Wo Modellbahner-Herzen höher schlagen

von Ria Garcia

Die Rheinisch-Bergischen Modullisten sind stilecht mit Fahrdienstpersonal auf der Strecke. Foto: Lutz Wulfestieg

Im Lokschuppen natürlich! Einmal im Jahr bei den Modellbahntagen. An diesem Wochenende ist es wieder soweit. Wir waren am Eröffnungstag vor Ort.

Ein bisschen ist es in jedem Jahr ein großes Hallo und Wiedersehen. Man kennt sich und in der Regel sind die Ausstellenden Wiederholungstäter. Wer nie fehen darf: Der MEC Erkrath, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat. Seit Jahren sind sie im Exil in Solingen-Aufderhöhe ansässig, nachdem sich in Erkrath kein passender Raum, der für den Verein bezahlbar und groß genug wäre, gefunden hat. Zuvor hatte der Verein Räume im Keller des Gymnasiums am Neandertal. Einmal im Jahr kehren sie nach Erkrath zurück. Immer zu den Modellbahntagen im Lokschuppen. Was nicht fehlen darf, weil kein anderer Aussteller ähnliches zu bieten hat: Die bunt leuchtende Kirmes mit ihren Karussels. Da wechseln vielleicht einmal die einzelnen Karussels, aber die Kirmes ist in jedem Fall dabei. Außerdem haben die Modelleisenbahnfreunde Erkrath auch jede Menge Dinge zum Verkauf dabei, die dem einen oder anderen Modelleisenbahn in der eigenen Anlage vielleicht noch fehlen.

Vor einigen Jahren haben die Mitglieder des MEC Erkrath noch die große Bahn mit in den Lokschuppen gebracht. Die steht inzwischen fest installiert in der großen Halle in Solingen. „Der Aufwand war einfach zu groß. Da brauchen wir zwei 7,5 Tonner für den Transport und 14 Leute für den Auf- und Abbau“, erklärt Elmar Boms aus dem Vorstand des Vereins. Außerdem entstünden beim Transport auch immer wieder Schäden an der Anlage. Wer die große Bahn sehen will, muss sich also nach Solingen bewegen. Eine gute Gelegenheit wäre der 7. Dezember 2025, denn dann ist Nikolausfahrtag. Von 10 bis 17 Uhr ist dann auch die große Eisenbahnanlage (H0 auf 250 m²) in Betrieb. Außerdem gibt es Modellbahnanlagen in verschiedenen Spurweiten, die N-Bahn-Anlage, die Gruitener Lokalbahn, die Zugspitzbahn, natürlich auch die Kirmes und die Kindereisenbahn zu sehen. Auch der Mauszug ist wieder unterwegs. Der Eintritt kostet 2,50 Euro. Kinder bis 8 Jahre haben freien Eintritt. Wo? In Solingen auf der Löhdorfer Str. 38 (Eingang hinter der ASB-Rettungswache).

„Wir bringen dieses Jahr mal etwas anderes“

Auch der MEC Wuppertal ist wieder im Lokschuppen anzutreffen. Wer in den letzten Jahren die Modellbahntage im Lokschuppen besucht hat, erinnert sich vielleicht an die Koffer-Modelbahnen. Die mit der winterlichen Stimmung ist auch in diesem Jahr wieder dabei. In der Vergangenheit sind die Wuppertaler vor allem auch mit einem Schwebebahnmodell aufgefallen. Modellbahn hat in Wuppertal eben noch einen weiteren Sinn. Die ist in diesem Jahr nicht dabei. Anders als bei Modelleisenbahnen kann man für das Schwebebahnmodell nichts nachkaufen. Alles wird einzeln angefertigt. Im Moment ist das Modell in der Überarbeitung. Voraussichtlich zu Pfingsten im kommenden Jahr kann man es dann in Wuppertal wieder bewundern.

Aber die Mitglieder des MEC Wuppertal haben auch in diesem Jahr einiges zu bieten. Etwa die Kindergartenbahn mit Aufsitzbahnanhänger. Fahren kann sie zwar im Lokschuppen aus Platzgründen nicht, sie ist nur auf einem kleinen Schienenstück aufgestellt, aber Platz nehmen können kleine und große Modellbahntage-Besucher trotzdem einmal. Die elektrisch angetriebene Kindergartenbahn kann sogar vom MEC Wuppertal für Feste gemietet werden. „Die haben unsere Mitglieder aus einem Bausatz selbst gebaut“, erzählt uns Club-Mitglied Sebastian Hartmann.

Im Vorfeld der Modellbahntage hatten die Mitglieder überlegt und sich dann entschieden: „Wir bringen dieses Jahr mal etwas Neues.“ Das ist ihnen gelungen. Auch mit der Mitmachstation. Das Rangierspiel nach amerikanischem Vorbild bietet Herausforderungen, die von Kindern (ab ca. 5 Jahren) bis zu Kind gebliebenen 80-Jährigen. Mitspieler ziehen eine Karte, auf der die zu lösende Rangieraufgabe beschrieben ist.

Auch der MEC-Wuppertal hat in diesem Jahr ein Jubiläumsjahr. Gegründet wurde der Verein 1950, also vor 75 Jahren, auf Initiative des Eisenbahnfotografen Carl Bellingrodt. Wer neugierig auf den Verein uns seine insgesamt 12 Anlagen geworden ist, kann sich schon einmal die Adventsvorführungen in den Kalender schreiben. Am 26. November, 3., 10. und 17. Dezember 2025 finden sie jeweils von 17 bis 20 Uhr in der Eschenstraße 81 in 42283 Wuppertal statt. Der Eintritt kostet pro Person 5 Euro, Familien zahlen zusammen 8 Euro.

Mitmachen kann man auch an der Modelleisenbahn des Eisenbahn- und Heimatvereins Erkrath-Hochdahl (EHEH)*, deren Betriebsstrom auf dem Fahrrad „erstrampelt“ werden muss. Foto: LW

Aus der Nachbarstatt Mettmann

Auch wieder dabei sind die ModellBahnFreunde Mettmann, die in diesem Jahr 10 Module á 1,50 Meter, also insgesamt 15 Fahrmeter, aufgebaut haben. Aufgebaut haben sie schon am Donnerstag. „Wir haben um 10 Uhr morgens angefangen und mittags schon die erste Probefahrt gemacht“, erzählt Vereinsmitglied Hans Albrecht. „Wir sind ein eingespieltes Team“, ergänzt er. Auch die Mettmanner werben für eine bevorstehende Veranstaltung. Am 6. und 7. Dezember 2025 finden in den Clubräumen in der Haydenstraße 5 in Mettmann die „Tage der offenen Tür“ statt. Besucher dürfen sich den automatisierten Fahrbetrieb auf der digitalen H0-Clubanlage mit Zügen aller Epochen, von der Dampflok bis zum ICE 4 ansehen. Außerdem gibt es Pendelverkehr auf einer Nebenbahn und lebhaften Zugverkehr auf der analogen N-Bahn-Anlage. Und: Wer eine eigene Anlage mit leichten Defekten hat, kann Loks oder Wagen mitbringen und vor Ort reparieren lassen, wenn es sich um kleinere Reparaturen handelt.

Spur 0 und Spur 1

Großformatig kommt eine Gruppe von Modelleisenbahnfreunden daher. Sie kennen sich über das gemeinsame Hobby und sind kein Verein. Aus Remscheid, Wuppertal, Köln, Dienslaken, Duisburg oder Herten kommend, nutzen sie die Modellbahntage vor allem dazu, ihr Hobby einmal einem größeren Besucherkreis zu zeigen. Zu den diesjährigen Modellbahntagen haben zwei der Modelleisenbahnfreunde eine Spur 0 und eine Spur 1 Anlage aufgebaut. Es handelt sich dabei überwiegend über Märklin-Wagen aus den 30er-Jahren. „Die sind robust und strapazierfähig“, erfahren wir. Es seien nur einige wenige Nachbauten anderer Hersteller dabei.

Die Rheinisch-Bergischen Modullisten

Eindruck macht bei den Modellbahntagen auch wieder die aufgebaute Modulanlage der Rheinisch-Bergischen Modullisten, einem Zusammenschluss von Modelleisenbahnfreunden aus Neuss, Düsseldorf, Wuppertal, Solingen, Leichlingen und Haan. Auch sie gehören zu den jährlichen ‚Wiederholungstätern‘ und bieten mit ihrer Anlage Fantasielandschaften, aber auch landschaftlich nachgebaute Einzelheiten mit Wiedererkennungswert. Da fehlt auch die Werbung fürs Solinger Tageblatt über einem Tunnel nicht. Die genormten Module der Anlage können beliebig kombiniert werden. Hier fahren Züge nicht einfach nur im Kreis, sie können auch aus Bahnhöfen ein- und ausfahren. Für die 1,30 Meter hohen Module ist allerdings vor Inbetriebnahme auch eine millimetergenaue Justierung nötig, damit es keine Unfälle im Fahrbetrieb gibt. Natürlich haben die Modulisten auch ‚ihr eigenes Fahrdienstpersonal‘ an der Strecke.

Es geht auch ganz klein

Hans-Werner Kimpel ist wieder mit seinen detailtreuen Papiermodellen vor Ort und arbeitet auch am Stand, damit Besucher sehen, wie die Modelle entstehen.

Rund 100 Interessierte haben schon gestern die Modellbahntage besucht. Geöffnet sind sie im historischen Lokschuppen Hochdahl (Ziegeleiweg 1-3, 40699 Erkrath) noch am Samstag, 1. November 2025 von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 2. November von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2 Euro. Jugendliche ab 14 Jahre zahlen 1 Euro und Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt. Auch der Bahnladen ist an beiden Tagen geöffnet und das Zugcafé lädt zu Pausen mit Kaffee, Kuchen oder Herzhaftem ein.

Hinweis für Besucher: Auf dem Lokschuppengelände stehen keine Parkplätze zur Verfügung. Die Parkplätze hinter dem Gebäude der Stadt Erkrath am Klinkerweg 7-9 können genutzt werden.

*Update: In der ursprünglichen Version dieses Artikels hatten wir die ‚Strampelanlage‘, die Betriebsstrom für eine Modelleisenbahn erzeugt, versehentlich dem MEC-Wuppertal zu geordnet. Sie gehört aber dem EHEH und ist ‚im Lokschuppen zuhause‘.

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