Das Beste aus beiden Kulturen

von Ria Garcia

Luis Roberto Arechederra Pacheco (Minister für Wirtschaft und Handel des Bundesstaates Jalisco in Mexico, links im Bild) mit CEO Axel Thiel beim lockeren Gespräch nach dem Mittagessen. Foto: Ria Garcia

Hoher Besuch bei Thiel & Hoche. Für Donnerstag hatte sich kurzfristig der Wirtschaftsminister des mexikanischen Bundesstaats Jalisco, in dem das Unternehmen mit T+H Automotive eine Produktionsstätte betreibt, zu einem Besuch angekündigt.

So kurzfristig der Besuch auch angekündigt war: Die Geschäftsleitung von Thiel & Hoche hat auch der Presse die Möglichkeit gegeben, ein wenig über Jalisco, Mexiko, die Kultur und wirtschaftliche Beziehungen zu erfahren und mit unseren Lesern zu teilen. Wir nehmen unsere Leser also heute mit auf eine kleine Reise mit Wissenswertem und Einblicken in ein Land mit bunter Kultur, dessen Zeichen auf wirtschaftlichem Wachstum stehen und die Aktivitäten eines Erkrather Unternehmens, das global agiert.

Ein Minister hautnah

In entspannter Atmosphäre in der Mahnert Mühle traf man sich zu einem typisch deutschen Gericht zum Mittagessen. Es gab Spargel. Danach gefragt, wie ihm der Spargel geschmeckt hat, antwortete Luis Roberto Arechederra Pacheco, wie der Minister für Wirtschaft und Handel in Jalisco mit vollem Namen heißt: „Der Spargel schmeckt wunderbar.“ Entspannt waren auch die Gespräche in denen es viel um die Kulturen ging, aber natürlich auch um Wirtschaft und Politik und die Niederlassung von Thiel & Hoche in Guadalajara, der Hauptstadt Jaliscos.

Guadalajara – historisch und modern gleichzeitig

Der mexikanische Bundesstaat Jalisco ist heute einer der wohlhabendsten Staaten des Landes. Reich an Bodenschätzen, wie etwa Silber, Gold und Kupfer gibt es vielseitige Industrie. Guadalajara, die Hauptstadt wird auch das „Silicon Valley von Mexiko“ genannt. Seit 2014 wurden mehr als 120 Millionen US-Dollar in Start-Up-Unternehmen investiert. Rund 25 Tsd. Ingenieure arbeiten in der Stadt. Aber auch für Touristen das Jalisco einiges zu bieten. So titelt etwa ein Artikel bei welt.de im Januar: „Jalisco hat einige der schönsten Strände der Welt.

Bodenständige, wirtschaftsnahe Politiker

Ganz unspektakulär waren die mexikanischen Gäste mit den Firmenchefs von Thiel & Hoche in PKWs zum Essen gefahren. Mit dabei: CEO Axel Thiel, CFO Andreas Buchloh und Geschäftsführer aus dem Unternehmen Thiel & Hoche, unter ihnen Mikaîl Rosen und Wilfried Nicklas, letzter verantwortlich für den Produktionsstandort in Mexiko.

Der Minister reiste in Begleitung von Fabiola Berenice Navarro Vallin, die im Bundesstaat Jalisco für Wirtschaftsförderung und Investitionen, zuständig ist. „Politker sind bei uns nicht hochbezahlt. Wir sind in der Economy Class nach Deutschland geflogen“, verriet der bodenständige Minister im Gespräch. Anlass des Deutschlandbesuchs war eigentlich die Hannover Messe, auf der Mexiko sich mit Vertretern aus elf mexikanischen Bundesstaaten präsentierte. „Auf der Messe arbeiten wir alle zusammen für unser Land, um weitere Firmen nach Mexiko einzuladen.“ Luis Arechederra und Fabiola Navarro nutzten die Gelegenheit nach der Messe dann auch noch den Hauptsitz von Thiel & Hoche in Erkrath zu besuchen.

Im Verlauf des Gesprächs erfuhren wir, dass – anders als hier in Deutschland – Minister in Mexiko grundsätzlich erfahrene Leute aus der Wirtschaft sind. Luis Arechederra kommt eigentlich aus dem Investmentbanking, hat lange für die Niederlassung einer kanadischen Bank im „Silicon Valley Mexikos“ gearbeitet, bevor er sich selbstständig machte. Seit November 2021 bekleidet er das Amt des Wirtschaftsministers. „Als Minister bin ich mit einem tollen Team gestartet“, lobt er die gute Zusammenarbeit für das Bundesland Jalisco. Sein Unternehmen ruht indes während der Wahlperiode. Die wirtschaftliche Entwicklung von Jalisco sei vor allem auch der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft zu verdanken. So habe es einen runden Tisch mit Unternehmen wie Intel, IBM und Oracle gegeben, an dem ein gemeinsames Brainstorming die weitere Entwicklung vorangetrieben habe. Automobilzulieferer wie etwa Continental, Bosch, ZF Friedrichshafen, Hella, Mannesmann und weitere hätten heute Produktionsstätten in Mexiko. „Wir sind sehr froh, das die Automotive-Branche in Jalisco investiert. Wir haben die Universitäten und Fachkräfte für die Unternehmen vor Ort.“

Die Landessprache von Mexiko ist Spanisch. Auch das Namensrecht mit seinen zwei Nachnamen folgt den spanischen Namensbräuchen: Frauen behalten bei der Heirat ihren Geburtsnamen. Werden in der Ehe Kinder geboren setzt sich deren Nachname aus dem ersten Nachnamen des Vaters (an erster Stelle) und dem ersten Nachnamen der Mutter (an zweiter Stelle) zusammen. So werden die Namen der jeweiligen Großväter erhalten. Während für behördliche Dinge grundsätzlich der volle Nachname geführt wird, ist der Gebrauch des erstens Nachnamens im Alltag üblich.

China war nie eine Option

„China war für uns nie eine Option, für eine Produktionsstätte im Ausland“, erinnert sich Axel Thiel, Gründer und CEO von Thiel & Hoche, als das Gespräch auf die Produktionsstätte in Guadalajara, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaats Jalisco kommt. „Man muss verstehen, wie die chinesiche Kultur ist“, führt er weiter aus. Der Blick auf die chinesische Kultur habe schließlich dazu geführt, dass man sich gegen eine Produktionsstätte in China entschieden habe.

Der Kontakt zu Mexiko war dann auf der TUBE Messe 2015 geknüpft worden. Für das Unternehmen, das die Automobilindustrie weltweit mit Rohrkomponenten für die Herstellung von Pkw und Lkw beliefert, ist Mexiko, das eine weltoffene Wirtschaftspolitik und geografische Nähe zu den USA bietet, ein strategisch günstiger Standort für eine Produktionsstätte. Kaum zwei Jahre nach dem ersten Kontakt eröffnete T+H Automotive in der Jaliscos Hauptstadt Guadalajara und ist seit dem am mexikanischen Standort noch weiter gewachsen. Ein neuer Industriepark mit guter Infrastruktur und Wilfried Nicklas, der eigens für diese spannende Herausforderung als Geschäftsführer zu Thiel & Hoche zurückgekehrt war, machten die Eröffnung 2017 möglich.

Minister Luis Roberto Arechederra Pacheco (rechts) und Fabiola Berenice Navarro Vallin (Wirtschaftsförderung und Investitionen, l.). Foto: RG
Als Wilfried Nicklas (l.) von den Menschen und der Produktionsstätte in Guadalajara erzählt, hören ihm alle aufmerksam zu. Foto: RG

Mexiko ein Land uns seine Möglichkeiten

Der Titel unseres Artikels „Das Beste aus beiden Kulturen“ ist eigentlich den Berichten von Wilfried Nicklas aus seiner Arbeit entlehnt. Die Produktionsstätte ist in Mexiko das, was vor Jahren in Deutschland noch die Wirtschaft geprägt hat: Ein Familienunternehmen mit hoher Identifikation der Mitarbeiter fürs Unternehmen. Der Mittelständler Thiel & Hoche hat in Guadalajara das erreicht, von dem viele Mittelständler in Deutschland träumen. „In Guadalajara haben wir immer noch das selbe Managementteam, wie zum Start 2017“, erklärt Andreas Buchloh. Die Mitarbeiterbindung ist hoch.

Wenn Wilfried Nicklas, Geschäftsführer für Mexiko, dann von seiner Arbeit erzählt, verstehen wir sofort, warum das so ist. Als er nach Mexiko ging, um die Produktionsstätte aufzubauen, stand er vor einer Herausforderung, die er aus unserer Einschätzung vor allem deshalb so erfolgreich gemeistert hat, weil er Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, schätzt, sich in deren Kultur hineinversetzen kann und es versteht sie zusammenzubringen und Teams zu bilden. „Man muss die Kultur und das Leben der Menschen vor Ort verstehen“, sagte er. Schnell hat er das Organisationstalent der Mexikaner erkannt.

In der Zusammenarbeit hat er von Anfang an versucht das Beste aus der mexikanischen und der deutschen Kultur im Unternehmen zusammenzuführen. „Manchmal sind die Mitarbeiter in Guadalajara deutscher als wir“, schmunzelte er im Gespräch. Aber das war gar nicht das, was er angestrebt hat. T+H Automotive hat sich nicht nur um die eingestellten Mitarbeiter gekümmert, sondern auch darum, dass es ihren Familien gut geht, sie in vernünftigen Wohnungen leben. „Wir haben auch junge, schwangere Frauen eingestellt, die sitzengelassen wurden, was in Mexiko relativ häufig vorkommt“, erzählte er. Die habe man eingearbeitet und ‚on the job‘ ausgebildet. Heute arbeiten sie nicht nur in der Produktion, sondern auch im kaufmännischen Bereich. „Wir haben ihnen eine bisher nicht gekannte Struktur in ihrem Leben gegeben“, erzählte Nicklas.

Für Minister Luis Arechederra, seine Mitstreiterin Fabiola Navarro und das Managementteam von Thiel&Hoche war es Zeit zum nächsten Termin zu eilen. Wir blieben mit vielen neu gewonnenen Eindrücken zurück und hoffen sie für unsere Leser ‚greifbar‘ wiedergegeben zu haben.

Bunt, schön und vielfältig: Mexiko

Für alle die, deren Interesse weniger der Wirtschaft und der Politik gilt, hier noch ein paar Eindrücke zu Land und Leuten.

Wissenswert: Aus dem mexikanischen Bundesstaat Jalisco stammt nicht nur der Tequelia, ein Agavenbrand, den so mancher vielleicht schon einmal nachts in der Düsseldorfer Altstadt als ‚Absacker‘ mit Salz und Zitrone genossen hat, auch der schon fast legendäre Musiker Carlos Santana ist dort zu Hause. Mit diesen beiden Informationen fühlt sich ein Teil unserer Leser sicher schon mit Jalisco verbunden.

Wir haben noch ein paar Bilder gesucht, die Eindrücke vom Chapalasee (dem größten See Mexikos), der Küste, der Herkunft des Tequilas, der unglaublichen Natur und Historie und der bunten kulturellen Identität der Menschen einfangen. Vielleicht für es ja Leser einmal zum Chapala, den größten See Mexikos und dort „Zur kleinen Ecke der Liebe“, dem „Rinconcito de Amor“, wie es auf Spanisch heißt oder an die schöne Küste, oder ins Land mit seinen Monumenten der Vergangenheit, vor allem aber zu den Menschen, die eine so bunte Kultur zu bieten haben.

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