Feierabendmarkt: Nicht alle befürworten Standgebühren

Von Christian Zimmer

Blick über den Feierabendmarkt im Juni. Foto: Christian Zimmer

Der Feierabendmarkt im Juni präsentierte sich bei gutem Wetter. Während für manche Vereine die möglichen kommenden Gebühren kein Problem sind, sind andere empört.

Am 17. Juni hatten sich wieder zahlreiche Stände und Foodtrucks auf dem Bavierplatz eingefunden. Die Senta Tagespflege stellte ihr Angebot vor, die Stadt Erkrath verteilte das Heft mit dem neuen Kulturprogramm. An einem unscheinbaren Stand verteilte die Rheinbahn Informationsmaterial. Die Kindereisenbahn zog ihre Runden und die Karnevalsgesellschaft „Die Letzten Hänger 1963“ hatten für Kinder ein Glücksrad mit kleinen Gewinnen dabei. Für die Erwachsenen gab es Wein und Bowle aus einem neu angeschafften Anhänger.

Auch die Kulturbar bot Wein an, gleich daneben hatte die Karnevalsgesellschaft „Düssel-Garde 2025“ Waffeln im Angebot. Ein Foodtruck bot Nudel-Spezialitäten an, eine „Friggitoria“ hatte frittierte italienische Spezialitäten dabei.

Bekannte Anbieter wie der Curryflitzer, die Bio-Bude, der Pizzawagen und der Burger-Schulbus waren wieder dabei, ebenso Crépes und Wein und das Cocktail-Taxi. Der zuletzt neu hinzugekommene Anbieter von Backfisch und Kibbeling sowie ein Stand mit einer weiteren Wein-Auswahl waren da.

Paul, der Junge mit dem Saxophon. Foto: Christian Zimmer

Für Getränke wie frisch gezapftes Bier und Limo sorgte diesmal die IG Erkrath. Musik hatte die Stadt als Veranstalter gar nicht angegeben, trotzdem gab es musikalische Klänge unter der Markthalle: Paul, der Junge mit dem Saxophon, spielte bekannte Lieder.

Neuer Anhänger der Letzten Hänger. Foto: Christian Zimmer
Glücksrad bei den Letzten Hängern. Foto: Christian Zimmer
Friggitoria. Foto: Christian Zimmer
Düssel-Garde, Kulturbar und Nudel-Truck. Foto: Christian Zimmer

Mögliche Standgebühren sorgen für Empörung

Während gegenüber anderen Medien die Händler Verständnis für die ab Juli erhobenen Gebühren aufbringen, sieht das bei den Vereinen ganz anders aus. Für manche Vereine, die mit Verkäufen auch gut verdienen, stellen die möglichen Gebühren keine Probleme dar. Wiederum andere Vereine oder Stände haben keinen Verkauf – sie können auch in Zukunft gebührenfrei ihre Stände aufstellen (müssen aber eine Haftpflicht-Versicherung nachweisen).

Wir haben uns am Stand des Vereins „Ökumenische Initiative für die Eine Welt Erkrath“ erkundigt, die den Weltladen im katholischen Gemeindezentrum an der Kreuzstraße betreibt. Schon bei den möglichen Gebühren vor zwei Jahren hieß es von den Ehrenamtlichen, dass sich der Stand mit Gebühren nicht lohnen würde. Für Ingrid Fehrenbacher war die Information, dass es ab nächsten Monat kostenpflichtig werden könnte, „völlig neu“.

Der Stand auf dem Feierabendmarkt sei wie ein weiterer Öffnungstermin des Ladens. Eine Auswahl des Sortiments aus fair produzierten und gehandelten Produkten, etwa Kaffee, Schmuckstücke oder Taschen, wird auf dem Feierabendmarkt präsentiert und verkauft. „Alles muss wieder in den Laden“, erläuterte Fehrenbacher den Aufwand. Die Standbetreuung war in zwei Schichten mit jeweils zwei Personen organisiert.

Prinzipiell sei der Weltladen gerne auf dem Feierabendmarkt, man komme hier mit Leuten ins Gespräch. „Wir sind immer wieder überrascht, dass Fairtrade noch nicht so bekannt ist“, erklärt Fehrenbacher. Immerhin trage die Stadt Erkrath das Siegel ‚Fairtrade Stadt‘, doch sie seien der einzige Fairtrade-Stand auf dem Feierabendmarkt. Von den möglichen Gebühren halte sie jedoch nichts – dafür seien die Einnahmen bei ihnen einfach zu gering.

Der Stand des Weltladens mit Christiane Heil und Ingrid Fehrenbacher (hinter dem Stand vlnr.). Foto: Christian Zimmer

„Hier sind ja fast nur Verzehr-Angebote, es wäre schöner, wenn es wie ein Wochenmarkt wäre“, äußerte sie Kritik am Konzept. Der Feierabendmarkt war von der Verwaltung ursprünglich auch als eine Art Wochenmarkt angedacht gewesen, allerdings fanden sich zu wenig Marktbeschicker, da diese mittwochs meist auf anderen Wochenmärkten sind. War die Anzahl von Vereinen und Foodtrucks anfangs noch ausgeglichen, gibt es mangels Teilnahme von Vereinen mittlerweile allerdings öfters tatsächlich einen deutlichen Überhang an Essens- und Trink-Angeboten.

Ihre Kollegin Christiane Heil wurde noch deutlicher: „Ich finde das unmöglich“, sagte sie, sollte der Weltladen Gebühren zahlen müssen. „Wir wirtschaften ja nicht in die eigene Tasche.“ Die Erlöse aus dem Weltladen werden für Förderprojekte in Haiti verwendet. Sie bemängelte auch eine fehlende Gegenleistung der Stadt, beispielsweise stellt die Stadt den Ständen trotz Hitze keine Pavillons für Schatten zur Verfügung.

Unterschiedliche Aussagen über Gebühren für Vereine

Ob der Stand des Weltladens wirklich Gebühren zahlen muss, wird sich zeigen – der Leiter der Wirtschaftsförderung, Janis Arnold, hatte uns gegenüber angekündigt, jeden Fall „mit Augenmaß“ einzeln zu prüfen. Im Haupt- und Finanzausschuss sicherte der erste Beigeordnete und Stadtkämmerer Thorsten Schmitz laut Niederschrift hingegen sogar zu, „dass alle Vereine und Verbände, die nicht umsatzsteuerpflichtig sind, auch keine Gebühren zahlen müssen.“ Das würden wiederum die meisten Vereine sein, da es Umsatzsteuerbefreiungen gibt.

Von möglichen Gebühren wird wohl auch abhängen, ob der Weltladen zukünftig noch auf dem Feierabendmarkt sein wird. Sollte der Weltladen Gebühren zahlen müssen, wäre für Heil klar: „Dafür schlage ich mir nicht den Feierabend um die Ohren.“

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