Aufbruch ins Ungewisse

von Niklas Gründker

Foto: Niklas Gründker

Lehramtsstudium: Drei Monate Auslandsaufenthalt in Nordirland | Teil 1

Unser Autor Niklas Gründker hat im vergangenen Jahr im Rahmen seines Studiums drei Monate in Nordirland verbracht und seine persönlichen, subjektiven Erfahrungen in einem Bericht über diesen Auslandsaufenthalt zusammengefasst.

Ich berichte hier über meine persönlichen, subjektiven Erfahrungen während eines dreimonatigen Auslandsaufenthalts in Nordirland. An der ein oder anderen Stelle werde ich jedoch auf tiefergehende Informationen eingehen und daher vereinzelt Quellen für meine Aussagen angeben.

Wer in Deutschland eine moderne Fremdsprache studiert, um sie zu unterrichten, muss nach dem Lehrerausbildungsgesetz einen dreimonatigen Auslandsaufenthalt nachweisen. Dies ist die Zugangsvoraussetzung für den Master of Education, der in NRW das Staatsexamen mittlerweile ersetzt hat. Da auch ich mich nach dem Abitur für ein Lehramtsstudium mit dem Ziel Grundschule entschieden habe, wusste ich bereits Ende 2022, zu Beginn meines Studiums, dass diese Zeit auf mich zukommen würde. Als ich jedoch in meinem fünften Semester – und somit im vorletzten Semester der Regelstudienzeit – immer noch keinen Platz, geschweige denn eine konkrete Idee hatte, wohin es für mich gehen könnte, wurde ich langsam nervös.

Bis auf ein paar letzte Abgaben war mein Bachelorstudium abgeschlossen, und so entschied ich mich gegen ein Semester an einer anderen Universität, für dessen Bewerbung ich mittlerweile ohnehin zu spät gewesen wäre. Stattdessen legte ich meinen Fokus auf eine Art Au-pair-Aufenthalt, um in einer Familie zu leben und vor Ort neben Aufgaben wie dem Haushalt mein Studium zu beenden. Doch wo sollte ich eine passende Familie finden?

Viele Anbieter für Au-pairs verlangen eine kostenpflichtige Anmeldung oder vermitteln aufgrund des Brexits nicht mehr ins Vereinigte Königreich, wodurch die wenigen Plätze in Irland kurzfristig bereits vergeben waren. Weiter wegzugehen war für mich – allein aus organisatorischen Gründen – ebenfalls schwer vorstellbar. Also versuchte ich mein Glück über persönliche Kontakte. Über Monate hinweg kam keine Resonanz, und ich war mittlerweile im März dieses Jahres schier verzweifelt, als abends doch eine E-Mail in meinem Postfach auftauchte. Der Betreff klang vielversprechend: „Host family Northern Ireland“.

Nach einigen E-Mails hin und her, zwischenzeitlich auftretenden Problemen und einem emotionalen Auf und Ab meinerseits stand es schließlich fest: Meine dreimonatige Auslandszeit würde ich bei einer Familie in Nordirland verbringen. Vor ein großes Problem stellte mich jedoch die Bitte meiner Hostfamilie, mich um ein Auto zu bemühen. Da ich zu Beginn meines Aufenthalts noch keine 21 Jahre alt sein würde, gab es kaum eine Autovermietung, die mir überhaupt ein Fahrzeug überlassen hätte. Hinzu kam, dass mir ein Automatikwagen sehr wichtig war, da ich das Schalten auf der anderen Straßenseite gerne vermeiden wollte. Als das einzige Angebot, das ich finden konnte, schließlich bei über 12.000 Euro lag, musste ich diesen Plan verwerfen.

Eine Lösung ist in Sicht

Zu meinem großen Glück absolvierte der älteste Sohn der Familie gerade seinen Führerschein. Kurzerhand wurde ein gebrauchtes Auto für ihn angeschafft, das ich nutzen durfte, da er seine Prüfung noch nicht abgelegt hatte. Am 6. Mai war schließlich alles abgesprochen, und ich buchte meine Flüge. Da es keinen Direktflug von Deutschland zum Belfast International Airport gab und ich ungern mit Gepäck für drei Monate umsteigen wollte, entschied ich mich, einen Kurzurlaub in Edinburgh einzuschieben und von dort nach Nordirland weiterzureisen. In Schottland wollte ich von Donnerstag bis Sonntag gemeinsam mit meiner Mutter Urlaub machen und mich in Ruhe verabschieden.

Bereits ein paar Jahre zuvor war ich mit meiner Familie in Edinburgh gewesen, doch auch diesmal begeisterte mich die schottische Hauptstadt. Insbesondere die Altstadt mit ihren engen Gassen, den urigen, gemütlichen Pubs, aber auch die Neustadt im georgianischen Stil sind wirklich einmalig schön. Ich kann gut nachvollziehen, dass dieser Teil der Stadt 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Mit einem Hop-on-Hop-off-Bus erkundeten wir nicht nur das Zentrum, sondern fuhren auch bis in den Hafen, mit einem Zwischenstopp im Botanischen Garten. Aus früheren Besuchen wussten wir, dass dort viele kleine Eichhörnchen leben, die sich gern mit ein paar Nüssen füttern lassen.

Viel zu schnell waren die Tage vergangen, und es war Zeit, sich am Flughafen zu verabschieden. Mit nur zehn Minuten Zeitdifferenz brach ich zu meinem Abenteuer auf, während meine Mutter den Rückflug nach Düsseldorf antrat. Das Gefühl, allein am Gate zu sitzen und ins Ungewisse zu fliegen, war zunächst gewöhnungsbedürftig. Doch glücklicherweise begann das Boarding schnell, und bereits nach 20 Minuten in der Luft kündigte der Pilot den Landeanflug an.

Auch am Flughafen ging alles zügig: Da ich innerhalb des Vereinigten Königreichs reiste, wurde mein Pass nicht erneut kontrolliert, und innerhalb weniger Minuten erschien mein Koffer auf dem Gepäckband. Etwas nervös, meine Host-Mama Donna nun endlich persönlich kennenzulernen, verließ ich das Terminal. Unsicher, ob Nordirland unter EU-Roaming fallen würde, überprüfte ich über das Flughafen-WLAN noch schnell meine Nachrichten. Kurz darauf erhielt ich die Bitte, zum Haupteingang zu kommen, und sah Donna bereits vom Parkplatz auf mich zukommen.

Foto: Niklas Gründker

Die Gastfamilie

Ich wurde herzlich begrüßt, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Am Auto angekommen, lud ich mein Gepäck in den Kofferraum und wollte mich setzen – saß aus Gewohnheit jedoch plötzlich auf dem Fahrersitz. An den Linksverkehr würde ich mich noch gewöhnen müssen. Auf dem Weg zum Haus legten wir einen kurzen Zwischenstopp am Lough Neagh ein, dem größten See der britischen Inseln. Von einem Ufer aus war das gegenüberliegende kaum zu erkennen, und nur ein leises, rhythmisches Klatschen der Wellen war zu hören.

Am ersten Abend lernte ich dann alle vier Söhne kennen, und auch Donnas Mutter wollte mich direkt persönlich begrüßen und kam zu Besuch. Obwohl ich sehr nervös war und unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen wollte, saßen wir noch lange zusammen, bis ich schließlich gegen kurz nach 23 Uhr auf mein Zimmer ging.

Die Fortsetzung folgt morgen.

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