
Zum Tag der Archive waren Interessierte am 6. März 2026 eingeladen ins Archiv des Kreises Mettmann zu schnuppern.
Kreisarchivar Joachim Schulz-Hönerlage und Mettmanns Stadtarchivar Marinko Betker standen den Besuchern an diesem Tag gemeinsam für Fragen bereit. Die Plakatausstellung „Heimatfront Mettmann – Alltag zwischen Luftangriffen, Propaganda und Ideologisierung“ und die Ausstellung zu „200 Jahre Kreis Mettmann“ wiesen den Besuchern im Verwaltungsgebäude II des Kreises Mettmann (Goethestraße) gewissermaßen den Weg. Empfangen wurden sie in der sogenannten Dienstbibliothek, die auch Ahnen- und Heimatforschern offensteht.
Die Öffnungszeiten des Kreisarchivs in der Goethestraße 23 in Mettmann sind montags bis donnerstags von 8.30 Uhr bis 12 Uhr. Einen Benutzungsantrag können Interessierte vorab auch online stellen. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Kreises Mettmann.
„Ausleihen kann man die Bücher allerdings nicht. Sie sind nur hier vor Ort einsehbar“, erklärt uns Joachim Schulz-Hönerlage. Für uns hat sich an diesem Tag schon ein kleiner Blick in die Auswahl gelohnt. Steht dort im Regal doch eine ganze Reihe aus den Niederbergischen Beiträgen und darunter eines, dass es schon seit langem nicht mehr in Antiquariaten gibt. Wir haben sofort das eine oder andere darin nachgeschlagen und kommen sicher noch einmal wieder. Ausgestellt waren hier auch einige Kopien von alten Personenstandsurkunden als Beispiel dafür, was Forschende in den Stadtarchiven finden. „Wir haben nur 900 laufende Meter Archivgut“, räumt Marinko Betker ein, dass das Stadtarchiv mit den 2.000 laufenden Meter des Kreises nicht mithalten kann. Diese 900 Meter hätten aber vor allem für Heimat- und Familienforscher einiges zu bieten.

Am vergangenen Freitag konnten Besucher sich auch einer Führung durch das Archiv des Kreises anschließen, dass im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes II liegt. Das heute „nur“ 2.000 laufende Meter Archivgut hier lagern ist zum Teil dem unglücklichen Umstand zu verdanken, dass es früher in Düsseldorf angesiedelt war und im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Auch liegt einiges an Archivgut im Landesarchiv NRW. Eine Übersicht der Geschichte des Kreises mit seinen territorialen Neugliederungen ist auf der Homepage des Kreises nachzulesen.
Nicht immer war Archivgut so untergebracht, dass es lange Zeit unbeschädigt übersteht. So lassen Licht und Sonneneinstrahlung Papier nicht nur vergilben, sondern auch brüchig werden. Zu viel Feuchtigkeit kann zu Schimmelbefall führen. „Bis 1996 war das Kreisarchiv im Schloss Linnep untergebracht“, erzählt Joachim Schulz-Hönerlage. Das sei zwar eine schöne Lage gewesen, für das Kreisarchiv allerdings eine Katastrophe. „Einfach-Verglasung und direkte Sonneneinstrahlung“, erklärt er. Zum ganzen Stolz des Archivs gehört ein zweisprachiger (deutsch, französisch) Code Napoléon von 1810, der zu damaliger Zeit im Großherzogtum Berg offiziell als Gesetzessammlung eingeführt wurde.
Das heutige Archiv des Kreises liegt in Kellerräumen. Neben Verwaltungsakten des Kreises Mettmann gehört auch ein Zeitungsarchiv zum Archivgut. Vorwiegend Ausgaben Wuppertaler (Elberfeld, Barmen) und Düsseldorfer Zeitungen. „Die haben wir in der 70er Jahren vom Verlag angekauft“, erklärt Schulz-Hönerlage. Überwiegend sind es Ausgaben ab 1864. „Ein paar sind von 1848“, sagt er den Archivbesuchern. Damals seien amtliche Mitteilungen regelmäßig in den Zeitungen veröffentlicht worden. Noch sind die im Kreis archivierten Ausgaben nicht auf Zeitpunkt.nrw zu finden. „Wir wollen uns da noch einmal in Erinnerung bringen“, kündigt Schulz-Hönerlage an.



Einmal im Jahr wird Archivgut entsäuert. Das gilt vor allem für Verwaltungsakten aus der Zeit von 1840 bis cirka 1970 und Zeitungen, die durch veränderte Produktionsprozesse einen höheren Säuregehalt haben, der das Papier zersetzt. Bereits brüchiges Papier kommt für das Verfahren allerdings nicht in Frage. „Mit der Entsäuerung können die Unterlagen für cirka weitere 150 Jahre haltbar gemacht werden“, erklärt Schulz-Hönerlage den Besuchern. Viele Unterlagen sind in säurefreien Kartons gelagert, die das Archivgut von Licht, Staub und in Maßen sogar vor Wasser schützen. „Das ist natürlich auch eine Preisfrage. Ganz billig sind solche Kartons nicht“, erklärt Mettmanns Stadtarchivar.
Die Lage des heutigen Kreisarchivs ist indes auch nicht ganz gefahrlos, denn es liegt an der Goethestraße in einer Senke, die bei Starkregen von Überschwemmungen betroffen sein kann (siehe Starkregenhinweiskarte auf hochwasserkarten.nrw.de). „Darauf hatte ich keinen Einfluss“, erinnert sich der Kreisarchivar. „Als ich hier hin kam, konnte ich nur noch die Räume selbst beeinflussen.“ Landrätin Dr. Bettina Warnecke, die sich dem Rundgang angeschlossen hatte, dürfte aufmerksam zugehört haben. 2021 blieb das Verwaltungsgebäude II verschont. Langfristig muss aber vielleicht auch fürs Kreisarchiv Vorsorge getroffen werden.

Recherchieren, was im Kreisarchiv zu finden ist, kann man auch im Portal der Archive. „Das Findbuch ist allerdings von 2016. Inzwischen gibt es deutlich mehr“, schränkt Schulz-Hönerlage ein und erklärt, da müsse noch weiter ergänzt werden.

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