Beigeordneter Michael Pfleging zu Gast bei AG 60+ der SPD

von Susann Krüll

Michael Pfleging. Foto: Ria Garcia

Vor Kurzem hielt der Beigeordnete Jugend, Soziales und Bildung vor Mitgliedern der AG 60+ der SPD einen Vortrag zum Thema „Altersarmut in Erkrath“.

AG-Vorstand Frank Urban hatte Michael Pfleging im vorweg verschiedene Fragen zukommen lassen, auf die dieser in seinem Vortrag einging und das Zahlenmaterial lieferte. Knapp 30 Mitglieder und weitere Interessenten hatten sich im Bürgertreff der AWO Hochdahl eingefunden und folgten aufmerksam dem Referenten. Dieser beantwortete Fragen zu seinen Ausführungen direkt und nahm sich im Anschluss noch Zeit für den Austausch mit den Genossinnen und Genossen.

Die wichtigsten Fakten und Zahlen zum Thema „Altersarmut in Erkrath“

Leider waren die Zahlen, die Michael Pfleging für seine Präsentation dabei hatte und verrieten, dass die Altersarmut mit 5,9% zwar über dem Durchschnitt des Kreises Mettmann (3,4%) und auch über dem NRW-weiten (4,2%) liegt von 2021. Laut der Bertelsmann Stiftung hat sich diese Quote ab 2014 von unter 4,5% auf den Wert von 2021 erhöht, die Jahre von 2016 bis 2019 stagnierten bei knapp unter 5%. Michael Pfleging führte noch an, dass mit Stichtag Dezember letzten Jahres 100 Personen ab 65 Jahren in Erkrath Grundsicherung bezogen. In dieser Zahl seien die in Städtischen Unterkünften untergebrachten Menschen dieser Altersgruppe nicht mitgerechnet, weil diese zumeist über das JobCenter versorgt werden.

Der Beigeordnete ließ seine Zuhörerschaft auch wissen, dass die Zahlen bei Kinder- und Jugendarmut um ein Vielfaches höher liegen: Bei den Kindern sind 19,5% in Erkrath betroffen (Kreis: 15,4% / NRW-weit: 16,8%) und bei der Jugend 15,3% (Kreis ME: 12,2% und NRW-weit: 14,2%).

Frage nach den Gegenmaßnahmen der Stadt für „arme Familien“

Hier listete der Beigeordnete die Institutionen und Organisationen auf, die sich – zumeist ehrenamtlich – um die Betreuung der Familien, die unter die Armutsgrenze fallen, kümmern und die von der Stadt mit freiwilligen Leistungen unterstützt werden: Flüchtlingsbetreuung, Sprachkurse, Begegnungsstätte Hand in Hand, Interkulturelle Beratung, Erkrath Pass (mit Vergünstigen bei Eintritte im Schwimmbad und Mitgliedsbeiträgen bei Vereinen) sowie diese, für Ältere besonders bedeutend: das Demenznetzwerk Erkrath, die Erkrather Ehrenamtsbörse (die auch Freiwillige vermittelt, die Ältere unterstützen) und die (Senioren-)Begegnungsstätten.

„Weiche Faktoren“ gehen mit finanzieller Armut einher

Michael Pfleging machte mit der Auflistung verschiedener Folgen von Armut deutlich, dass nicht nur Einkommensarmut(*) die Lebensumstände der betroffenen Menschen beeinflussen. Mit dem geringeren Einkommen gehen laut des Beigeordneten diese Folgen einher: soziale Isolation, multiple Belastungen (z. B. Existenzängste und Stigmatisierung), vielfach ein schlechterer Gesundheitszustand mit Tendenz zum Gesundheits-gefährdenden Verhalten (wie Rauchen, Alkohol oder andere Drogen), die Bildungsbiografien sind eher schwierig und Teilhabe an verschiedenen kulturellen, sportlichen oder anderen Angeboten wird weniger genutzt, was wiederum zu Ausgrenzung führt.

(* Definition Einkommensarmut: Nach EU-Standard gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60% des Medians der Äquivalenzeinkommen – berechnet auf Basis der neuen OECD-Skala – der jeweiligen Bevölkerung zur Verfügung hat. Quelle: Statistisches Landesamt NRW)

Eine weitere Folie stellte die Reduzierung von preisgebundenem Wohnraum dar. Dieser verringerte sich 2022 in Erkrath um 10% im Vergleich zu 2021 (kreisweit: rund -44%). Durch den Wegfall der Sozialbindung werde der Bestand von jetzt noch 2.849 Wohnungen bis 2030 auf 2.540 sinken. Auf Nachfrage verwies Michael Pfleging darauf, dass in den letzten Jahren nicht eine einzige Sozialwohnung in Erkrath gebaut worden sei, mit der baldigen Fertigstellung des Mehrfamilienhauses „Am Maiblümchen“ noch in diesem Jahr 12 hinzukämen und mit dem auf April geschätzten Baubeginn bei den „Düssel-Terrassen“ am Wimmersberg ebenfalls eine größere Anzahl realisiert werden solle. Dies sei aber nicht sein Fachgebiet so der Beigeordnete. Es entbrannte kurz eine Diskussion, wie der Anreiz zum Bau von mehr bezahlbaren Wohnungen zu machen sei. Dabei plädierte Architekt Wolfgang Teiwes für mehr Genossenschaft-Modelle wie das, das mit seiner Beteiligung z. B. auf der so genannten Hasenwiese entstehen soll. SPD-Fraktionsvorsitzender Detlef Ehlert verwies auf die gestiegenen Zinsen zur Finanzierung und der Verteuerung von Baumaterialien, die eine umfassende Investitionstätigkeit verhindern würden.

Zu der Unterbringung von Älteren in Pflegeinrichtungen hatte Michael Pfleging diese Zahlen parat: Laut Pflegebedarfsplanung des Kreises Mettmann seien in Vorjahr in Erkrath 294 Menschen in vollstationärer Pflege untergebracht gewesen. In Erkrath selbst gibt es 273 dieser Plätze, es bestand also eine „Unterdeckung“ von rund 20 Plätzen vor Ort.

Eine der letzten Folien wies dann daraufhin, dass auch „barrierefreier, bezahlbarer Wohnraum“ in Erkrath fehlt. Auch Kurzzeitpflegeplätzte seien „Mangelware“, um z. B. pflegende Angehörige zeitweise zu entlasten, und last but not least: Nachtpflegplätze seien in Erkrath gar nicht vorhanden.

Bei der Frage, ob denn die Erkrather Hausärzte Besuche in den Senioreneinrichtungen machen würden, war zu lesen: Es gebe zwischen niedergelassenen Ärzten und den Einrichtungen Kooperationen, allerdings: Es ist eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme in einer Einrichtung, dass Interessenten einen Hausarzt „vorweisen“, der dann Hausbesuche bei ihnen mache. Darauf folgte eine gewisse Unruhe, denn viele der Anwesenden hatten selbst schon die Erfahrung gemacht, dass immer weniger in Erkrath niedergelassene Ärzte überhaupt Hausbesuche anböten.

Zu den Kosten einer vollstationären Unterbringung in einer Senioreneinrichtung liegen laut Aufstellung des Beigeordneten in NRW über denen des Bundesdurchschnitts von 2.400€ monatlich. In Erkrath und Umgebung lägen die selbst zu tragenden Kosten, je nach Pflegegrad und Unterbringung im DZ oder EZ zwischen 3.400€ und 4.000€. Hier spielten auch Lage, Alter und Einrichtung des jeweiligen Hauses eine Rolle. Auch diese Zahlen sorgten für Diskussionen und eine gewisse Ungläubigkeit, ob man mit diesen Kosten überhaupt noch hinkäme.

Auf die Frage von Silke Dietz, Leiterin der AWO, ob man herausfinden könne, in welchen Quartieren in Erkrath Seniorinnen und Senioren leben, die von Altersarmut betroffen sind, um gezielt Angebote machen zu können, lautete die Antwort des Beigeordneten: „Diese Angaben unterliegen dem Datenschutz, dazu haben wir als Stadt keinen Zugang.“ Es wurde dann diskutiert, wie man die Zielgruppe über Angebote informieren kann. Zwar findet man diese auf den Internetseiten der Stadt, aber nicht alle in der Altersgruppe 60+ seien so vertraut mit der Recherche im Web. Allerdings sei es auch nicht mit dem Druck von Flyern getan, die die Infos bündeln, denn auch die gelte es an die Zielgruppe zu bringen, von der man aus Datenschutzgründen nicht feststellen könne, wo sie wohne, um solche Info gezielt zuzuschicken.

Infos zur Arbeitsgemeinschaft (AG) 60+ der SPD Erkrath: Der Vorstand der AG 60+ besteht aus: Dr. Karl-Heinz Ott, Bernd FranzenFrank UrbanAdi Franke, Sigrid und Erich Koch. Fragen oder Anliegen beantwortet der Vorsitzende Dr. Karl-Heinz Ott (Tel. 02104-5086239 oder E-Mail: ott.kh@web.de), weitere Infos: https://www.erkrath-spd.de/arbeitsgemeinschaft-60-plus

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