Christian Ehring ‘Stand jetzt’ in der Stadthalle

von Timo Kremerius

Christian Ehring in 'Stand jetzt'. Foto: Timo Kremerius

Ein Schwergewicht des Kabaretts, Christian Ehring, Extra3-Moderator und Kabarettist, kam mit seinem neuen Programm ‘Stand jetzt’ nach Erkrath und war ein Highlight.

Christian Ehring, der Träger des Deutschen Fernseh- und Kleinkunstpreises beschäftigte sich über zwei Stunden, geprägt von seinem schwarzen Humor, mit den Unwägbarkeiten der Moderne sowie den Unzulänglichkeiten des heutigen Politikbetriebes und wagte einen Ausblick in die unsichere Zukunft. Wer Christian Ehring von Extra3 kennt, für den ist die Liveveranstaltung mit ihm noch ein Erlebnis mit einem Sahnehäubchen on top.

Es war alles zum Besten vorbereitet. Eine proppenvolle Stadthalle bis auf den letzten Platz ausverkauft. Ein super aufgelegtes Publikum voller Vorfreude und ein genialer Kabarettist. Besser können die Voraussetzungen gar nicht sein. Und dann begann das verbale Blitzgewitter von Christian Ehring.

Ein roter Faden, der sich durch den Abend zog, war das nachbarschaftliche Verhältnis zu Shanti und Rolf und nicht zu vergessen Johny den Golden Retriever, die ihre Liebe zur Esoterik gefunden haben. Immer wurden während seiner Statements das Zusammenleben mit den Nachbarn auf belustigende Art und Weise mit lustigen Geschichten dargestellt. Hier kam auch sein vermeintlich gestörtes Verhältnis zu Hunden an die Oberfläche. Dies war aber wahrscheinlich nur vorgeschoben, da er sich am Ende seiner Veranstaltung vom Publikum verabschiedete „Ich muss jetzt nach Hause, mit dem Hund Gassi gehen“.

Kostproben aus dem Programm

„Es gibt Menschen, die sich beim Einkaufen überlegen, ob sie sie noch eine Tafel Schokolade kaufen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich fragen, ob es bei der Tafel heute vielleicht Schokolade gibt.“ Auch eindrucksvoll waren die ungefragten Ratschläge, z.B. zu Erkältungen, in denen er erzählt, dass Ingwer eine Streberknolle ist. Ein Allroundtalent gegen Erkältung, Magenbeschwerden, Impotenz bis hin zum Dach decken.  „Ingwer von Ingmar, auch, wenn das nie mein Ding war.“ Die blumige Sprache seiner esoterischen Nachbarn, untermalt von den Gesten von Ehring, waren einfach nur der Brüller. Dazu die Erklärungen zu den Eigenarten von Johny dem Nachbarshund und wie man mit ihm spricht. In einer Unterhaltung seiner Nachbarn erfährt er, dass diese die wegen des Wandels im Ukraine-Krieg nun mehr Yoga machen wollen, als sie ohnehin schon tun oder dass mehr auf „Wording“ und „Learning“ geachtet werden soll. Tiefsinniger Leitspruch der Nachbarn war „Lass das Glück die Benchmark Deiner Träume sein“ Achtsamkeitspause! Er fragt sich auch, ob man angesichts von Krieg und Katastrophen, Inflation und „Doppelwumms“ überhaupt noch lachen kann. Christian Ehring sagt: Man muss. Auch wenn er selbst dabei nicht immer gut wegkommt. Der Witz hat Vorfahrt.

Foto: Timo Kremerius

Untermalt wurde das über zweistündige Wortgewitter mit zahlreichen, auf dem Klavier begleiteten, musikalischen Einlagen. Es war einfach ein Wohlfühlabend, an dem man viel lachen konnte, Neues und eigene Gedanken vorgehalten bekam. Ein Abend der einfach noch länger hätte sein dürfen. Zum Abschluss der Veranstaltung sezierte Christian Ehring eine Tageszeitung, wobei er Wert darauflegte, dass es sich immer um eine Lokalzeitung, in diesem Fall die Rheinische Post mit Lokalteil Erkrath und Umgebung handelt. Er stellte fest, dass in der Tageszeitung am Freitag die Themen der aktuellen Politik, der Wirtschaft, des Gesundheitssystems und vieles mehr, aber auch keine Lösungen zu finden sind. Seite für Seite wurden die Artikel kurz angerissen und ebenso kurz kommentiert.

Langanhaltender Applaus mit einem Klatschmarsch und den Wunsch einer Zugabe beendete den Abend. Im Theater würde man sagen Christian Ehring bekam noch mehrere Vorhänge zeigte sich dem Publikum und nahm den Applaus, den er ohne Wenn und Aber verdient hat, sehr gerne an, um sich dann zum small talk ins Foyer zu begeben.

Eine liebgewonnene Zeremonie ist die Überreichung der Aktie von PRIMA Neanderthal durch Volker Rapp an den jeweiligen Kabarettisten. Christian Ehring freute sich sehr über die Aktie und konnte sich noch sehr gut daran erinnern, dass er schon im Dezember 2021 eine Aktie überreicht bekommen hatte.

Foto: Volker Rapp

Mit Christian Ehríng hat das Kulturamt wieder ein Highlight in die Erkrather Stadthalle geholt. Mehr davon. So bekommt man die Halle voll. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern nahm sich Christian Ehring nach der schon sehr langen Veranstaltung trotzdem die Zeit, fast eine Stunde mit den Zuschauern zu plauschen und auch Autogramme zu schreiben. Das nennt man Volksnähe und fördert auch mit Sicherheit die Beliebtheit um ein Vielfaches. Auch im persönlichen Gespräch erwies er sich als absoluter Sympathieträger, mit dem man sich gerne noch länger unterhalten hätte.

Er Umriss im Gespräch mit dem Redakteur von erkrath.jetzt in kurzen Worten und Stichpunkten seinen Lebenslauf beginnend mit der Zeit, als er als 20-Jähriger noch vor 20 Zuschauern aufgetreten ist über seine Zeit beim Düsseldorfer Kom(m)ödchen bis hin zu Extra3. Die letzte Woche sah so aus, dass er am Donnerstag noch im Fernsehen eine Folge Extra3 präsentierte, sich morgens in Hamburg in den IC setzte, um nach Düsseldorf zu fahren um letztendlich pünktlich um 20.00 Uhr die Bühne der Stadthalle Erkrath zu treten und sein Publikum vorzüglich zu unterhalten. Dazu kann man einfach nur nur sagen „Chapeau“.


Hinweis: Eine Kulturpause konnte aufgrund der ausverkauften Veranstaltung an diesem Abend nicht stattfinden.


Am 14. März 2024 erwarten die Erkrather eine Lesung mit dem Kabarettisten Jan Weiler, Thema „Älternzeit“ und am 20. März 2024 steht die Komödie „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ von der a.gon Theater GmbH in der Stadthalle Erkrath auf dem Programm. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten für beide Veranstaltungen auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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