Der Blues muss aus dem Bauch kommen

von Ria Garcia

Nicole Walther-Frütel (Kreissparkasse Düsseldorf), Alexandra Helle (Abteilung Kultur), Dr. Helmut Stein (Künstlerischer Leiter) und Gottfriedbander (Lokschuppen) im Innenhof des Lokschuppens. Foto: Ria Garcia

Heute beginnt der Vorverkauf der Tickets für den Erkrather Jazzsommer. Für die Auswahl der Interpreten hat Dr. Helmut Stein, künstlerischer Leiter des Jazzsommers, klare Maßstäbe.

Auch der 28. Erkrather Jazzsommer bietet drei Veranstaltungen, von denen eine – wie einst unter der Leitung von Jacky Müller – dem klassischen Dixieland gewidmet ist. Seit Dr. Helmut Stein nach dem Tod von Jacky Müller die künstlerische Leitung übernommen hat, hat sich der Jazzsommer insgesamt jedoch verjüngt und bietet auch modernere Jazzrichtungen. Und noch eine Neuerung gibt es seit dem 25. Jubiläum: Statt wie ursprünglich an drei Sonntagen als Matinee gibt es inzwischen eine Soiree an einem Freitag. Im Jubiläumsjahr hatte es zusätzlich eine tanzbare Abendvorstellung gegeben, die so gut ankam, dass es zu dieser Änderung kam. Damit konzentriert sich der Jazzsommer auf zwei, statt auf drei Wochenenden.

„Seit fast drei Jahrzehnten gehört der Jazzsommer zu den Highlights des örtlichen Kulturkalenders“, erklärte Helmut Messerich bei der Präsentation des diesjährigen Programms. Besucher kämen nicht allein aus Erkrath, sie kämen teilweise aus ganz NRW. Er dankte Gottfried Bander dafür, dass der Jazzsommer jedes Jahr im Lokschuppen stattfinden kann. Seinen Dank sprach er aus der Kreissparkasse aus, die den Jazzsommer jährlich unterstützt, sowie dem Kulturförderverein Fönek und der Reinhold Pose Stiftung, die ebenfalls unterstützen. Mit an Bord ist auch in diesem Jahr wieder das Team von Hopmans Olive, die für das leibliche Wohl der Besucher sorgen.

Der Eintritt kostet in diesem Jahr 17 Euro und liegt damit immer noch unter dem Preis vergleichbarer Veranstaltungen. Dr. Helmut Stein erinnerte an „den Kampf“, die Eintrittspreise anzupassen, denn als er vor einigen Jahren die künstlerische Leitung übernahm, lag dieser bei 8 Euro. „Entweder man findet Bands, die man für 8 Euro Eintrittspreis einkaufen kann und dann ist das ein bisschen ‚Rauschen im Hintergrund‘ oder man findet bessere, leuchtturmmäßige Bands, aber die kriegt man nicht für das Geld“, beschrieb er das ursprüngliche Dilemma. Er ist dankbar, dass man sich inzwischen auf einen höheren Eintrittspreis verständigen konnte. Dieser ist allerdings in diesem Jahr noch einmal von 15 auf 17 Euro angehoben worden. „Das ist der finanziellen Situation der Stadt geschuldet“, erklärte Helmut Messerich.

Orgateam Erkrather Jazzsommer 2026 v.l.: Nadja Hopmann (Tafelkunst – Hopmanns Genuss-Catering), Alexandra Helle (Abteilung Kultur), Gottfried Bander (Lokschuppen), Dr. Helmut Stein (künstlerische Leitung), Nicole Walther-Frütel (Kreissparkasse Düsseldorf) und Helmut Messerich (Abteilungsleiter Kultur). 
Foto: Ria Garcia
Bereit für den Jazzsommer 2026. V.l.: Nadja Hopmann (Tafelkunst – Hopmanns Genuss-Catering), Alexandra Helle (Abteilung Kultur), Gottfried Bander (Lokschuppen), Dr. Helmut Stein (künstlerische Leitung), Nicole Walther-Frütel (Kreissparkasse Düsseldorf) und Helmut Messerich (Abteilungsleiter Kultur).
Foto: Ria Garcia

Zum Auftakt gibt es wieder Blues

Der erste Termin des Jazzsommers, in diesem Jahr ist das der 9. August 2026, gehört wieder dem Blues und bei dem legt Dr. Helmut Stein dann in gewisser Weise Wert auf Klassik. „Der Blues ist in den Südstaaten Amerikas auf den Baumwollfeldern entstanden“, erklärte Stein die Ursprünge. Damals sei es eigentlich nur Gesang gewesen, eine Art Volksmusik in der Geschichten erzählt wurden. Elemente des Blues, die Bluesharmonie, fände man auch in der Popmusik. Blues sei sozusagen das Fundament, weshalb er den Blues auch für den ersten Tag des Jazzsommers ausgewählt habe.

Bei der Wahl der Interpreten legt Stein Wert darauf, dass sie authentisch sind. „Am besten farbige Amerikaner, die ihre Wurzeln noch dort haben“, erklärt er. Es sei aber immer schwieriger solche Künstler zu finden. Nur wenige von ihnen leben in Europa. Bisher ist es Stein immer gelungen Künstler auszuwählen, die das Publikum mitreißen. „Blues muss aus dem Bauch kommen“, fasst er seine Auswahlkriterien in Worte. „Schon nach vier Takten weiß ich, dass ist es nicht. Der Künstler hat kein Bauchgefühl“, beschreibt er die Suche.

Erkrather Jazzsommer 2026 | Larry "Doc" Watkins. Foto: Guido Jünger
Foto: © Guido Jünger

Dass es „das ist“, traf in diesem Jahr auf Larry „Doc“ Watkins zu. Der lebt zwar seit 30 Jahren in Deutschland, stammt aber ursprünglich aus Virginia und bringt das ursprüngliche, den Rhytmus, der aus dem Bauch kommt, noch mit. Begleitet wird der Bluessänger von den Bluescats aus Köln, die als Begleitband nicht zum ersten Mal mit auf der Bühne im Lokschuppen stehen. Der Künstler dessen Markenzeichen bei Auftritten Hut, Sonnenbrille und ein geschnitzer Holzstock sind, überzeugt und lässt das Publikum emotional schnell mit in den Blues eintauchen und die Band – so Helmut Stein – müsse richtig „fetzen“.

Larry „Doc“ Watkins & Bluescats | 9. August 2026 um 11 Uhr | Lokschuppen Hochdahl | Eintritt 17 Euro

Rockabilly zur Soiree

Erkrather Jazzsommer 2026 | The Silverrettes. Foto: Manfred Pollert
Foto: © Manfred Pollert

Mit den Silverettes hat Dr. Helmut Stein den Sexeappeal der Fünfziger Jahre nach Hochdahl geholt. Die drei Powerfrauen mit „Quotenmann“, wie Stein den Gitarristen bezeichnet, dürften noch einmal ein ganz anderes Publikum in den Lokschuppen ziehen. Am Abend zur zweiten Veranstaltung des Jazzsommers, darf auch getanzt werden und dafür wird im Lokschuppen etwas mehr Platz eingeräumt.

Mit der Soiree versucht Helmut Stein den engen Rahmen der Jazzdefinition zu sprengen. Nach Boogie Woogie, Gipsy Jazz und Bossa Nova hat er dafür in diesem Jahr Rockabilly ausgewählt. The Silverettes haben die großen Frauengruppen der 50er Jahre zum Vorbild und stellen das auch optisch dar. „Die sind auf der Bühne super gut drauf“, so Stein. Die drei bieten eine unverkennbare Mischung aus klassichem Rockabilly-Sound, modernem Rock´n´Roll und eine Prise Pop.

The Silverettes | 14. August 2026 um 19 Uhr | Lokschuppen Hochdahl | Eintritt 17 Euro

Zum Abschluss des Jazzsommers wieder Dixieland

Erkrather Jazzsommer 2026 | Dusty Lane Jazzband. Foto: Dusty Lane Jazzband
Foto: © Dusty Lane Jazzband

Die Fans des klassischen Dixieland kommen auch in diesem Jahr wieder auf Ihre Kosten. Dafür kommt die Band Dusty Lane nach Hochdahl, die 2016 zu Zeiten von Jacky Müller im Lokschuppen aufgetreten sind. Damals noch in etwas anderer Besetzung, denn der Klarinettist ist inzwischen verstorben und neu an Bord ist die Frau des Trompeters als Sängerin. „Das hat der Band noch einmal Frische gegeben“, so Dr. Helmut Stein. Die Band hatte sich bei ihm gemeldet und angefragt, ob sie nicht noch einmal beim Jazzsommer auftreten könnten.

Gegründet wurde Dusty Lane 1960 in Essen und ist damit eine der „dienstältesten“ Jazzbands im Ruhrgebiet. Dusty Lane war regelmäßig in den Jazz-Clubs an Rhein und Ruhr zu Gast. Ihren ganz eigenen Sound entwickelte die B and durch den Pianisten und Arrangeur Hans Peter, der 1965 zur Band stieß. Mit Sängerin Barbara Schirdewahn-Debring erweiterte sich das musikalische Spektrum der Band seit 2022 noch einmal. Neben zahlreichen Konzerten in Deutschland traf man Dusty Lane auch bei renommierten Jazzfestivals im Ausland.

Dusty Lane Jazzband | 16. August 2026 um 11 Uhr | Lokschuppen Hochdahl | Eintritt 17 Euro

Vorverkauf und „reinschnuppern“ bei der Bürgerhauswelle

„Mit einem neuen Ticketsystem ist der Ticketkauf in diesem Jahr auch online möglich“, kündigte Alexandra Helle von der Kulturabteilung der Stadt Erkrath bei der Programmvorstellung an. Für die gebohrene Hochdahlerin ist es der zweite Jazzsommer, den sie mitorganisiert.

Der Ticketverkauf beginnt heute (16. Juni 2026). Kartenreservierungen und Vorverkauf sind weiterhin auch telefonisch (Tel. 0211 2407-4009 – montags bis freitags 9 bis 12 Uhr) oder per E-Mail (kultur@erkrath.de) möglich, können aber auch direkt im Ticketshop der Stadt Erkrath (tickets.erkrath.de) erworben werden.

Am 28. Juli 2026 von 20 bis 21 Uhr widmet sich ein Beitrag der Bürgerhauswelle dem diesjährigen Jazzsommer. „Eventuell wird ein Bandmitglied von Dusty Lane dabei sein“, kündigt Dr. Helmut Stein an. Für Zuhörer der Sendung bietet sich eine gute Gelegenheit rund eineinhalbwochen vor Beginn des Jazzsommers in die Musik hereinzuhören und Hintergründe zu erfahren. „Beim Jazzsommer wollen wir die Leute in Bewegung bringen, emotional wie auch körperlich“, so Stein. Das verbinde alle drei Konzerte. Es sei eine fröhliche Musik. Unter Finanzierungsvorbehalt habe er bereits einen Künstler für die Eröffnungsveranstaltung 2027 gebucht, ließ er außerdem durchsickern. Wer das sein wird, wird er aber wohl nicht schon jetzt verraten.

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