
Mitten im Wahlkampf reiht sich eine Schulhiobsbotschaft an die nächste: Verzögerter Start des Schuldorfs Rankestraße, verletzte Schüler im Pendelverkehr, Schließung der Johannesschule aufgrund gefährdeter Statik. Droht noch mehr Ungemach?
Es scheint, als wenn sich in Erkrath eine Hiobsbotschaft zum Thema Schule an die nächste reiht. Die Fraktionen sind alarmiert und der Wahlkampf scheint im Endspurt in den Hintergrund zu rücken. Als unsere Redaktion aufgrund der sichtbaren Bauarbeiten am Sportplatz Rankestraße nach dem Stand und zeitlichen Ablauf des Schuldorfs bei der Pressestelle der Stadt anfragten, ahnten auch wir noch nicht, was sich innerhalb so kurzer Zeit alles ereignen würde.
Schuldorf Rankestraße
Am 3. September erhielten wir eine Antwort auf unsere Fragen: „Es ist richtig, dass am Sportplatz Rankestraße die Arbeiten zur Erschließung des geplanten Schuldorfes begonnen haben. Dabei werden unter anderem erste Leitungen und Rohre verlegt, das Baufeld vorbereitet sowie die Zufahrt (für die spätere Container-Anlieferung) hergerichtet. Da das Vergabeverfahren zu den Schuldorf-Containern noch läuft und auch Gespräche mit den potenziellen Bieterinnen und Bietern noch ausstehen, kann derzeit noch nichts Neues zum weiteren Verlauf bzw. Zeitplan gesagt werden. Hierüber werden wir die lokale Politik und Öffentlichkeit entsprechend informieren, sobald das beauftragte Unternehmen und der voraussichtliche Liefertermin feststehen.“

Bereits zwei Tage später (5. September 2025) ließ ein Facebookpost aufhorchen: „Guten Morgen! Leider habe ich schon lange nichts mehr über den Sachstand zum Bau des Schuldorfes gehört! Können Sie uns sagen, ob der Termin Februar 2026 im Sinne der Erkrather Schüler gehalten werden kann? Vielen Dank für die auch aus unserer Sicht erschreckenden Informationen zur Johannesschule.“ Verlinkt waren darin Vertreter der Fraktionen und der Bürgermeister. Aus den sich anschließenden Kommentaren ließ sich herauslesen, dass am Abend zuvor bei einem Elternabend wohl durchgesickert war, dass das Schuldorf deutlich später als geplant erst im Mai oder Juni 2026 kommen würde. Es schloss sich die Frage an, ob die Kinder solange „ein Dach über dem Kopf haben“. Vertreter der Fraktionen kommentierten verärgert, dass sie über den Sachstand nicht informiert seien.
Bürgermeister Christoph Schultz kommentierte ebenfalls: „Die Ausschreibung für das Schuldorf ist in der letzten Phase. Aktuell erfolgt die technische Prüfung der eingereichten Angebote und danach die Zuschlagserteilung. Erst dann können wir auch einigermaßen verlässliche Angaben zum Zeitplan geben. Schulen, Eltern und Politik werden sobald es einen Zuschlag gibt, informiert.“
Am gleichen Tag erreichte die Eltern ein Elternbrief, der sie darüber informierte, dass den vier Anbietern, die sich auf die Ausschreibung für die Container beworben hatten, die sogenannte „Vorhaben bezogene Baugenehmigung“, die in NRW notwendig ist, fehle und erst beantragt werden müsse. Das führe zu einer Verzögerung bis voraussichtlich Mai 2026.
Am 9. September informierte die Stadt dann in einer Pressemeldung darüber, dass die Vergabe erfolgt sei. Darin hieß es: „Nach dem Ratsbeschluss zur Errichtung eines Schuldorfes hat die Stadt Erkrath nun einen geeigneten Anbieter zur Aufstellung der rund 600 Schulcontainer am Sportplatz Rankestraße in Hochdahl gefunden. Die Lieferung soll bis spätestens Juni 2026 erfolgen, die Kosten für die Dauer der Mietzeit betragen rund 13,2 Millionen Euro. Da die Landeshauptstadt Düsseldorf sofort ihre Bereitschaft zur Verlängerung der Interimslösung Benrath erklärt hat, bedeutet dies für die rund 1.200 Schülerinnen und Schüler von Realschule und Gymnasium Hochdahl, dass sie zunächst weiterhin am ehemaligen Schloss-Gymnasium in Düsseldorf-Benrath unterrichtet werden. „Wir sind Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und der Landeshauptstadt Düsseldorf sehr dankbar, dass wir diese Überbrückung verlängern dürfen“, lobt Bürgermeister Christoph Schultz die Nachbarstadt für ihre unbürokratische Hilfe.“ Auch die vorhaben bezogene Baugenehmigung wurde in der Meldung genannt.
Inzwischen hat sich der Vorstand der Schulpflegschaft des Gymnasiums Hochdahl mit einem Schreiben an Bauministerin Ina Scharrenbach und an Schulministerin Dorothea Feller gewandt, in dem sie eindringlich darum bitten das Verfahren (Erteilung einer vorhabenbezogenen Baugenehmigung) zu beschleunigen, damit die Schülerinnen und Schüler früher nach Hochdahl zurückziehen können. In den Schreiben heißt es unter anderem: „Wir bitten Sie dringend, alles zu veranlassen, damit die Genehmigung für die Containeranlage in Hochdahl ohne weitere Verzögerung erteilt wird. Jede zusätzliche Hängepartie verlängert eine Situation, die weder pädagogisch noch menschlich vertretbar ist. Die Bauordnung NRW sieht ausdrücklich beschleunigte Verfahren bei besonderem öffentlichen Interesse vor – genau dies liegt hier vor.“
Auch die BmU in Erkrath fordert eine Beschleunigung des Verfahrens zur Containeraufstellung und eine Verbesserung des Pendlerverkehrs für die Schülerinnen und Schüler. Und mitten in dieser für alle schwierigen Situation kam es dann am 11. September auch noch zu einer Gefahrenbremsung bei eben diesem Pendlerverkehr, bei der 15 Menschen verletzt wurden. Man sollte meinen, das seien nun erst einmal genug schlechte Nachrichten in Bezug auf Schulen für eine Stadt in so kurzer Zeit gewesen, aber dann folgte schon die nächste.
Johannesschule in Alt-Erkrath
Am gleichen Tag kam es zum vorerst letzten Schultag in der Johannesschule, bei der im Zuge laufender Sanierungsmaßnahmen Statikprobleme offenbar wurden, die einen „Betrieb unter Last“, heißt Schulbetrieb mit Lehrern und Kindern aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich macht. Knapp 190 Kinder waren von heute auf morgen schulisch „obdachlos“. Während für Freitag notgedrungen kurzerhand ein Wandertag eingeplant wurde, gibt es am Montag und Dienstag erst einmal nur eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern keine andere Möglichkeit finden. Ab Mittwoch sollen die Kinder dann in den Containern unterrichtet werden, die aktuell an der Rankestraße stehen. In der Zwischenzeit muss das Grundschulgerechte Mobiliar umziehen.
Von der Schließung ohne Vorwarnung ist Christoph Schultz nicht nur als Bürgermeister betroffen, auch als Vater, denn er hat eigene Kinder an der Schule. Ein Schulbustransfer soll die Kinder von Alt-Erkrath nach Hochdahl und mittags wieder zurück bringen.
In der dazu herausgegebenen Pressemitteilung der Stadt heißt es dazu: „Es werden alle Anstrengungen unternommen, damit die Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal einen möglichst reibungslosen Umzug erleben. Eine konkrete Einschätzung, wie und wann es mit dem Schulbetrieb an der Hölderlinstraße weitergeht, ist derzeit nicht möglich, da zunächst weitere Prüfungen zur Statik ausstehen. Die Techniker gehen aktuell davon aus, dass die zusätzlichen Stützarbeiten voraussichtlich vier Monate dauern werden“, erklärt Bürgermeister Schultz weiter.
Es ist zu hoffen, dass die Techniker sich nicht irren, denn wenn es viel länger dauern würde und die Schülerinnen und Schüler von Realschule und Gymnasium von Benrath wieder nach Hochdahl ziehen, dürften die Container für die beiden Schulen gebraucht werden.
Die BmU erinnerte im Zuge der Schulschließung daran, dass bereits 2017 aufgrund eines Antrags der BmU ein einstimmiger Beschluss zur Erstellung eines umfassenden Gebäudemanagementplans für die Schulen der Stadt Erkrath gefasst wurde. Bis heute liegt dieser aber offensichtlich nicht vor. Im Ratsinformationssystem ist aktuell unter der Beschlusskontrolle nachzulesen: „Zu erledigen bis: 15.09.2025.“ Acht Jahre für einen Gebäudemanagementplan für Schulen. Für die Johanneschule waren diese acht Jahre offensichtlich zu lang.


Marc Göckeritz von den Grünen hatte bereits in den Sommerferien nachgefragt, was es mit den angebrachten Behelfsstützen in der Johannesschule auf sich hat und zur Antwort erhalten, dass die Statik des Gebäudes in Ordnung sei und den Schulbetrieb erlaube. In einer aktuellen Anfrage möchten die Grünen nun wissen, wie es kommt, dass es nur wenige Wochen später zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt. „Seit wann genau liegt der Stadt das Ergebnis der aktuellen Untersuchung vor, nach der die Verkehrslast nicht mehr gegeben ist?“, wollen sie von der Verwaltung wissen.
GGS Erkrath, Standort Falkenstraße
Die Sorge der Erkrather Grünen gilt nicht nur der Johannesschule, auch in der GGS Erkrath am Standort Falkenstraße seien seit den Sommerferien Behelfsstützen im Eingangsbereich und in den hinteren Klassenräumen installiert worden. Sie bitten die Verwaltung deshalb um Mitteilung, ob auch in der Falkenstraße in der Vergangenheit und aktuell die Statik untersucht worden sei und wenn das so wäre, möchten sie das Ergebnis wissen. Da in der Falkenstraße aktuell wohl die Arbeiten ruhen, möchten die Grünen wissen, wann diese fortgesetzt werden und ob die Stützen mit einer Ummantelung abgesichert werden, damit es zu keiner Gefährdung für die Schülerinnen und Schüler kommt.
Das Thema Schulen wird die Kommunalpolitik auch nach der Wahl intensiv beschäftigen und für den künftigen Bürgermeister und seine Verwaltung eine nicht zu unterschätzende Herausforderung bleiben.

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