Zwischen Sternenstaub und Streichersaiten

von Timo Kremerius

Foto: Stefan Ueberschaer, snh

Ein magischer Abend im Planetarium, bei dem Musik und Bilder die Besucher verzauberten.

Es gibt Orte, an denen die Welt ein wenig stiller steht und Orte, an denen sie besonders hell leuchtet. Das Planetarium in Hochdahl vereint beides. Längst hat es sich von einer reinen Stätte der Himmelsbeobachtung zu einem kulturellen Leuchtturm entwickelt, der weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt. Wer am vergangenen Freitagabend einen der begehrten Plätze ergatterte, wusste: Hier wird man Zeuge von etwas ganz Besonderem. Das Haus war – wie so oft – bis auf den letzten Platz ausverkauft. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es am 5. März 2026 sogar einen weiteren Termin.

Wenn der Kosmos mitklingt

Die Sternwarte hat sich unter ihrem engagierten Team zu einem echten „Kulturtempel“ gewandelt. Doch am Freitag erreichte die Symbiose aus Technik und Kunst eine neue Ebene: Die Faszination für die Himmelskörper traf auf die wohlklingenden Harmonien des Hokkaido Quartetts. Wer das Quartett kennt, weiß um die musikalische Wucht, die hinter den vier Namen steht: Roman Brnčić und Hachidai Saito an den Violinen, Irene Baiter an der Viola und Arabella Ristenpart am Violoncello. In Köln gegründet, vereinen diese Ausnahmemusiker ihre individuellen Erfahrungen aus Orchestern und solistischen Karrieren zu einem Kammermusik-Erlebnis der Extraklasse. Ihr Geheimrezept? Eine bewundernswerte stilistische Offenheit. Ob Bach oder Morton Feldman, ob Klassik, Filmmusik oder augenzwinkernde Schlager-Interpretationen – dieses Quartett macht vor nichts Halt und bereichert das Programm durch eigene, hochkreative Arrangements.

Ein Abend, der die Seele streichelt

Als Dr. Matthias Kolb das Publikum begrüßte und die ersten Töne der 20th Century Fox Fanfare von Alfred Newman die Kuppel erfüllten, war der Alltag vergessen. Es folgte ein Streifzug durch die Musikgeschichte, der unter die Haut ging: Von Erik Saties Gymnopédie No. 1 über Elgars Salut d’Amour bis hin zur unsterblichen Mondscheinsonate von Beethoven.

Besonders tief drangen die Stücke ins Herz, als Klassiker wie Henry Mancinis Moon River aus „Frühstück bei Tiffany“ oder das sehnsüchtige Over the Rainbow den Raum füllten. Das Quartett spielte mit einer Hingabe, die das Publikum förmlich spüren konnte. Als krönender Abschluss erklang das Presto aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, bevor das Ensemble unter tosendem Applaus mit Carlos Gardels Por una Cabeza eine glückliche Zugabe gewährte.

Zwischen Welten

Das eigentliche „Sahnehäubchen“ dieses Abends aber war die visuelle Gestaltung durch Magdalena Kapela. Sie verwandelte die Kuppel des Planetariums in ein Meer aus Projektionen und Bildern. Die Zuschauer erlebten ein Paradoxon der Sinne: Sollte man die Augen schließen, um die Musik rein aufzunehmen oder den Blick schweifen lassen, um in den traumhaften Lichtspielen zu versinken? Man war als Gast hin- und hergerissen – ein wahrer „Wohlfühlabend“, von dem man noch Tage später zehren kann.

Kommentar des Autors: Wenn es stimmt, dass Musik die Seele streichelt, dann wurde das am Freitag in Hochdahl eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Es bleibt nur ein Rat an alle Erkrather: Werfen Sie einen Blick in das Programm des Planetariums. In einem so einzigartigen Ambiente wird hier Kultur geboten, die weit über das Übliche hinausgeht.

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