
Am vergangenen Mittwoch erlebten die Zuschauer in der Stadthalle Erkrath eine ganz besondere Aufführung des Stücks „Der erste letzte Tag“, geschrieben von dem renommierten Autor Sebastian Fitzek.
Bekannt für seine spannungsgeladenen Thriller, zeigte Fitzek in diesem Werk eine andere Facette seines Schaffens: sensible Psychologie ohne Mord und Totschlag. Leider fanden nur knapp 300 Zuschauer den Weg zu dieser emotionalen Darbietung, die sowohl unterhaltsam als auch nachdenklich stimmend war.
Die beiden Hauptdarsteller, Carolin Freund und Thomas Jansen, brillierten in ihren Rollen als Lea von Armin und Livius Reimer. Unterstützt wurden sie von den talentierten Schauspielern Katarina Schmidt und Thomas Krutmann, die alle weiteren Charaktere mit Bravour verkörperten. Die gesamte Schauspielercrew präsentierte sich als wahres Ensemble par excellence.
Am Münchner Flughafen treffen zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können zusammen. Lea von Armin, ein etwas durchgeknalltes Mädel und Livius Reimer, ein angepasster Lehrer und angehender Vater, der trotz der Tatsache, dass seine Frau Yvonne ihn betrogen hat, seine Ehe retten will. Ein fälschlicherweise als Komödie angekündigtes Theaterstück entwickelte sich im Laufe der Zeit als anspruchsvolles Schauspiel. Die Zuschauer wurden im ersten Teil durch falsch interpretierte Telefonate zwischen Lea und ihrer Schwester in dem Glauben gehalten, dass das Lebenslicht von Leas Vater dem Ende zugeht. Mit zunehmender Dauer aber wurde den Zuschauern klar, dass Lea todkrank ist und ihr Vater, ein berühmter Chirurg, sie operieren will. Auf der Fahrt nach Hamburg fallen Lea viele Kapriolen ein, die ihrem Leben Sinn geben sollen.
In einem Altersheim bittet Lea eine wildfremde Greisin um Verzeihung, Livius interpretiert das fälschlicherweise als Enkeltrick, so wird es auch von den Mitarbeitern des Altenstifts gedeutet und beide werden zur Flucht gezwungen. An einer Raststätte tauscht Lea, um einem Dutzend Schweine das Leben zu retten, den nagelneuen Mietwagen gegen eine rostige Klapperkiste ein, mit der sie dann die Reise fortsetzen müssen. In einem Leipziger Luxushotel quartieren die beiden eine Gruppe Obdachloser ein, wofür Livius seine kompletten Ersparnisse hergibt. Schließlich will er auch er nicht an Morgen denken und einfach mal spontan sein. Ein humorvoller Höhepunkt war die unkonventionelle Massagemethode eines tschetschenischen Wellness-Gurus, die für einige Lacher sorgte. Ein weiteres amüsantes Moment war das unerwartete Treffen mit Leas Ehemann in einer Hamburger Pizzeria, der alles andere als erfreut war, seine Braut nach ihrer Flucht während der Trauung, wiederzusehen.
Und als ob das alles nicht schon turbulent genug wäre, befördert das Smartphone immer dann diskreditierende Reiseimpressionen zu Yvonne, wenn es am ungünstigsten scheint – nur wenige Stunden, bevor die Eheberatung beginnen soll. Grundtenor: Erlebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre. Gib deinem Leben nicht Tage, sondern deinen Tagen Leben.
Das Stück hatte eine unvorhergesehene Wendung und die Zuschauer sahen die Welt mit anderen Augen. Die Schlussszene zeigte Lea und Livius, Lea schon sehr von Ihrer Krankheit gezeichnet, die die Spontanidee hatten zu einem Kaffee nach Barcelona zu fahren.
Eine berührende Geschichte um Wahrheit, Überwindung, Liebe und Freundschaft mit liebenswerten Charakteren und schrägem Humor. Das Stück hinterließ bei so manchem Zuschauer den Gedanken, was man aus dem eigenen Leben eigentlich macht.
Kulturpause im Foyer der Stadthalle
Nach längerer Pause gab es wieder eine Kulturpause im Foyer des Stadthalle. Zum zweiten Mal nach Oktober 2024 präsentierte der Förderverein MS-Treff Erkrath die Künstlerin Alice Lohr im Foyer der Stadthalle mit ihren Werken. Lohr hat zurzeit gleichzeitig eine Dauerausstellung in der Deutschen Bank in Mettmann, wo man ihre Werke betrachten kann. Für die Theaterbesucher sind die Pop-up-Ausstellungen der Kulturpause eine willkommene Abwechslung in den Pausen, die die Gelegenheit bieten mit den jeweiligen Künstlern ins Gespräch zu kommen und ausgesuchte Werke intensiver zu betrachten.
Vita Alice Lohr
Alice Lohr ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt seit 2002 in Mettmann. „Kreativ war ich schon immer“, sagt sie von sich. Sie zeichnete Fachwerkhäuser, beschäftigte sich mit Seidenmalerei, Patchwork und Collagen, bis sie über einen Workshop zu Ausdrucksmalerei während eines Frauenwochenendes 2010 in Obernhof/Lahn zur Acrylmalerei fand. „Seither nehme ich immer wieder an Workshops und Malschulen teil. Ich liebe kräftige Farben.“ Ihren Bildern gebe sie gerne plastische Strukturen. Dafür kombiniere sie unterschiedliche Materialien wie Papier, Wellpappe oder getrocknete Blüten miteinander, sodass Acryl-Collagen entstehen. „Inzwischen nehme ich oft interessante Fotomotive als Anregung und male immer gegenständlicher“, beschreibt sie ihre persönliche Entwicklung.
Bisherige Ausstellungen
2017 Carpe Diem, Mettmann
2017 Rathaus Mettmann
2018 Café Einblick, ev. Kirchencafé Mettmann
2019 Agaplesion Bethesda, Seniorenzentrum Wuppertal
2019 Kreissparkasse Mettmann, Stübbenhauser Straße
Dauerausstellung in der Deutschen Bank Mettmann
Am Freitag, den 04.04.25 werden die Zuschauer eine Kabarettveranstaltung mit Wilfried Schmickler und seinem neuen Programm „Herr Schmickler bitte!“ erwarten. | Am Mittwoch, den 09.04.2025 gibt es die Feel-Good-Komödie „Willkommen im Hotel Mama“ nach dem Buch von Hector und dem gleichnamigen Erfolgsfilm. Darsteller unter Anderem Kerstin Fernström, Anja Klawun, Eva Wittenzellner, Andreas Joachim Hertel. | Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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