Das Ende der kostenlosen Bürgertests?

von Ria Garcia und Anita Koopmann

Foto: Thomas G. / Pixabay

Am 30. Juni 2022 tritt die aktuelle Corona-Testverordnung des Bundes, die zuletzt am 30. März geändert wurde, endgültig außer Kraft.

Die Nachfrage nach kostenlose Bürgertests an den verschiedenen Testzentren ist mit den nach und nach eingetretenen Lockerungen gesunken. Inzwischen ist selbst die Maskenpflicht, bis auf Ausnahmen, gefallen. Offiziell sind die Fallzahlen und Inzidenzen deutlich gesunken.

Trügerische Sicherheit

Mittlerweile veröffentlicht der Kreis Mettmann die Inzidenzen nur noch einmal in der Woche, jeweils am Mittwoch. Die 7-Tage Inzidenz liegt bei etwa 250. Dennoch: Kaum jemand, der nicht gerade jemanden kennt, der infiziert ist. Aber nicht alle machen einen PCR-Test und nur positive PCR-Tests fließen in die Berechnung der Inzidenzen ein. ‘Eigenverantwortung’ ist das Schlagwort dieser Zeit.

Innerhalb weniger Wochen hat sich das Bild im Einzelhandel deutlich gewandelt. Kurz nach Wegfall der Maskenpflicht waren noch gut die Hälfte der Kunden beim Einkaufen mit einer Schutzmaske unterwegs. In den letzten Tagen sind es ‘gefühlt’ allenfalls noch 10 Prozent und das betrifft alle Altersgruppen. Auch die Gruppe der Ü80-jährigen hat sich scheinbar inzwischen weitestgehend von der Maske befreit.

Wer einen Besuch im Altenheim, Krankenhaus oder auch privat bei einem Menschen plant, der als ‘gefährdet’ gilt, kann aktuell noch einen kostenlosen Bürgertest machen.

Stichwort ‘Eigenverantwortung’ und Fallzahlen

“Ich bin Freiberufler. Eine Krankschreibung benötige ich nicht und so habe ich mich, als klar war, dass ich positiv bin, zu Hause ins Bett gelegt und die Corona-Infektion auskuriert”, erzählt uns ein Leser, der kürzlich infiziert war. Die Infektion hatte sich mit heftigen ‘Erkältungssymptomen’ geäußert. Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen. Er hat sich an die Quarantäneverordnung gehalten, um niemanden anzustecken, aber sonst ist sein Fall wahrscheinlich in keine Berechnung eingeflossen, denn eine PCR-Testung gab es nicht.

Wir haben einen weiteren kürzlich Infizierten gesprochen. Seit Beginn der Pandemie arbeitet er überwiegend für seinen Arbeitgeber im Homeoffice. Nachdem ihn Fieber und heftige Erkältungssymptome plagten und der Schnelltest positiv ausfiel, wandte er sich an die Infektionssprechstunde seines Hausarztes, ließ sich krankschreiben und begab er sich in die Quarantäne. Auch er hatte keinen PCR-Test gemacht und so wirkte sich auch diese Infektion – wie wahrscheinlich viele andere mehr – nicht auf die 7-Tage-Inzidenz aus.

“Wir führen immer noch 50 bis 60 PCR-Tests in den Testzentren des Kreises durch. Die Tests mobiler Testteams kommen noch hinzu. Auch Reihenbeprobungen werden weiterhin durchgeführt, wenn es zu einem Ausbruch in einer Einrichtung kam”, berichtet uns Katharina Krause von der Pressestelle des Kreises. Die PCR-Tests durch das Gesundheitsamt des Kreises stehen also weiterhin zur Verfügung. Ein ‘Abbild der tatsächlichen Situation’ dürfte die 7-Tage-Inzidenz inzwischen, schaut man auf unsere beiden Beispiele, dennoch nicht mehr sein. Wir alle können nur darauf vertrauen, dass Infizierte sich so verhalten, wie unsere beiden Leser. Denn wie hoch die wirklichen Fallzahlen aktuell sind und welchem Risiko wir uns aussetzen, erfahren wir vermutlich nicht mehr und da gibt uns doch wenigstens die Testmöglichkeit in den Testzentren ‘ein klein wenig Sicherheit’. Aber wie lange noch?

Das Aus für die Testzentren?

Noch sind die Testmöglichkeiten im Kreis Mettmann zahlreich vertreten, sei es über den Hausarzt, die Apotheken oder die aufgebauten Testzentren. Letztere stehen immer noch auf öffentlichen Plätzen bereit, um Antigen-Schnelltest (kostenlose Bürgertests) und PCR Tests (kostenpflichtig) durchzuführen. Der Kreis Mettmann betreibt zusätzliche Teststellen für PCR-Testungen. Aber wie lange werden diese Angebote noch aufrecht erhalten bleiben?

Bereits Anfang des Monats Mai besuchte unsere Redaktion erkrath.jetzt die lokalen Testzentren. „Der Zufluss der Leute, die sich testen lassen, hat deutlich nachgelassen. Anfangs besuchten uns rund 400 Bürger, mittlerweile nur noch die Hälfte“, sagte uns die Leiterin des lokalen Testzentrums bei unserem Besuch. Die SMB Consulting GmbH betreibt sechs weitere Zentren in Düsseldorf. Anfang Mai hieß es die Teststationen bleiben bis auf Weiteres für Bürger kostenlos im Angebot.

Ein weiteres Testzentrum befand sich am Gerberplatz. „Es werden höchstwahrscheinlich ab Ende Mai weniger Bürger erscheinen, jedoch bleibt auch hier das Testzentrum vorerst weiter zugänglich. Eine genaue Anzahl der täglichen Tests wird aufgrund des Wettbewerbs weiterer Anbieter nicht bekanntgegeben. Die Statistik zur Besucheranzahl wird automatisch über die Software an die verantwortliche Stelle weitergeleitet“, sagte uns der Verantwortliche. Inzwischen ist die Teststation am Gerberplatz geschlossen und das Statement des Verantwortlichen hat sich damit offensichtlich überholt.

Neue Jobs in der Pandemie

Die Vorteile, die sich aus der weltweiten Corona-Pandemie ergaben, waren der Zuwachs an Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit der Pandemie. Während im Lockdown Nebenjobs in der Gastronomie wegbrachen, entstanden neue in den Testzentren. Vor Arbeitsantritt erfolgte eine Schulung, die die Mitarbeiter zum/zur TesterIn qualifizierte. Möglicher Weise wandelt sich dieser Wechsel nun wieder und die Gastronomie, die vieler Orts händeringend Personal sucht, findet wieder neue Mitarbeiter.

Bürgertests nur noch bis Ende Juni?

Mit der zweiten Verordnung zur Änderung der Coronavirus-Testverordnung vom 29. März 2022 beschloss die Bundesregierung eine Verlängerung der Gültigkeit bis zum 30. Juni 2022. Dann soll die Verordnung endgültig auslaufen. In der Test- und Quarantäneverordnung des Landes NRW in der Fassung vom 4. Mai 2022 ist nachzulesen, das diese mit Ablauf des 3. Juni 2022, also heute, außer Kraft tritt.

Und was geschieht nun mit den Teststellen? Schließen alle Angebote? Das wollten wir vor einigen Tagen bei der Pressestelle des Kreises Mettmann erfragen. Dort ging man erst einmal davon aus, dass es eine neue Verordnung geben wird, aber noch ist nichts dazu bekannt. Wie wir inzwischen feststellen konnten, haben erste Testcenter bereits die Konsequenz gezogen. So haben offensichtlich die Teststellen am Gerberplatz und in der Bahnstraße 50 geschlossen. Vermutlich werden weitere folgen.

Die Frage, ob das nun das endgültige Aus für Bürgertestungen ist, haben wir an Bund und Land gerichtet und können hoffentlich in Kürze dazu berichten.

Ergänzung: Wir erhielten vom Land NRW die Antwort, dass eine Verordnung, die bereits am 4. Mai 2022 verfasst wurde, in der Fortschreibung ab 3. Juni 2022 gilt und vorsieht, dass die Verordnung ab 23. Juni außer Kraft tritt. (Siehe Homepage des Landes NRW.) Vom Bund liegt uns noch keine Antwort vor, sodass weiterhin unklar ist, ob es über den Juni hinaus Teststellen geben wird.

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