Erk@Art: Jury und Publikum wählten Fotografien

Der Jury- und der Publikumspreis gingen in diesem Jahr für zwei Fotokünstlerinnen. Foto: Gabi Gründker

Premium | Sowohl der Jurypreis als auch der Publikumspreis gingen in diesem Jahr an zwei Fotografinnen für ihre Fotografien. Nicht irgendwelche Fotografien. Beide hatten Außergewöhnliches zu bieten.

Zur Vernissage und Preisverleihung war der Lokschuppen auch in diesem Jahr wieder gut gefüllt. Dieser Abend gehört geladenen Gästen, bevor die Ausstellung dann samstags und sonntags für alle Besucher geöffnet ist. Die Begrüßung übernahm Bürgermeister Christoph Schultz, der die ausstellenden Künstler einzeln ansprach. Er dankte auch Fönek, der Reinhold Pose Stiftung, der Stiftung der Kreissparkasse und natürlich „dem Hausherrn“ Gottfried Bander. Ohne sie wäre die Erk@Art kaum Jahr für Jahr zu veranstalten. Von 19 bis 20.15 Uhr hatten die Besucher Zeit sich alle Werke anzusehen und ihre Stimme für den Publikumspreis abzugeben.

In die Erk@Art hatten es in diesem Jahr Claudia Beiermann, Roswitha Bohmann, Irmgard Hamacher, Teyaen Henze, Hyacinta Hovestadt, J. Peter Köhler, Ulrike Kirsten, Steffen Krüll, Birgit Lemm, Susanne Marx, Jan Masa, Henriette Ellen Mittelviefhaus, Anja Saal, Martin Schumacher, Cornelia Schoenwald, Barbara von Grabczewski und Dirk von Salzen geschafft. Während einige Künstler schon mehrfach dabei waren, gab es auch neue Gesichter bei den Ausstellenden.

Zeichnungen, Malerei, Kollagen

Steffen Krüll, der in vergangenen Jahr das erste Mal an der Erk@Art teilnahm und auf Anhieb den Publikumspreis erhielt, war auch wieder mit zwei Werken dabei. Während sein Bild Reisig auf Grundlage eine Fotos, dass er bei einem Spaziergang im Neandertal knippste, entstand, sollte Whatyousee eigentlich anders ausfallen, als es nun im fertigen Bild ist. „Ich bin immer auf der Suche nach Strukturen“, verrät Steffen Krüll seine Motivwahl. Das Bild Reisig sei aus 150 Tsd. Einzelpunkten entstanden.

Für seine Bilder mit Grafit in Stippling-Technik oder auch Punkttechnik hatte er im letzten Jahr den Publikumspreis erhalten. Ein bisschen ist die Technik zu seinem Markenzeichen geworden. Whatyousee sollte eigentlich herabtropfenenden Regen symbolisieren. „Aber dann erinnerte das Bild plötzlich an die Skyline von New York“, erzählt er. Mit vielen zusätzlichen Punkten hat er diesen Eindruck wieder verfremdet und dem Betrachter überlassen, was er oder sie darin sieht. „Für mich sieht das aus wie aufsteigende Bienenschwärme“, hatte eine Besucherin auch sofort eine eigene Vorstellung.

Mit deutlich mehr Farbe kommen die Bilder weiterer Künstler daher. JP Köhlers Kollage Entfremdung verbindet in von ihm gewohnter Weise Fineliner Zeichnung mit bunten Kollagenelementen. 2016 gewann er mit seinen Arbeiten schon einmal den Jurypreis der LOKart (jetzt Erk@Art). Das bunte Leben spiegelt sich in Teyaen Henzes Tagtraum. Das Thema Menschen und das Leben beschäftigen die Künstlerin seit ihr Studienzeit. Mit Sand und Pigmenten in Acryl hat Dirk von Salzen sein Werk ohne Titel 2 gestaltet. Was darin zu erkennen ist, überlässt er dem Betrachter. Ein im Schatten liegender Eisbär zwischen Eis und Sonne, dem Klimawandel ausgeliefert? Es gibt eine Menge Interpretationsraum. Mit den Farben der Liebe hat Barbara von Grabczewski in Werk Love in Acryl auf Leinwand gestaltet.

Mit deutlich weniger Farbe kommen Ulrike Korsten, Claudia Beiermann und Ingrid Hamacher daher. Die insgesamt vier ausgestellte Bilder von Ulrike Korsten aus der Serie Black Tulips, die mit Tusche auf Papier gemalt sind, wirken fast schon puristisch. Claudia Beiermann beschränkt sich bei ihren drei Bildern, die in Acryl auf Steinpapier gemalt sind, auf die dominierenden Farben blau und weiß. Bei Ingrid Hamachers Hommage an Beuys blickt man wieder auf schwarz-weiß. Einmal mit Graphitstift auf Papier und einmal als Monotypie auf Papier (Bild unterhalb).

Bei Susanne Marx und Henriette Ellen Mittelviefhaus kommt wieder mehr Farbe ins Spiel. Die beiden von Susanne Marx in der Ausstellung präsentierten Bilder sind bereits vor mehr als 20 Jahren entstanden. Damals hat sie einen neuen Stil ausprobiert, bei dem sie Strukturen mit mehr Farbverläufen aufgebrochen hat. Dabei hat sie Konturen teils übermalt und den Hintergrund ausgefüllt. Genutzt hat sie dazu Aquarellfarben und Filzstift. Henriette Ellen Mittelviefhaus hat hingegen Acryl mit Tusche, teils mit Pastellkreide in ihren Bildern eingesetzt. Was sie im Leben fasziniert, Menschen und Landschaften, fließen in ihr künstlerisches Schaffen ein.

Skulpturen

SNOW_03
Martin Andreas Schumacher
Foto: Gabi Gründker

Eine Mischung aus Skulptur und Bild sind mit schöner Regelmäßigkeit die Arbeiten von Martin Andreas Schumacher. Seine Papierarbeiten aus Recycling und Verpackungsmaterial tragen seine Handschrift, haben Wiedererkennungswert. So auch SNOW_03, das im vergangenen Jahr entstand.

Die beeindruckend großen Arbeiten von Roswitha Bohmann und Hyacinta Hovestadt füllten den mittleren Raum im Lokschuppen. Auf die Bemerkung, dass die Werke gefühlt von Jahr zu Jahr größer werden, lachten die beiden verschmitzt. Was die beiden, neben der größe ihrer Objekte, noch verbindet, ist die ‚Upcycling-Kunst‘. Beide arbeiten mit Materialien, die eigentlich einmal einem ganz anderen Zweck gewidmet waren. Bohmanns Werk lctbnd ist aus Streifen von Rettungsdecken und aus Polyband gehäkelt. Mittig von der Decke hängend vermittelt es den Eindruck einer Takelage mit zerfetztem Segel, das dem Besucher ganz neue Ein- und Durchblicke im Lokschuppen erlaubt. Ästethisch schön erhebt sich Hyacinta Hovestadts Werk Eins Zwei vom Boden, wie eine sich öffnende Blüte in einer Form, die man dem zugrunde liegenden Material niemals zutrauen würde. Die Skulptur hat Hovestadt aus Wellpappe und Holzleim geformt.

Mit Skulpturen waren auch Jan Masa und Anja Saal vertreten. Eine Nummer kleiner, als die Werke von Hovestadt und Bohmann, was ihrer Faszination aber keinen Abbruch tut. The Lady and the bird von Anja Saal wirkt anmutig und exotisch. Die Skulptur ist mit Paperclay, Keramikscherben, Aufbaukeramik und Rauchbrand gearbeitet. An ‚Rauch‘ erinnert auch Jan Masas Skulptur „Kohle“ – Schaufler, die aus Gießbeton, und Goldlack gearbeitet ist und auf dem spiegelnden Untergrund eine besondere Optik erreicht.

Der etwas andere ‚Durchblick‘ im Lokschuppen. Foto: Gabi Gründker

Die Sieger kommen zum Schluss

Was bei unserem kleinen Zug durch die Werke der in der Erk@Art 2025 vertretenen Künstler noch fehlt, sind Fotografien. Die waren natürlich auch vertreten und wie das Leben auch in der Kunst manchmal so spielt, haben die beiden Künstlerinnen, die Fotografien präsentierten, am Ende die Preise geholt.

Der Jurypreis ging an Birgit Lemm

Pünktlich um 20.30 Uhr begann Andre Peer mit der Laudatio des Jurypreises. Er war für die kurzfristig erkrankte Susanne Müller-Kölmel eingesprungen. 38 Künstlerinnen und Künstler hatten sich in diesem Jahr mit insgesamt 146 Werken beworben, erklärte er zu Beginn der Laudatio für den Jurypreis. Das sei eine beeindruckende Zahl, die nicht nur das kreative Potenzial der Region, sondern auch den Mut und die Leidenschaft zeige, mit denen die Teilnehmenden künstlerische Fragen erkunden und neue Ausdrucksformen suchen. Die Vielfalt der eingereichten Arbeiten sei für die Jury sowohl eine Bereicherung als auch Herausforderung gewesen. Die Jury, bestehend aus Monika Kißling, Susanne Müller-Kölmei und Andre Peer, habe diskutiert, verglichen, gerungen und letztendlich Entscheidungen getroffen, die auf Sorgfalt, Respekt und Wertschätzung beruhen.

Die besondere Anerkennung durch den Jurypreis ging in diesem Jahr an Birgit Lemm. In ihrem Studium Kunst auf Lehramt für die Sekundarstufen I und II hat sie sich vor langer Zeit auf Fotokunst spezialisiert. Ihr künstlerisches Schaffen wurde mehrfach ausgezeichnet und ausgestellt. Auch in der Großen Kunstausstellung NRW im Museum Kunstpalast in Düsseldorf war sie schon vertreten. Ihre in der Erk@Art ausgestellten Bilder hatten wir zuvor im ersten Moment für Malerei gehalten.

Wie sie das macht, hat sie uns erklärt. Mit dem Cutter erstellt sie Papiermodelle, die viele kleine Ausschnittfenster haben. Diese unter- oder hinterlegt sie dann mit farbigem Tonpapier und beleuchtet sie von verschiedenen Seiten. Teils nutzt sie auch gehämmerte Silberfolie um besondere Reflektionen zu erzeugen. „Die Modell sind etwa 20 x 20 Zentimeter groß, manchmal kleiner“, sagt sie uns. Im fertigen Bild wirkt es allerdings eher so, als wenn sie riesige Treppen oder Architektur fotografiert hat. „Es hat mir selbst Freude bereitet mit Licht zu malen“, sagt die strahlende Jurypreis-Gewinnerin.

Die Überraschte – Publikumspreis für Cornelia Schoenwald

Eigentlich kaum zu glauben, aber Cornelia Schoenwald, die vielen in Erkrath mit ihren Fotografien schon lange bekannt ist, hat zum ersten Mal an der Erk@Art teilgenommen. Umso größer war ihre Überraschung, als Andreas Kuchenbecker, der zuvor betonte „wie sehr er sich freut diese liebgewonne Aufgabe auch in diesem Jahr wieder zu übernehmen“, verkündete, dass der diesjährige Publikumspreis an Cornelia Schoenwald geht. Auch ihre beiden Werke sind auf den ersten Blick nicht als Fotografien zu identifizieren. Großformatig hing das Kaffeegedenkstündstündchen, eine digitale Fotografie, die sie mittels Cyanotypie auf Stoff gebracht hatte, an einer Wand. Etwas kleiner und gerahmt war ihr aus analoger Fotografie in Cyanotypie auf Stoff gebrachtes Werk Am Rhein.

Bei der Preisverleihung fehlten Schoenwald fast die Worte. „Ich bin total geplettet. Vielen Dank für die Stimmung und ihre Stimmen“, sagte sie. Das sie das erste Mal dabei ist und direkt den Publikumspreis erhalten habe, sei genial. „Dabei sind hier so viele tolle Werke“, bemerkte sie bescheiden.

Lutz Strenger. Foto: Gabi Gründker

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage der Erk@Art auch in diesem Jahr wieder von Lutz Strenger.

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