen Gelände der Gießerei Posé Marre, angelegt. Direkt an der Düssel, in Sichtweite von Chefs und Mitarbeitern der dort ansässigen Agentur Igel, die den Gartenprofi mit der Anlage beauftragt hatte. Hier begann die Veranstaltung mit dem Praxisteil, in dem Kühn verriet, was es zu bewundern gibt. Das Wie und das Warum rund um das Thema, was sich aufgrund des Klimawandels anstelle von Rhododendren, Rasen- oder große Steinflächen gehört, verriet die „Blütendoktor(-in)“ im theoretischen Teil.

Blühstreifen mit „Prärie“-tauglichen Gewächsen an der Düssel

Der naturnahe Blühstreifen entlang des Laufs der Düssel erfreut gleichermaßen diverse Insekten- und Schmetterlingsarten., besonders die so überlebenswichtigen (wilden) Bienenarten und Passanten, die über den Bernsauplatz und die Fußgängerbrücke in Richtung Baviercenter oder Bahnstraße gehen. Wie man sich zuhause ein ähnlich prächtig leuchtendes Beet anlegen oder auf dem Balkon die gleichnamigen Kästen mit Pflanzen, die auch den bei uns zunehmend hohen Temperaturen trotzen, aussucht, dazu gab die sympathische self-made Gartenexpertin zahlreiche Infos und Anregungen.

„Gartengestaltung im Wandel von Klimaökologie“

So lautete der Titel der Präsentation mit praktischen Tipps und Aufforderungen für die Zuschauer, was sie als Bewohner eines städtischen Raums zum Klima-, Pflanzen- und Tierschutz beitragen können. „Das setzt allerdings voraus, dass es zum Klima- auch einen Gartenwandel gibt“, mahnte Kühn. Denn z. B. die Blüte von Schneeglöckchen, früher erste Nahrungsangebote für Bienen, setze nun drei Wochen früher an, so die Expertin. Auch die Apfelblüte sei früher dran, so dass Schäden durch Spätfröste den Ernteertrag schmälerten und die Bienen auch ihre Bestäubungstätigkeit nicht wie gewohnt durchführen könnten. „Daher lautet das Gebot: in der landwirtschaftlichen Produktion auf spätblühende Sorten umzusteigen,“ so Kühn. Auch Gartenbesitzer müssten sich genau überlegen, welche Pflanzen noch Zeit- und Klima-gemäß angesichts immer heißerer Sommer, Starkregenereignissen und wenige Fröste die richtigen Gartenbewohner sein. „Rhododendren, die noch Heckenweise in unseren Vorgärten stehen, stammen aus dem Himalaya. Sie bescheren einem einen sauren Boden, auf den man dann jedes Jahr Dünger draufschmeißt. Sie brauchen auch ‚nasse Füße‘. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass wir kostbares Trinkwasser zum Gießen verschwenden,“ so eine deutliche Botschaft Kühns. Auch große Rasenflächen, die, um „schön grün“ zu sein, wenn es 35 Grad über eine längere Zeit hat, Unmengen des kostbaren Guts verschlingen, hält sie für überholt und verzichtbar.

Trockenheit und Dürre sind die Problem

Mit beiden Gegenspielern müssten wir Alle in Zukunft umgehen im Garten und auf dem Balkon, so Expertin Petra Kühn. Hier eine Auswahl ihrer Tipps:

  • Abgeblühte Pflanzen im Winter stehen lassen, denn z. B. die Samenstände des Sonnenhuts oder der wilden Aster sind Nahrungsreserven für Vögel und Insektenlarven.
  • Laub im Herbst unter Pflanzen als Versteck und Überwinterungsort liegen lassen.
  • Verdunstung und Erosion mithilfe tiefwurzelnder oder Pfahlwurzlern vermeiden. Sie fänden „ihren Weg zum Grundwasser“.
  • Hecken anlegen, sie bilden einen natürlichen Windschutz und senken den Wasserbedarf.
  • Gräser pflanzen, sie können mit Trockenheit umgehen.
  • Regentonne oder besser noch mehrere aufstellen, um Niederschlag aufzufangen.
  • Gießen: zwei Gießkannen auf einen Quadratmeter und nicht abends, weil das nur Schnecken anziehen würde, so Kühn. Die ideale Zeit zum Gießen ist zwischen 3h und 5h morgens. Dann ist der Boden durch den Nachttau optimal zur Wasseraufnahme vorbereitet.
  • Pflanzen nach einem Blühzeitenkalender setzten, so hat man immer etwas Blühendes im Garten.
  • Gegen Schädlinge nur mit Hilfe biologischer Lösungen vorgehen. Achtung: überprüfen, ob es sich bei Raupen auch wirklich um Schädlinge handelt.

Petra Kühns Aufforderung an ihr Publikum lautete dann auch: „Lernen Sie ihren Garten kennen. Googlen Sie, machen Sie sich mit den Feinden ihrer Pflanzen vertraut.“ Auch die aus ihrer Sicht perfekte Pflanz-Formel gab sie den Teilnehmern mit auf den Weg: 60% Stauden und 40% Gräser sorgen für eine gute Bilanz im Hinblick auf Klima-, Wasser- und Tierschutz. Ein „gut gepflanztes“ Beet würde sogar Grundwasser hochziehen. Dass ihre Formel aufgeht und sich das Ergebnis neben allem Nutzen auch noch sehen lassen kann, davon konnten sich die Teilnehmer schließlich zu Beginn der Veranstaltung beim Betrachten des der von ihr angelegten „Präriewiese“ selbst überzeugen.

Infos zur Gartenexpertin Petra Kühnen auf ihrer Website www.derbluetendoktor.de oder auf Instagramm: @derbluetendoktor.

Wer sich seinen Garten neu oder umgestalten lassen möchte, kann die Petra Kühn eine Mail schreiben: kontakt@derbluetendoktor.de.

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Pose,
    in dem Artikel unserer Kollegin ging es nicht um die Geschichte der Örtlichkeit, sodass sie sich in ihrer Beschreibung an den heute tatsächlich gültigen Adressen / Bezeichnungen orientiert hat. Die Agentur Igel hat die Anschrift ‘Alte Gießerrei’, der Platz vorm Brauhaus wird als Bernsauplatz (das Brauhaus hat die Anschrift Bernsauplatz 12) bezeichnet, insofern war auch die Beschreibung ‘wenn man vom Bernsauplatz über die Brücke Richtung Baviercenter / Bahnstraße geht, korrekt. Die Zufahrt von der Bismarckstraße heißt heute ‘Alte Papierfabrik’. Die Straßenbezeichnung führt auf dem Gelände links bis zur ‘weißen Villa’ und den hinteren Gebäuden. Einzig die heutige Schreibweise des Eigentümers zu Pose Marré war anders (versehentlich zusammengeschrieben). Siehe https://bluecher.com/pose-marre/ und https://www.posemarre.de/ (als ‘Marke’ sogar klein geschrieben).
    Viele Grüße
    R. Garcia

  2. @”Gießerei Posémarre”: Die Firma, welche eine Gießerei betrieb, hatte unter verschiedenen Gesellschaftsformen den Namen … Pose & Marré …; nach den Firmengründern (verschwägerten) Reinhold POSE und Arthur MARRÉ. Anhand der Bilder kann ich nicht sagen, ob es sich tatsächlich nur um das Gelände ODER auch um das Gelände der ehemaligen Papierfabrik handelt. Beide historischen Gelände werden durch die Düssel getrennt.
    Beide Punkte werden in Artikeln desöfteren falsch wiedergegeben werden.
    Die Schreibweise wurde später in … Pose-Marré … geändert UND diese Firma später auch das Gelände der Papierfabrik Bernsau gekauft hatte.

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