Brotbacken mit den Grünen

Zahlreiche Besucher nutzen die Veranstaltung der Grünen für Gespräche und ein frisch gebackenes Brot/ Foto: SK

25 Kilogramm Teig wurden zu 56 Mischbroten im Holzofen verbacken. Bäckermeister und Kandidat für die Bundestagswahl, Roland Schüren, ging Rudi Becker und seiner Frau Renate Ehlich zur Hand.

Seit 30 Jahren ist das Ehepaar Becker/Ehlich immer zur Stelle, wenn es gilt, den Ofen im historischen Backhaus Schink anzuheizen und gemeinsam mit den Erkrathern darin ein traditionelle Mischbrot zu backen. „Wir sind schon seit 10 Uhr da und haben seitdem den Ofen befeuert. Auch der Teig, der aus zehn Kilogramm Roggen- und zehn Kilogramm Weizenmehl sowie fünf Kilo Auszugsmehl besteht, das für die Schnittfestigkeit sorgt, geht seitdem“, erzählt Rudi Becker. „Wir werden dann gleich pro Laib gut 830 Gramm abwiegen. Dann hat der Brotlaib nach dem Backen noch ein Gewicht von gut 750 Gramm,“ so der erfahrene Bäcker.

Dieses Verhältnis zwischen Gewicht des Teigs und des fertig gebackenen Brotes haben seine Frau und er in jahrelanger Praxis als ideal herausgefunden. „Die 750 Gramm sind ein typisches Gewicht für einen Brotlaib, wie er auch in Bäckereien erhältlich ist“, so Becker. Roland Schüren, der in Haan seine gleichnamige Backstube und auch in Erkrath zwei Filialen seiner Bäckerei-Kette betreibt, fachsimpelt mit Rudi Becker weiter, während sich draußen Erwachsene und vor allem Kinder sammeln, die darauf warten, dass es losgeht mit dem Kneten und Portionieren des rund 25 Kilogramm schweren Teigs. „Bei uns in der Backstube ist das Verhältnis von Teigmenge zu fertig gebacken Laib 900 Gramm zu dann 750 Gramm. Ich selbst habe bei meinem Großvater, der unseren Familienbetrieb gegründet hat, noch gelernt, wie man Brot in einem Holzofen backt,“ so Schüren, dem anzumerken ist, dass ihn der alte Ofen und die Atmosphäre des ehemaligen Gemeinschaft-Backhauses fasziniert, in dem die Hochdahler Bürger früher ihre Brote an den Backtagen gemeinsam backten. 1990 wurde der Backofen wieder neu aufgebaut und innen mit Schamott-Steine ausgemauert, die die Hitze ideal speichern.

Begrüßung durch Sabine Börner, Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen

In ihrer Begrüßungsrede gab Sabine Börner im Namen der „Erkrather Grünen“ der Freude Ausdruck, dass nach dem Corona-bedingten Ausfall der Brot-Back-Aktion, die einen festen Platz im Veranstaltungskalender ihrer Fraktion hat, die Zahlen es in diesem Jahr zuließen, die beliebte Aktion durchzuführen. „Besonders nach den Ereignissen des vergangenen Jahres, in dem zu Corona auch noch das verheerende Hochwasser-Ereignis auch in unserer Stadt dazu kam, ist es schön, sich wieder einmal zu einer Gemeinschaftsaktion zu treffen“ so Börner, die darauf hinwies, dass Erkrath zum Glück weit weniger schlimm getroffenen worden sei als beispielsweise das Ahrtal. „Um einen ganz kleinen Beitrag für die Flutopfer zu leisten, haben wir als Dankeschön für Sie, liebe Frau Ehlich und lieber Herr Becker, zwei Flaschen so genannten ‚Flut Wein‘ besorgt,“ so ihr Dank an das Ehepaar.

Kinder haben Vorrang beim Kneten, Teilen, Wiegen und Einfüllen des Teigs in die Garkörbchen

Dann schlug endlich „die Stunde der Kids“: Sie durften in zwei Gruppen á acht Personen in die Backstube. Hier wurde der Teig noch einmal durchgeknetet, was neben Rudi Becker auch Roland Schüren mit übernahm, bevor die Teigmenge geteilt und auf einem altertümlichen Schätzchen von Waage in Stücke von rund 830gr abgewogen wurde. Diese Brotlaibe erhielten den letzten „Dreh“ vom Bäckermeister Schüren, bevor sie in die bereitstehenden Körbe gefüllt und auf dem Regal für eine kurze Ruhepause abgestellt wurden. Nach und nach kamen die kleinen Helfer mit Teig verklebten Händen und dem einen oder anderen bemehlten T-Shirt und Hose heraus.  Das Einfüllen in den Ofen oblag dann wieder dem bereits eingespielten Team Becker/Schüren.

Backpause wurde für Fragen rund ums Backen genutzt

Auch wenn Roland Schüren an diesem Sonntag-Nachmittag auch in seiner Funktion als Kandidat im Wahlkreis Mettmann I nach Erkrath gekommen war, beantwortete er mehr Fragen aus seinem Beruf als Bäckermeister: Brot nicht im Kühlschrank lagern, die Kruste ist der beste Schutz gegen Schimmelbefall und garantiert ein „feuchtes Inneres“ – so seine Antworten auf die Fragen der Besucher. Daher sei er auch nicht glücklich „über die fast automatische Frage: geschnitten oder am Stück?“, die seine Mitarbeitende in den Filialen stellen. „Am besten hält sich das Brot, wenn es am Stück gelagert wird.“ Seine Familie und er legen den Brotlaib mit der angeschnittenen Seite auf ein – unbehandeltes – Holzbrett. „Die natürlichen Gärstoffe halten das Brot feucht und frisch,“ so Schüren, der aber auch darauf einging, wie der Klimawandel sich in seinem Gewerbe auswirkt: „Die letzten drei Jahre waren im Durchschnitt zu trocken, das wirkt sich auf die Qualität des Getreides aus, das wir zu Mehl verarbeitet für unsere Backwaren verwenden. Ist das Mehl zu trocken wirkt sich auf die Enzymaktivität aus, der Teig muss länger ruhen, die Menge des Sauerteigs muss reduziert werden. Dieses Jahr kam der Regen kurz vor knapp vor der Ernte, so dass diesmal eher Sonnenstunden fehlten und sich somit nicht genug Eiweiß im Getreide bilden konnte. Da müssen wir dann mit natürlichen Zusätzen gegensteuern“, so Schüren zu den direkten Auswirkungen des Klimawandels auf die in seiner Backstube hergestellten Backwaren.

Auch zu „typisch grünen“ Themen beantworte der Kandidat die Fragen der Besucher. So ging es um Photovoltaik, die EEG-Umlagen oder auch Wasserstoff-Antriebe.

Nach 75 Minuten Backzeit wurden über 50 Brote aus dem Ofen geholt

Obwohl es bereits herrlich nach frischem Brot duftete, ließ sich Rudi Becker nicht von den erwartungsvollen Nachfragen der Besucher aus der Ruhe bringen und holte mit seinem langen Schieber erst nach über einer Stunde die Brote aus dem Ofen. In Papiertüten verpackt, wurden die nicht nur großartig duftenden, sondern ebenso aussehenden Brotlaibe an die Wartenden verteilt. Ein Nachmittag voller Gespräche ging mit der Vorfreude auf das Abendbrot mit im Holzofen frisch gebackenem Brot zu Ende.

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