
Da haben Toni Nezi und die Organisatoren des CSD nicht schlecht gestaunt, als sie relativ kurzfristig eine Anfrage der AfD erhielten, die am CSD teilnehmen wollte. Warum es darauf eine Absage gab, haben sie uns in einer Stellungnahme erläutert.
„Das Interesse der AfD für eine Teilnahme am CSD haben wir mit einigem Erstaunen zur Kenntnis genommen“, sagt Toni Nezi, der gemeinsam mit dem Orgateam auf die Anfrage mit einer begründeten Absrage reagierte. Abgesehen von vielen Positionen der AfD, die eigentlich grundsätzlich gegen eine Teilnahme sprechen, sei die Anfrage auch viel zu kurzfristig eingegangen. Die Planungen seien weit fortgeschritten und die Standplätze für die Infostände längst vergeben und abgestimmt.
Den Organisatoren war es dennoch wichtig in einer ausführlichen Stellungnahme zu begründen, warum sie auch ohne diese Kurzfristigkeit keine Teilnahmemöglichkeit für die AfD gesehen hätten. „Das leitet sich schon aus diversen Wahlprogrammen der Parteigliederungen ab, denen zu entnehmen ist, dass die AfD sich nicht zur wissenschaftlich und gesellschaftlich anerkannten Vielfalt der biologischen Geschlechter und sexuellen Orientierungen bekennt“, so Nezi. „Das widerspricht den Grundsätzen des CSD – der die Vielfalt und Gleichberechtigung aller Menschen würdigt, respektiert und anerkennt und letztlich feiert“, ergänzt er.
Die ausführliche Stellungnahme der Organisatoren des CSD Erkrath:
Warum wir als Organisatoren des CSD in Erkrath einen Info-Stand der AfD nicht genehmigen konnten, ohne Verrat an unseren Zielen zu begehen, zu denen wir uns gegenüber unserer Klientel verpflichtet fühlen.
- Die AfD diskriminiert sog. „Sexuelle Abweichungen“(!). Zitat aktuell aus dem Regierungsprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt: „Steigende Abtreibungs- und sinkende Geburtenraten hängen auch damit zusammen, dass sexuelle Abweichungen und nicht-reproduktive Lebensweisen mittlerweile mehr Akzeptanz genießen und offensiver beworben werden als die normale Familie aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen.“
- Die AfD will Menschen die Aufnahme verweigern, deren Identität ungeklärt ist. Was ist hier mit „ungeklärter Identität“ gemeint?
- Zitat aus Sachsen-Anhalt: „Die Ehe aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, muss durch die Politik als normative Normalität anerkannt und besonders gefördert werden.“ Bedeutet das, dass andere Lebensformen nachrangig bewertet und weniger wertgeschätzt werden?
- Zitat aus Sachsen-Anhalt: „Die LQBTQ-Bewegung … nimmt die angebliche Vertretung der Interessen nicht heterosexueller Menschen zum bloßen Vorwand, um in Wahrheit die tradierte Normalität, die wir für die gedeihliche Entwicklung unserer Gesellschaft brauchen, zu zerstören. … Wir werden deshalb durch entsprechenden Runderlass sicherstellen, dass von schuloffizieller Seite keine Regenbogenfahne mehr gezeigt wird.“
- „Die AfD wird die Religionsfreiheit wieder auf angemessene Maßstäbe zurückführen.“ So ein Zitat aus Sachsen-Anhalt! Achtung! – Soll hier unser Grundgesetz gestutzt werden?
- Unter der Überschrift „Schluss mit Frühsexualisierung“ aktuell aus Sachsen-Anhalt: „In der Kita ist die Familie aus Mann und Frau zwanglos als Normalform des Zusammenlebens vorauszusetzen und die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als biologische Tatsache zu achten. Die AfD lehnt jede Form der staatlichen Frühsexualisierung und jedwede Indoktrination von Kleinkindern und Grundschülern im Sinne devianter Formen von Sexualität ab. Wir werden alle staatlichen Kampagnen und Programme einstellen, die Kinder vor der Pubertät mit sexuellen Themen konfrontieren.“ Das bedeutet nichts anderes als die Abschaffung eines bewährten Sexualkundeunterrichts in den Schulen.
- Die AfD unterstellt der öffentlichen Schule, sie wolle unseren Kindern „Geschlechtsumwandlungen schmackhaft machen“. Sie fordert deshalb „Keine Pubertätsblocker und geschlechtsangleichende Hormontherapien für Kinder und Jugendliche“. Wie kommt diese Partei darauf, der heutigen Schule einen solchen Unsinn zu unterstellen?
- Die AfD will den bewährten „Girls und Boys Day“ abschaffen, bei dem Mädchen sog. „Männerberufe“ und Jungen sog. „Frauenberufe“ kennenlernen sollen. Sie will niemanden „aufgrund seines Geschlechts dazu drängen, einen bestimmten Beruf zu ergreifen“. Ja, wer will denn sowas?
- Die AfD will regulierend in die Hochschulautonomie eingreifen und dabei die finanzielle Abhängigkeit vom Land nutzen, um unliebsame Forschungsbereiche wie z.B. Gender-Studies auszutrocknen. Hallo, wo bleibt da die Freiheit der Wissenschaft?
Die meisten Aussagen beziehen sich auf das Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt. Hier stehen angesichts der anstehenden Landtagswahlen im September 2026 die aktuellsten Aussagen dieser Partei.

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