
Premium | Die Ratsmehrheit entschied am 11. Juni 2025 das Schuldorf auf dem Sportplatz Rankestraße zu errichten. Gleichzeitig soll schnell eine Alternative für den Sport gefunden werden. Vorschläge sollen in der Ratssitzung am 1. Juli 2025 vorliegen, in der es auch um Neuigkeiten zu den Schulgebäuden gehen wird.
Rund 35 Besucher wohnten der Ratssitzung am 11. Juni bei. Lehrer, Elternvertreter und Vertreter aus dem Sport. Das Thema emotional. Der einzige Standort der sich für die rechtzeitige Errichtung des Schuldorfs eignet, ist ausgerechnet der Sportplatz Rankestraße. Das rief die Vertreter der Vereine auf den Plan, die sich nach bekanntwerden der Überlegungen mit einer längeren Stellungnahme an den Bürgermeister gerichtet hatten. Und so saßen die, die eigentlich immer für das Wohl der Kinder und Jugendlichen gemeinsam an einem Strang ziehen, in der Ratssitzung sozusagen als Konkurrenten. Dass die Verwaltungsvorlage lediglich als Mitteilungsvorlage ohne Beschlussvorschlag vorlag, sorgte dann auch für ausgiebige Diskussion. Auch die Besucher kamen in einer Sitzungsunterbrechung zu Wort.
So sprachen etwa Denise Jindra als Schulpflegschaftsvorsitzende des Gymnasiums Hochdahl und Katja Petrilos, Schulpflegschaftsvorsitzende der Realschule Hochdahl. Sie bedankten sich für die schnelle Lösung, die mit der Nutzung des ehemaligen Schloß Gymnasiums in Benrath erreicht wurde, betonten aber, dass dies keine Dauerlösung sei. „Für die Kinder bedeutet das einen guten 8-Stunden-Tag an dem sie anschließend noch ihre Hausaufgaben bewältigen müssen und on top auch noch ohne Mittagessen“, erklärte Denise Jindra. Spätestens Anfang nächsten Jahres müsse es eine Lösung in Hochdahl geben, damit der Tag der offenen Tür hier vor Ort stattfinden könne. „Am liebsten wäre uns, wenn der Sportplatz erhalten werden kann, aber das scheint kaum möglich“, ergänzte sie. Hochdahl sei der Einwohner stärkste Stadtteil. Es sei wichtig, dass Bildung dort, wo die Kinder wohnen, stattfindet und fußläufig erreichbar ist. Katja Petrilos erklärte, dass vor allem auch die AGs das seien, was die Realschule ausmacht. Das Schulzentrum solle nicht zerreißen. „Wir möchten, dass die Einheit erhalten bleibt.“ Man solle auch die Hauptschule nicht vergessen. Zum Schulstandort Benrath ergänzte sie, dass dort viel Lärm herrsche, die Akkustik sei schlecht und auch die Toiletten seien nicht mehr in Ordnung.
Stadtschulpflegschaft und Schulleitungen
Von Seiten der Stadtschulpflegschaft hieß es, dass die Schüler zwar so schnell wie möglich zurückgeholt werden sollte, aber Sorgfalt vor Schnelligkeit gelten müsse. Es wurde bemängelt, dass kein außerordentlicher Schulausschuss stattgefunden habe und es folgte die Frage: „Wo soll künftig der Schulsport von Ende März bis Oktober stattfinden?“ Die Fraktionen sollten sich immer fragen, wie sie entscheiden würden, wenn eigene Kinder betroffen wären. „In der Sachdarstellung heißt es Schuldorf. Woher kommt die Intention die Schulen zusammenzufassen? Wir haben ein dreigliedriges Schulsystem und sind überzeugt, dass alle drei Schulen hervorragende Arbeit für die Kinder leisten“, führte der Sprecher aus. Bürgermeister Christoph Schultz antwortete kurz, dass der Begriff Schuldorf von den Schulleitungen selbst vorgeschlagen worden sei.
Realschulleiter Uwe Heidelberg zeigte sich beeindruckt von der Schnelligkeit. Die Schulleitungen seien daran interessiert, dass die Schüler schnell an den Standort zurückkehren können. „Die Fahrzeit nach Benrath ist nicht einmal das Problem. Viel drängender ist die Entwicklung der Schülerzahlen oder die Gewinnung von Personal“, fasste Uwe Heidelberg zusammen. Julia Oesterle, stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Hochdahl erklärte, alles sei angespannt. Das Gebäude sei nicht optimal. Auch sie sieht das Problem mit der Entwicklung der Schülerzahlen. „Wir bekommen auch in den Oberstufen ein Problem. Die Kooperation mit dem Gymnasium am Neandertal wird schwierig“, erklärt sie. Schnelligkeit sei wichtig. Daher habe man sich auch für den Begriff Schuldorf entschieden. „Wir funktionieren gut miteinander.“ Seitens Rhenania hieß es, dass man natürlich Interesse habe den Sportplatz zu erhalten, wenn das aber nicht möglich sei, möchte man wissen, wohin man mit den Kindern solle, welche Alternativen es gibt.

Foto / Symbolbild: congerdesign auf Pixabay
Verwaltung und Politik
„In welcher Stadt gehen zwei Schulgebäude innerhalb von sechs Jahren durch einen Vollbrand unter?“, verdeutlichte Beigeordneter Michael Pfleging die Herausforderung, vor der die Verwaltung steht. Zu seinem Bereich gehören nicht nur die Schulen, auch Sport und Jugend seien dabei. Der Wegfall des Sportplatz Rankestraße sei schmerzlich, aber die Verwaltung müsse Schwerpunkte setzen. „Ich bin selbst ein Vereinsmensch und weiß, was das bedeutet.“ Dennoch müsse man der Schule Vorrang wegen des Zeitfaktors Vorrang geben. „Wir sind innerlich total zerrisssen“, beschrieb er, dass es auch in der Verwaltung nicht leicht falle, diese Entscheidung zu treffen. Man habe diverse Standorte analysiert, was nun vorliegt, sei das Ergebnis. „Der Sportplatz Rankestraße ist die schnellste Lösung. Jede andere Lösung dauert aufgrund notwendiger Tiefbauarbeiten deutlich länger“, ergänzte Bürgermmeister Christoph Schultz.
Zum inzwischen seitens der Politik geäußerten Gedanken die Entscheidung in die Ratssitzung am 1. Juli zu schieben, äußerte sich die technische Beigeordnete Carola Beck: „Wir haben die Vergabe vorbereitet. Alles steht bereit. Wenn die Entscheidung um drei Wochen geschoben wird, müssten wir alles zurückziehen.“ Die Verwaltung arbeite auf jeden Fall daran den festen Standort schnell zu realisieren, damit Sport wieder möglich sei, versicherte sie. Ralf Lenger (FDP) war der Meinung man solle noch andere Flächen prüfen. Die Schulen müssten ja nicht zusammenbleiben. „Welche Flächen?“, forderte der Bürgermeister ihn auf, weitere Flächen zu benennen. Er selbst habe angesichts der 20 Millionen für die Containerlösung auch gedacht „Oh Gott“, habe aber am Vorabend mit der Elternpflegschaft gesprochen und dabei sei klar geworden, dass eine schnelle Lösung notwendig ist.
Peter Knitsch (Grüne) plädierte dafür die Entscheidung zu verschieben. Man müsse auch an die Vereine denken. Es ginge auch um Kinder und Jugendliche, die keinen Sport machen könnten. Es gäbe vieles zu berücksichtigen. Für den Standort Bürgerhauswiese spräche auch das Bürgerhaus selbst. Dort könne man nach dem Freizug das Bürgerhaus auch als Aula nutzen. Bernhard Osterwind war der Meinung, dass man den Standort auch unter pädagogischen Gesichtspunkten betrachten solle, etwa mit seinen Einrichtungen (Bücherei, TSV samt Jugendzentrum, Planetarium). Er warnte davor die Gesamtschuldiskussion wieder mit in die Diskussion zu bringen. „Der Standort am Bürgerhaus ist für uns nicht tot“, machte er deutlich.
Markus Lenk (Linke), fragte, ob man die Blühwiese an der Sedentaler Straße als Standort geprüft habe, woraufhin Bürgermeister Christoph Schultz erklärte, dass es sich um ein Wasserschutzgebiet II handele und sie deshalb nicht in Frage käme. „Jetzt, wo die Verwaltung einen gangbaren Weg gefunden hat, wollen alle noch drei Wochen warten. Wir verlieren drei Wochen, gewinnen aber keine neuen Erkenntnisse“, versuchte Uli Schimschock (fraktionslos) zu verdeutlichen. Wolfgang Jöbges (CDU) äußerte sich ähnlich. Es gelte keine Zeit zu verlieren und der Standort böte einen erheblichen Zeitvorteil. „Wir haben keine andere Möglichkeit innerhalb von 6 Monaten die Rückkehr der Schülerinnen und Schüler nach Hochdahl zu erreichen“, war auch Sandra Gehrke (SPD) dieser Meinung.
Ein für alle tragbarer Kompromiss?
Es folgten noch einige Argumentationen für und gegen das Schuldorf am Standort Rankestraße, bevor Bernhard Osterwind dann kundtat, dass die BmU dem Vorschlag das Schuldorf auf dem Sportplatz Rankestraße zu errichten folgen könne, wenn eine Ergänzung in den Beschluss aufgenommen wird. Der sollte beinhalten, dass die Festwiese am TSV für Sport hergerichtet wird und falls das nicht möglich sei, solle man vorübergehend den zur Hochdahler Straße liegenden Innenbereich der Neanderhöhe vorübergehend für den Sport herrichten. Peter Knitsch kritisierte, dass über 20 Millionen für den Übergang fällig würden und der Sportplatz dann „platt“ sei. Das seien horrende Beträge, vor allem weil man weiß, dass die weg sind. Er gab zu bedenken, dass es in der Vergangenheit in Bezug auf die Festwiese eine Klage wegen Lärmbelästigung gegeben habe. Die Neanderhöhe hielt er für einen Schnellschuss und kündigte an, dass die Grünen sich bei der Abstimmung enthalten würden.
Michael Pfleging sagte zu, dass die Verwaltung zur Ratssitzung am 1. Juli eine Vorlage mit möglichen Lösungen für den Sport vorlegen wolle. Daraufhin äußerte Ralf Lenger (FDP), dass seine Fraktion sich anschließen könne, wenn die Sportfrage geregelt sei. Dahingehend äußerte sich auch Markus Lenk (Linke). Bernhard Osterwind formulierte noch einmal die gewünschte Ergängung im Beschluss, der in zwei Punkten abgestimmt werden sollte (Standort Schuldorf, Alternativen Sport). Die Verwaltung soll als alternative Standorte für Sport a) die Festwiese am TSV, b) Kemper Dick, c) die Neanderhöhe oder andere Standorte in Hochdahl prüfen.
Während der Standort für das Schuldorf am Sportplatz Rankestraße mehrheitlich (Gegenstimmen AfD, Enthaltungen Grüne und Linke) beschlossen wurde, war der Beschluss die Verwaltung mit der Standortsuche für den Sport zu beauftragen am Ende einstimmig.
Doch kein kompletter Neubau?
Bisher ging man davon aus, dass Realschule und Gymnasium nach dem Abriss komplett neugebaut werden. Gestern meldete sich Bürgermeister Christoph Schultz jedoch mit einer Videobotschaft Bisher ging man davon aus, dass Realschule und Gymnasium nach dem Abriss komplett neugebaut werden. Gestern meldete sich Bürgermeister Christoph Schultz jedoch mit einer Videobotschaft via Facebook, in der er erläuterte, dass etwa 10 Prozent der Schulgebäude (Oberstufen-Rondell) nicht betroffen seien und man nur mal „durchwischen“ müsse. 30 Prozent sollen auf den Rohbau, respektive auf den Stahlbeton zurückgebaut und saniert werden und 60 Prozent seien nicht mehr zu retten. Sie müssen abgerissen und auf der vorhandenen Fläche neugebaut werden. Im Ratsinformationssystem waren zur Fertigstellung dieses Artikels noch keine Vorlagen dazu hinterlegt.
Für Leser, die nicht bei Facebook angemeldet sind, haben wir drei Screenshots des Videos erstellt, die jeweils die Gebäudeteile zeigen, die erhalten, bis auf den Rohbau zurückgebaut und die, die komplett abgerissen und neugebaut werden müssen. Weitere Informationen gibt dann nach der Ratssitzung am 1. Juli 2025.



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