Ein Abend voller Emotionen und mit südafrikanischem Flair

Theater Anderswo

Beate Sarrazin nach der Aufführung. Foto: Theater Anderswo

Beate Sarrazin im Café 28, Forum Sandheide

„Vor langer Zeit stand im Westen von Johannesburg eine Stadt, eine wundervolle Stadt, und die hieß Sophiatown.“ Dort, in dem südafrikanischen Township, spielte sich eine berührende Geschichte ab, die Beate Sarrazin in dem von ihr inszenierten Stück „Eine afrikanische Tragödie“ am Freitag den 14. November im Café 28 des Forums Sandheide zum Leben erweckte. Durch eine Geschichte des südafrikanischen Autors Can Themba wurde Beate Sarrazin inspiriert und hat daraus ein Theaterstück gemacht.

Zu Beginn kommt sie als Erzählerin auf die Bühne, mit einem Tagebuch und einem Koffer voller Geschichten, die sie von einer großen Reise mitbringt. Die Geschichten rufen die „bittersüße Vergangenheit unseres (südafrikanischen) Landes wach, seine Gegenwart, sein Heute aus jener Zeit.“

Und aus dem Koffer tauchen zwei Puppen auf, das Paar Philemon und Matilda, die Protagonisten der Geschichte. Auf berührende Weise und mit vielen kleinen Facetten stellt Beate Sarrazin mit Hilfe der Puppen in einer Frühstücksszene die Zärtlichkeit zwischen den Liebenden dar. „So viel Liebe, so viel Liebe“, meinte die Zuschauerin Patty S., „in diesem besonderen Spiel!“

Die Puppen verwandeln sich später in lebendige Personen. Auf dem Weg zur Arbeit trifft Philemon Maphikela, ein besonderes Original, von Beate Sarrazin auf humorvolle und lebendige Art dargestellt, teilweise auch mit lustiger Pantomime. „Vielen Dank“, so die Zuschauerin Gudrun G, „für den bildhaften Ausflug in die südafrikanische Welt des Townships und seiner Bewohner.“ Maphikela kennt alle Klatschgeschichten, die sich im Township ereignet haben, und er gibt sie gerne weiter. Und er prahlt: „Meine Mutter hatte große Brüste, wie Wassermelonen, schön saftig. Sie hat nicht nur mich gestillt, sondern das ganze Dorf!“

Durch ihn erfährt Philemon, dass seine Frau einen Liebhaber hat. Seine Fassungslosigkeit und sein Entsetzen, von Beate Sarrazin überzeugend dargestellt, werden offensichtlich, als er mit dem Bus nach Hause zurückfährt und wie benommen scheint. „Es war nicht wie die Explosion einer alles vernichtenden Bombe, es war vielmehr wie der unaufhaltsame Abstieg in einen unendlichen heiklen Mechanismus…“ – Die Atmosphäre wird unterschwellig bedrohlich, als Philemon, nach Hause zurück gekehrt, sich suchend umblickt. Der Liebhaber seiner Frau flieht, spärlich bekleidet, aus dem Fenster und hinterlässt seinen Anzug.

„Eines Tages wurde Philemon von einer seiner dunklen Absichten ergriffen“. Und, indem der Anzug auf eine absurde und für Matilda demütigende Weise als „Gast“ im Hause das Alltagsleben der Beiden begleitet, übt Philemon, zutiefst verletzt, eine besondere sadistische Rache, die ihresgleichen nicht hat. Zwischendrin ist durch Beate Sarrazins facettenreiches Spiel immer wieder auch seine innere Zerrissenheit spürbar: er liebt seine Frau noch immer, aber der Wunsch nach Rache ist stärker. „Packende Charaktere, so gefühlvoll gespielt.“(Heidrun R.)

Matilda, noch ein junges Mädchen, naiv, ehemalige Sängerin, ist den Tränen nahe, als sie sich in einem kleinen Monolog, der etwas von einer Beichte hat, an das Publikum wendet und schildert, wie sie von „etwas anderem“ träumte. Es entbehrt nicht der Komik, wenn sie immer wieder einen sehnsuchtsvollen Blick auf den Anzug wirft, wie auf einen verbotenen Apfel. Und schließlich beginnt sie innig mit dem Anzug zu tanzen… 

Die Zuschauer verfolgten gebannt Beate Sarrazins Darstellung. „Ein großartig authentisches Spiel“, meinte zum Beispiel Wolfgang R.

Als Philemon mit seiner Rache immer weiter geht und durch groteske Inszenierungen mit Hilfe des Anzugs seine Frau auch in der Öffentlichkeit demütigt, da kämpft sie zunächst, sucht mit ihrem ganzen Herzen nach Auswegen, und schließlich… kommt es zur Katastrophe. Und Philemons Reue kommt zu spät!

Die Vorstellung war gut besucht, und die Zuschauerinnen und Zuschauer waren begeistert. Sie blieben danach, offensichtlich ergriffen, noch lange auf ihren Plätzen. „Ein ergreifend gespieltes Theaterstück“, so Patricia S., „skurril, witzig und tragisch. Ein Abend voller Emotionen.“

Und eine Zuschauerin kommentierte auf sehr poetische Weise: „Liebe Beate, herzlichste Gratulation zu dem wunderbaren Theaterstück mit der ganzen Faszination, die meine Augen leuchten ließ und noch lässt. Deine Seele steckt in jedem Moment…Deine Freundin Pat“

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