Entwicklung der neuen Stadt Hochdahl

von Ria Garcia

Hans Joachim Dietz und Winfried Steiling sind die Autoren des neuesten Bandes Niederbergische Geschichte. Foto: Ria Garcia

Im neuesten Band (15) Niederbergische Geschichte des BGV haben Hans-Joachim Dietz und Winfried Steiling die Geschichte der Entwicklungsgesellschaft Hochdahl (EGH) aufgearbeitet und kompakt beschrieben, wie das neue Hochdahl entstand.

Frisch gedruckt liegt der Band 15 Niederbergische Geschichte des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) Abt. Erkrath vor. Dieses Mal geht es um nicht ganz so weit zurückliegende Geschichte, die aber nicht minder spannend ist. Sah man für die neue Stadt Hochdahl, die am Reißbrett geplant, vor allem die Großstadt Düsseldorf entlasten und neuen Wohnraum um Umland schaffen sollte, 1960 etwa 25.000 Einwohner vor, dachte man 1971 zeitweise sogar über 50.000 Einwohner nach. Dazu kam es dann glücklicher Weise nicht, was teils auch dem Widerstand der Bevölkerung geschuldet war.

Dietz und Steiling haben die Geschichte der EGH und die handelnden Personen erfasst und geben Einblicke in die Planungsabläufe der damaligen Zeit. Beginnend bei der kommunalen Arbeitsgemeinschaft der Stadt Düsseldorf und des Kreises Düsseldorf Mettmann, die die Grundzüge des Gesellschaftsvertrags der Entwicklungsgesellschaft Hochdahl erarbeitete, über die Gründung Ende 1960 bis hin zur Auflösung 1998 haben sie Abläufe aufgegriffen. Zum Start der EGH gehörte Hochdahl noch zum Amt Gruiten. Erst mit der Gemeindereform 1975 wurde der Stadtteil zu Erkrath eingemeindet.

Wären in der Zeit des Bestehens der EGH alle Überlegungen umgesetzt worden, gäbe es heute einen der schönsten Orte nicht mehr: Bruchhausen und das Naturschutzzentrum. Andere Orte, wie der Namensgeber des Stadtteils, der Hochdahler Hof, fielen den Planungen zum Opfer. Auch viele andere Höfe sind heute teils nur noch namentlich präsent, weil Straßen nach ihnen benannt wurden. Was die Planer von damals erstaunliches leisteten und welchen Herausforderungen sie dabei begegneten ist Inhalt des Buchs.

Land NRW war wesentlicher Impulsgeber

Düsseldorf plante vor Gründung der EGH wegen akuter Wohnraumnot in der Stadt eigentlich das ihr gehörende Grundstück ‚In der Elb‘ in Hilden zu bebauen, aber in Hilden regte sich erheblicher Widerstand. So kam es schließlich zur Zusammenarbeit mit dem Kreis Düsseldorf Mettmann und der Unterstützung der EGH. Dass es überhaupt zu Überlegungen kam solch große Bauvorhaben anzugehen, war der Nachkriegszeit geschuldet. Düsseldorf erlebte, selbst durch den Krieg stark zerstört, eine starke Zuwanderung von Vertriebenen und Flüchtlingen, vor allem aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Es fehlte an Unterkünften, Arbeitsplätzen und Versorgungseinrichtungen.

„Es gibt weitere Städte aus dieser Zeit, die am Reißbrett entworfen wurden“, berichtet Winfried Steiling, der einst in Warendorf zur Schule ging und im Rahmen des Fachunterrichts Städteplanung damals Wulfen (Stadtteil von Dorsten) besuchte. Auch Sennestadt sei so entstanden. Ganz so weit müsse man aber gar nicht gehen, denn auch Garath wurde am Reißbrett geplant. Eine Besonderheit in Hochdahl sei aber, dass es ‚untouched‘ ist, dass viel Natur erhalten wurde. Als die EGH 1960 gegründet wurde, habe eine wahre Planungseuphorie geherrscht und dennoch hätten die Planer vieles – aus heutiger Sicht – richtig gemacht. Hochdahl, das damals (wie heute) im Zentrum von Verdichtungsstädte wie Düsseldorf, Wuppertal oder Leverkusen lag, bot viel Raum für Planungen.

Bei den Recherchen zum Buch haben Dietz und Steiling als Quelle auch auf die Publikation von Jochen Kuhn „Entwicklungsmaßnahme Neue Stadt Hochdahl – Beispiel oder Modell“ des Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen zurückgegriffen und konnten so viele Details ermitteln.

Große Herausforderungen – große Ideen

Die Verantwortlichen dachten damals groß. „Das Hochdahlhaus wurde als Sitz der EGH gebaut“, weiß Hans Joachim Dietz. Bei den Recherchen hatte ihn besonders beeindruckt, welche Herausforderungen die Planer damals meistern mussten. Das Hochdahlhaus wurde 1972 fertiggestellt. Zuvor war die EGH in Düsseldorf und später mit einer kleineren Einheit in Hochdahl in einem Einfamilienhaus angesiedelt, bevor sie ins Hochdahlhaus einzog. Nach dem Ende der EGH erlebte das Hochdahlhaus immer wieder neue Nutzungsideen. „Bevor sie später ins Bürgerhaus zog, war die Bücherei dort ansässig. Auch eine Nutzung durch Gastronomie war vorgesehen“, berichtet Hans Joachim Dietz. Heute gehört das Hochdahlhaus zu den Verwaltungsgebäuden der Stadt und beherbergt neben dem Fachbereich Digitalisierung · IT, den Psychologischen Dienst, die Außenstelle des Kreises Mettmann und die Polizei.

Die Topografie von Hochdahl war für die damaligen Planer in Bezug auf die Wasserversorgung und den Abwassertransport eine Herausforderung. Überhaupt musste im Vorfeld die gesamte Infrastruktur angefangen von der Wasserver-und entsorgung, Wärmeversorgung über Kitas und Schulen hin zur Verkehrsanbindung gerechnet auf die geplanten Einwohnerzahlen geplant werden. „Deshalb sind einige Straßen, beispielsweise die Bergische Allee oder die Haanerstraße so großzügig ausgefallen“, erklärt Dietz. Die Fernwärme hat schon damals die Gemüter erregt. Ein Bild des Autokorso als Protest gegen die Fernwärmepreise erinnert daran. Und ein Detail der damaligen Planungen lässt Dietz dann schmunzeln, denn der Stadtweiher sei seinerzeit ‚illegal‘ angelegt worden. Aufgefallen ist das in den letzten Jahren und mit der Neugestaltung des Geländes ist inzwischen auch die ‚Leglisierung‘ durch die untere Wasserschutzbehörde erfolgt.

Aber auch viele Gebäude der ’neuen Stadt‘ bieten viel Interessantes. Ein Übersichtskarte im vorderen Teil des Buchs führt wichtige Bauwerke auf. Neben der Heilig-Geist-Kirche, die Architekt Gottfried Böhm entwarf, gebe es viele weitere Gebäude, die mehr als einen Blick verdienten. Dafür, dass rund um den Stadtweiher nicht die ursprünglich doppelt so hohe Zahl an Hochhäusern entstand, dürften die Hochdahler heute eher dankbar sein.

Wer sich für die Entwicklungsgeschichte von Hochdahl interessiert, für den dürfte das Buch „Die Entwicklungsgesellschaft Hochdahl (EGH) – das neue Hochdahl entsteht“ (Band 15 Niederbergische Geschichte) eine Fundgrube an Informtion sein. Erhältlich ist das Buch in der Thalia Buchhandlung am Hochdahler Markt, im Museumsshop und im Bahnladen des Lokschuppens für 15 Euro.

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