Feniks: Taiko Trommelklang zu Nikolaus

von Ria Garcia

Feniks Taiko
Feniks Taiko am 6. Dezember 2025 in der Stadthalle Erkrath. Foto: Lutz Wulfestieg

Punktgenau am Nikolaus Abend stand Feniks zum Taiko-Konzert auf der Bühne der Stadthalle. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher kamen nicht nur für den guten Zweck, viele sind echte Taiko-Fans.

„Ich freue mich, dass sie teils den langen Weg nach Erkrath auf sich nehmen“, erklärte Timo Kremerius, Vorsitzender des Födervereins MS-Treff Erkrath in seiner Begrüßung. Dass das wirklich so ist, ist einem Kommentar unter unserer Ankündigung zu entnehmen. Da schreibt ein Besucher, dass er lange in Hochdahl gewohnt hat, nun aber in Bottrop Kirchellen lebt und von dort extra zum Konzert nach Erkrath kommt. Taiko-Fans ist offensichtlich kein Weg zu weit. Der Förderverein MS-Treff finanziert mit dem Erlös aus den Benefizkonzerten die jährlichen Ausflüge mit MS-Erkrankten nach Holland. „Eine Kurzurlaubsfahrt mit 30 bis 35 Rollstuhlfahrern nach Holland kostet viel Geld. Vielen Dank an die Gruppen, die uns das über die Benefizkonzerte ermöglichen“, schloss er seine Begrüßung und Feniks ließ die Stadthalle erneut beben.

Mit welcher Geschwindigkeit die Mitglieder sich bewegen und trommeln, konnte man eindrucksvoll sehen, als ein Trommelstock durch die Luft auf die Bühne flog. Woher der Trommler so schnell einen neuen Stock in der Hand hatte, hat niemand so recht gesehen. Aus dem Takt kam auch niemand. Die teils sieben Minuten langen Stücke boten mal leise Töne, mal sehr laute, mal langsamere und dann in schneller Abfolge Trommeltöne, einem Gewitter gleichend, zudem dann auch die Bühnenbeleuchtung passend wie bei Blitz und Donner wechselte. Taiko ist immer wieder ein Erlebnis, für die Augen, für die Ohren und für den ganzen Körper, denn wer nah an der Bühne sitzt, spürt die Vibration der Trommeln.

Schon die Anzahl der großen und kleinen Trommeln, die je nach Stück auch ständig im Halbdunkel ausgewechselt werden, ist beeindruckend und wir haben uns unwillkürlich mit der Frage beschäftigt, welche Logistik für ein solches Konzert möglich ist. Auch wieviel Übung notwendig ist, damit eine Taiko Gruppe so aufeinander abgestimmt, sowohl in der Tonabfolge, wie auch in der rhytmischen Bewegung, miteinander auf der Bühne auftreten kann. Wir haben deshalb in der Pause Grete Moortgat, den Kopf von Feniks, in ihrer Garderobe besucht.

Grete Moortgat, Feniks und die Araumi Daiko Akademie

„Ich habe ein paar Jahre in Japan gelebt und dort das Taikospielen erlernt“, erzählt und Grete Moortgat. Vom ersten Moment an, in dem sie Taiko erlebte, war sie fasziniert. Als sie nach Belgien zurückkehrte gab es dort niemanden, mit dem sie hätte Taiko spielen können. „Dann habe ich Menschen gesucht, die Lust haben Taiko zu lernen, um mit mir zu spielen“, erinnert sie sich an den Beginn. Sie gründete Araumi Daiko Akademie und lehrt inzwischen seit mehr als einem Vierteljahrhundert Taiko in Belgien. Feniks und weitere Gruppen sind daraus entstanden. „Die Taiko Spieler werden für die Gruppen ausgewählt“, erklärt Grete Moortgat. Bis ein Taiko Spieler so versiert ist, dass er in einer Gruppe bei Konzerten mitspielt, vergehen teils 10 Jahre mit viel Training. Aber es gibt auch Ausnahmetalente. Ihre Nichte und deren Freund gehören dazu. Die beiden haben es schon nach vier Jahren zur Konzertreife gebracht. „Talent erkennt man sehr früh“, erklärt Grete. Für zwei Spielerinnen war es am Nikolausabend in der Stadthalle der erste Konzertauftritt.

Wer in einer Taiko Gruppe spielt, muss ehrgeizig sein. Taiko ist nichts für Egoisten, denn die schnellen – teils komplizierten Takt- und Bewegungsabläufe erfordern Teamgeist. „Man muss nehmen und geben können“, beschreibt Grete Moortgat die Softskill der Gruppenmitglieder. Taiko sei ein wenig wie Mathematik, sagt uns Grete. Ein Hochleistungssport mit Musik, Ausdauer und Technik. Sie selbst trainiert 20 Stunden in der Woche. Wer in einer Gruppe spielt, trainiert in der Regel mindestens zehn Stunden, sechs davon gemeinsam mit der Gruppe.

Nach dem fliegenden Trommelstock gefragt, lacht Grete. Das passiere öfter und jedes Gruppenmitglied hat immer einen Ersatzstock, der sofort zur Hand ist. „Manchmal zerbricht auch ein Stock“, berichtet sie. Und wenn eine Spielerin oder ein Spieler Pech hat und der zweite Stock wegfliegt oder zerbricht, dann hilft ein anderes Gruppenmitglied schnell aus. Auch das gehört zum Teamwork, immer mitzubekommen, ob ein Gruppenmitglied schnell Ersatz braucht, damit alle im Takt bleiben und das tun sie.

Konzertlogistik

Schon der Blick auf die Bühne, wenn die Taikotrommeln aufgebaut sind, verrät die enorme Logistik, die ein solches Konzert erfordert. Zwischen den einzelnen Stücken werden im Halbdunkel Trommel von der Bühne geschoben und andere platziert oder die Spieler überraschen mit tragbaren Trommeln. Mit Bronzegong, Klangschale, Ocen Drum, zwei Koto und 27 Daikos in drei verschiedenen Größen/Ausführungen, kamen wir grob überschlagen schon auf rund 35 Instrumente, die von Belgien nach Erkrath transportiert werden mussten. „Wir sind mit einem großen Sprinter unterwegs“, erklärt Grete. Zu manchen Konzerten sind sie mit noch mehr Instrumenten und einer noch größeren Trommel unterwegs. Die passte allerdings nicht in den Sprinter. Für solche Auftritte muss dann schon ein kleiner LKW her.

Im Sprinter können drei Personen mitfahren. Die Gruppe besteht aus zehn Mitgliedern und drei Begleitern. „Wir starten von unterschiedlichen Orten“, sagt sie uns, denn die Gruppenmitglieder wohnen nicht alle im selben Ort. In Antwerpen haben sie einen fersten Probenraum in der Akademie. Dort gibt es dann so rund 200 Trommeln, erzählt Grete. Allerdings seien nicht alle Konzerttrommeln. Es gebe Unterschiede zwischen den Trommeln für Konzerte und denen, die in der Araumi Daiko Akademie für den Unterricht genutzt werden.

Alles für den guten Zweck

Wir waren nach diesem Gespräch mit Grete Moortgat schon sehr beeindruckt. Ein Blick „hinter die Kulissen“ verdeutlicht, was Feniks oder auch Wadokyo und vor einiger Zeit auch Bonten mit Feniks für solche Benefizkonzerte auf sich nehmen. Alles, um Menschen, die an MS erkrankt sind, einmal im Jahr mit Hilfe des Fördervereins MS-Treff Erkrath die Freude zu bereiten einige Tage nach Holland an die See zu fahren. Taiko-Fans freuen sich natürlich jedes Mal aufs Neue, dass es solche Konzerte in Erkrath gibt.

Wer sich für die unterschiedlichen japanischen Trommeln und Musikinstrumente interessiert, findet einen Überblick bei Kaiser Drums. Uns ist es im Interview mit Grete Moortgat nicht gelungen alle von ihr genannten unterschiedlichen Daikos so schnell zu notieren und auch wenn wir einige davon im Kaiser Drum Shop entdeckt haben, waren wir unsicher und haben es bei der Gesamtanzahl belassen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*