Wohncontainer an der Freiheitstraße?

Symbolbild Wohncontainer - Foto: Manfred Antranias Zimmer / Pixabay

Bolzplatz Gruitener Straße, Bolzplatz Unterfeldhaus, Bürgerwiese Hochdahl, Abriss und Neubau Thekhaus und nun auch noch Container in der Freiheitstraße? Die Diskussion um zusätzliche Unterkünfte könnte auch in der kommenden Ratssitzung lang werden.

Mit Datum 25. Oktober 2021 stellen CDU und SPD gemeinsam mit einem Antrag für die kommende Ratssitzung eine weitere Option zur Diskussion. Selbige war schon in der Ratssitzung am 7. Oktober 2021 lang und die vorgerückte Zeit erlaubte es nicht einmal mehr allen anwesenden Bürgern, sich zu äußern. Zumindest Anwohner, Schulpflegschaft und Eltern aus Millrath konnten ihre Bedenken gegen eine zweite Unterkunft am Standort Gruitener Straße äußern. Besucher aus Unterfeldhaus verzichteten aufgrund der späten Uhrzeit darauf, auch noch etwas zu einer möglichen Unterkunft auf dem Bolzplatz Unterfeldhaus zu sagen. Welche Bedenken sie hegen, haben wir in einem späteren Artikel zusammengefasst.

In der kommenden Ratssitzung soll die Verwaltung Zeitaufwand und Kosten für die im Raum stehende zusätzliche Unterkunft an der Gruitener Straße, eine Unterkunft auf der Bürgerwiese in Hochdahl und den möglichen Abriss und Neubau Thekhaus präsentieren. Nun kommt der Antrag von CDU und SPD hinzu, der Container an der Freiheitstraße vorschlägt. Begründet wird dieser Antrag wie folgt:

Die kurzfristig am schnellsten zu realisierende Übergangslösung wäre eine temporäre Unterbringungsmöglichkeit für ca. 60 Menschen durch die Anmietung von Wohncontainern auf dem Grundstück der ehemaligen Hauptschule Freiheitsstraße zu schaffen. Das Gelände ist so groß, dass der notwendige Abriss der alten Schulgebäude trotzdem erfolgen kann. Eine solche übergangsweise Nutzung ist zudem unabhängig von der etwaigen späteren schulischen Nutzung des Grundstücks zu treffen. Da hier von einem Zeitfenster von einigen Jahren auszugehen ist, spricht nichts gegen eine temporäre Zwischennutzung des Grundstückes mit Wohncontainern für Flüchtlinge.

Insoweit beantragen wir für die Ratsfraktionen der CDU und der SPD über die nachfolgenden Punkte abzustimmen.

1) Auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule Freiheitsstraße wird eine temporäre Unterkunft in der Form von gemieteten Wohncontainern für 60 Menschen errichtet. Die Aufstellung erfolgt so, dass ein Abbruch der Schulgebäude erfolgen kann. Der Beschluss zur Prüfung der Eignung des Geländes für eine neue Grundschule bleibt davon unberührt.

2) Die Verwaltung wird beauftragt, unverzüglich ein qualifiziertes Unterbringungskonzept zu erstellen. Hierbei soll eine proportionale Verteilung auf die drei Ortsteile erfolgen.

Wie realistisch und machbar ist diese Idee?

Wie hoch die tatsächlichen Kosten für eine Wohncontainerlösung für 60 Menschen sein werden, kann man nur vorsichtig schätzen. In der aktuellsten Vorlage zum Thema Unterkünfte mit der Vorlagennummer 238/2021 1. Ergänzung ist die ‚jüngste‘ Unterkunft in Containerbauweise aufgeführt: „Die Unterkunft Klinkerweg 3 (32 Plätze) wurde in Containerbauweise errichtet und ist seit 2017 in Betrieb. Diese Unterkunft kann voraussichtlich noch 20 Jahre genutzt werden.“ Dazu findet sich in der Niederschrift der Ratssitzung vom 2. Februar 2016 eine Angabe zu den investiven Ausgaben: „Investiv seien Zahlungen in Höhe von 800.000 € für die Errichtung von Wohncontainern erfolgt.“
Das sind natürlich die Kosten für gekaufte Container. Ab Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüsse darin enthalten waren, wissen wir nicht.

CDU und SPD schlagen hingegen eine Anmietung vor. Wie teuer oder billig ist die Anmietung bzw. Leasing von Wohncontainern? Wir haben recherchiert und einen Anbieter gefunden, der die Kosten für Leasing transparent auf seiner Homepage darstellt. Die Leasingangebote beziehen sich auf 60 Monate. Eine Containerlösung für 8 Personen kostet hier monatlich ca. 1.830 Euro. Um auf die möglichen 60 Plätze zu kommen, müsste man also 8 dieser Container leasen und läge bei 14.640 Euro monatlich und 175.680 Euro jährlich. Da die Leasingverträge über 60 Monate geschlossen werden, summieren sich die Leasingkosten in fünf Jahren auf 878.400 Euro. Es mag andere Anbieter mit anderen Kosten geben, aber kaum einer stellt die Kosten transparent auf seiner Homepage dar. Das ist also nur als Beispiel zu sehen. Damit sind aber noch keine Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse in die Container gelegt und auch kein Fundament errichtet, auf dem die Container stehen könnten.

Und dann ist da ja auch noch die Frage mit dem Hochwasserschutz. Gerade erst sind die bisherigen Unterkünfte unbewohnbar geworden, weil sie unterspült wurden. Wie sicher kann man eine solche Containerlösung machen?

Wie viele Plätze gingen in der Freiheitstraße durch die Flut verloren?

Es gibt widersprüchliche Angaben in den Vorlagen aus 2019 und den aktuellen. 2019 wurde die Kapazität der Unterkunft Freiheitstraße mit 180 Plätzen angegeben. Die durch die Flut in der Freiheitstraße verlustig gegangenen Plätze sind jedoch in diesem Jahr mit 200 bis maximal 204 angegeben. Eine Erklärung für diese Differenz haben wir in den Vorlagen nicht gefunden. Hier noch einmal die Vorlagen als Links: 91/2019 | 127/2021 | 238/2021 | 238.1/2021

Ratssitzung am 3. November 2021

Wenn in der kommenden Ratssitzung wieder viele Besucher der Initiativen rund um die Bolzplätze Gruitener Straße und Unterfeldhaus anwesend sind, dann werden sie wohl wieder Geduld aufbringen müssen, denn das Thema Unterkünfte ist erst unter dem Tagesordnungspunkt 14 zu finden. Dort ist eine Vorlage mit der Nummer 238/2021 2. Ergänzung angegeben, aber bisher keine neuere Vorlage verlinkt (Stand 27. Oktober 2021, 23.30 Uhr). Noch ist nicht ersichtlich, wie die in der letzten Ratssitzung geforderte Zeit- und Kostenschätzungen ausfällt. Sobald hier eine ergänzte Vorlage eingestellt ist, werden wir sie nachträglich verlinken.

Für den nun von CDU und SPD vorliegende Antrag müsste, um eine passende Entscheidung seriös treffen zu können, möglicher Weise ebenfalls erst einmal eine Zeit- und Kostenschätzung sowie eine Betrachtung der Hochwasserrisiken erfolgen.

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1 Kommentar

  1. Dee Grund für die Einstuzgefahr der ehemaligen Hauptschule und Flüchtlingsunterkunft war das Juli Hochwasser in Erkrath. Ist es nicht etwas Riskant, hier wieder Menschen unter zu bringen? Da diese Container hier auf Jahre stehen werden, sollten sie dann wenigstens auf Pfählen gestellt werden. Der Starkregen wird kein Jahrhundert Ereignis sein, sondern im 3 Jahres Rhythmus auftreten. Ansonsten ist der Vorschlag gut.

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