Wird Erkraths Schulzukunft modular?

von Ria Garcia

Sitzung im Bürgerhaus Hochdahl. Foto: Ria Garcia

Premium | In einer gemeinsamen Sitzung des Bauausschusses und des Ausschusses für Schulen und Sport mit anschließender Ratssondersitzung ging es am 19. März 2026 um die Schulneubauten Rankestraße und um den Abriss der Johannesschule.

Die technische Beigeordnete Carola Beck erinnerte daran, dass seit dem Brand vor 10 Monaten viele Beschlüsse kurzfristig getroffen wurden. Für das Schulzentrum Rankestraße habe man wirtschaftliche Alternativen geprüft. Zusammen mit den Schulen hätte man weitere 1.000 Quadratmeter eingespart, sodass die Gesamtnutzfläche nun unter 16.000 Quadratmetern läge. Bei der Auswahl der Wärmeversorgung sei zum einen eine Amortisation der Wärmepumpe nicht möglich, weil weitere Maßnahmen nötig wären und zusätzliche Kosten entstehen würden und zum anderen sei die Fernwärme erst im vergangenen Jahr erneuert worden. Darauf könne man zurückgreifen. „Die Investitionen wären bei nicht Anschluss umsonst gewesen“, erläuterte sie.

Bei den Baukosten können 5 Mio. Euro eingespart werden, weil der Effizienshaus (EH) Standard 55 statt 40 genommen werde. In der Verwaltung habe man ausgerechnet, dass dadurch nur 25 Prozent mehr Wärmebedarf entstünde. Das Haupteinsparpotential ergebe sich bei den CO² Emmisionen. Die läge in der Auswahl der Wärmeversorgung und durch die Dekarbonisierung der Fernwärme gebe es da künftig noch mehr Einsparungen, erklärte Carola Beck.

Modularer Schulneubau

„Aus der Bevölkerung gab es einen Hinweis auf die Möglichkeit der Modulbauweise. Es sollte erwogen werden, dass das mit ausgeschrieben wird“, meldete sich Peter Knitsch (Grüne) zu Wort. Mit den Ausführungen der Beigeordneten zum EH-Standard erklärte er sich nicht einverstanden. Nachdem man den EH-Standard für die Grundschule Sandheide gewählt habe, sei das jetzt ein Rückschritt. Darüberhinaus habe er ausgerechnet, dass 40 Prozent mehr Wärmeverbrauch entstehe und nicht, wie sie ausgeführt hatte, 25 Prozent. „Es ist keinesfalls so, dass wir in den kommenden Jahren mit Wärme um uns werfen können“, erklärte er. In Zukunft werde Wärme wegen steigender Gaspreise und CO² Abgaben erst einmal teurer. Verwaltungsseitig wurden die von Peter Knitsch angegebenen 40 Prozent als nicht nachvollziehbar kommentiert. Man habe Berechnungen durchgeführt, die zu den genannten 25 Prozent führten. Auf die Frage seitens der Politik, ob auch die Kühlung bedacht sei, erfuhren die Ausschussmitglieder, dass keine direkte Klimatisierung vorgesehen sei.

Die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln hat in einem Video auf YouTube mit dem Titel „Schulen wie am Fließband? Was Container- vom Modulbau unterscheidet.“ anschaulich die Unterschiede zwischen Containerbauten und modularen Schulneubauten, sowie die Vorteile der Bauweise dargestellt.

Reinhard Herder (Linke) merkte an, dass die Ausschussmitglieder im öffentlichen Teil den Kostenrahmen beschließen sollen, der erst im nichtöffentlichen Teil besprochen wird. Die Linke habe sich entschlossen das mitzutragen, gab aber zu bedenken, dass das Projekt „unser Kinder noch lange belasten wird“. Auch er sprach den Vorschlag eines Bürgers zur modularen Bauweise an. Dabei könne man auch ein Unternehmen wählen, dass sich mit Schulen auskennt und nach dem Cradle to cradle Prinzip fertige. „Es ist sinnvoll über alternative Bauweisen nachzudenken, mit denen Kosten eingespart werden können.“ Seine Fraktion werde zustimmen und einfordern, dass die modulare Bauweise geprüft werde.

„Ich erinnere mich noch an die Diskussion zum Gymnasium am Neandertal. Erkrath wird eine der Städte mit den modernsten Schulen sein. Der EH 55 Standard ist in den Niederlanden A++“, meldete sich Frank Neas (CDU) zu Wort. Detlef Ehlert (SPD) stimmte ihm zu. „Das Raumprogramm wurde in sehr kurzer Zeit entwickelt. Modulare Bauweise wird berücksichtigt. Die SPD wird zustimmen“, ergänzte Sandra Gehrke. Christian Ritt erklärte, dass die BmU auch erst einmal für EH 40 plädieren würde.

„Die Zahlen sind noch sehr grob. Das sollten wir jetzt nicht weiter kommentieren. Es ist nicht nur ihr Recht, es ist auch ihre Pflicht Finanzen zu prüfen“, richtete Bürgermeister Christoph Schultz das Wort an Reinhard Herder. Geprüft hätte die Verwaltung auch und noch einmal „ein wenig Luft rausgelassen“. Bernhard Osterwind (BmU) erklärte, wie richtig es gewesen sei, dass die Politik der Versuchung widerstanden habe sich in die Raumplanung einzumischen. „Das Ergebnis war erst möglich, weil wir uns rausgehalten haben.“ Dr. Hermann Lossau habe eine erstaunliche Expertise als Alternative eingereicht. (Anm. d. Red.: Dr. Hermann Lossau hatte eine 22-seitige Expertise ausgearbeitet, die die Vorteile der modularen Bauweise im Schulneubau darstellte und diese an die Verwaltung und an die Fraktionen übermittelt.)

Osterwind stellte die Frage, wie es denn bewertet werden soll, wenn Ausschreibungsteilnehmer Holz-Hybrid oder andere Systeme anbieten. Auch er warne vor Energiepreisen, die explodieren werden. Er fragte, ob in der Ausschreibung EH 40 und EH 55 alternativ vorgesehen werden können. Außerdem schlug er vor, dass für die neuen Gebäude eine Wärmepumpe vorgesehen werden sollte, während die Fernwärme für die Hallen genutzt werden könne. Die Verwaltung gab zu bedenken, dass es für die Übergabestation in den Hallen zu eng sei. Ralf Lenger (FDP/Tierschutz) lobte die Verwaltungsvorlage und die Beachtung der Modulbauweise. EH 55 halte er für „mehr als ausreichend“. Die FDP würde jetzt zustimmen, ließß er wissen. Peter Knitsch hakte noch einmal nach, ob eine alternative Ausschreibung für EH 40 und EH 55 Standard möglich sei. Carola Beck schätze eine alternative Ausschreibung für nicht möglich, da die Angebote nicht vergleichbar wären. Dennis Sauereßig plädierte für den Anschluss an die Fernwärme.

In der folgenden Abstimmung wurde zuerst über den Antrag der Grünen abgestimmt, der EH 40 Standard vorsah. Die Ausschüsse stimmten nacheinander ab. Dafür stimmten im Schul- und im Bauausschuss jeweils Grüne, BmU und Linke. Die übrigen Fraktionen stimmten dagegen, sodass der Antrag keine Mehrheit fand. Für den darauf folgenden Antrag EH 40 und EH 55 alternativ auszuschreiben stimmten in beiden Ausschüssen nur Grüne und Linke, sodass auch dieser Antrag keine Mehrheit fand.

Carola Beck erläuterte noch einmal, warum sie die alternative Ausschreibung für nicht möglich hielt. Ausgeschriebene Alternativen dürften nicht dazu führen, dass die mit ausgeschriebene Alternative zu mehr als 20 Prozent höheren Kosten führe. Sie versprach aber noch einmal zu prüfen, ob das hier der Fall wäre. Bürgermeister Christoph Schultz gab zu bedenken, dass sich die Ausschreibungsteilnehmer die Erarbeitung von zwei Varianten auch bezahlen lassen. Bei der anschließenden Abstimmung des Verwaltungsvorschlags enthielten sich die Grünen. Die restlichen Fraktionen stimmten für den Vorschlag.

Johannesschule: Abriss und Neubau?

2025 sei kein gutes Jahr für Erkraths Schulen gewesen, erklärte Dezernentin Carola Beck zum folgenden Tagesordnungspunkt. „Die plötzliche Schließung der Johannesschule hat alle schockiert“, erinnerte sie. Ab Juni seien die Container für die Schule sichergestellt. (Anm. d. Redaktion: Ab Sommer werden die Container an der Rankestraße für die Realschule und das Gymnasium benötigt.) Jetzt müsse die Entscheidung Sanierung oder Neubau getroffen werden. Die jeweiligen Kosten seien erst einmal eine grobe Schätzung. Auch an der Johannesschule sei mit einem größeren Flächenbedarf zu rechnen. Dort würden derzeit mit drei Trepppenhaustürmen auf jeder Ebene nur jeweils ein Klassenraum erschlossen. Erweiterungen seien nur sehr aufwändig zu realisieren. Deshalb habe die Verwaltung den Abriss und Neubau favorisiert. Der Vorteil läge auch darin, dass alle Nutzungen entsprechend untergebracht werden können. Sie wies auf die zeitliche Schiene und die Kosten im Haushaltsplan 2026/2027 hin.

„Diese Vorlage finden wir ein wenig zu dünn“, kritisierte Ralf Lenger, der die Vorlage zur Rankestraße noch gelobt hatte. „Wir möchten da mehr Fleisch am Knochen“, drückte er aus, was seine Fraktion erwartet. Hier solle man sich mehr Zeit für die Entscheidung lassen. „Die Frage ist: Wieviele Runden wollen wir drehen?“, meldete sich Bürgermeister Christoph Schultz zu Wort. Die energetische Sanierung werde teurer als ein Neubau, ergänzte er. Der Beigeordnete Michael Pfleging erklärte, dass man sich die Frage, die man sich für die Rankestraßße gestellt habe, auch für die Johannesschule stellen müsse, wenn die Schule für die kommenden 50 oder 60 Jahre den Anforderungen genügen müsse. Es würden 20 bis 25 Prozent mehr Fläche für Technik benötigt.

Marc Hildebrand (BmU) sieht im Neubau eine Chance für die Zukunft inklusive des offenen Ganztags. „Ich habe nur eine Frage zum Platz und zu der Anfahrt?“, äußerte er. Michael Pfleging antwortete, dass sich das wohl bewerkstelligen lasse. Man müsse genau hinschauen. Schulleiter Christopher Flor, der ebenfalls anwesend war, befand, dass die pädagogischen Alternaiven gut eingeflossen seien. Schon vor Jahren habe man überlegt, wie die Schule besser aufgestellt werden könnte. „Auch ich bevorzuge den Neubau. Bisher fehlt uns die Barrierefreiheit“, schloss er. Bürgermeister Christoph Schultz merkte an, dass in Unterbach die Carl-Sonnenschein-Schule mit Abriss und Neubau Erfahrungen mache. „Abriss und Neubau nehme ich gerne in Kauf“, äußerte Christopher Flor daraufhin. Er kenne Schülerinnen und Schüler der Carl-Sonnenschein-Schule. Die Kinder seien dort nicht beeinträchtigt.

Sandra Gehrke (SPD) äußerte, dass die Zahlen beeindruckend seien. Das mache ihr Angst. Die SPD könne verstehen, dass die Entscheidung aus pädagogischer Sicht richtig sei. Sie stellte aber in Frage, ob Alt-Erkrath tatsächlich drei Grundschulen brauche oder ob nicht zwei genügen würden. Michael Pfleging erklärte daraufhin, dass die Wege entscheidend seien, auch mit Blick auf den Wimmersberg. Alles spräche für die Johannesschule. Fachbereichsleiterin Agata Narendji erläuterte, dass man sich in der Verwaltung Gedanken gemacht habe, wie man das alte Schulgebäude wegen der Hanglage abbrechen könne. Der Abtransport soll über die Hölderlinstraße erfolgen. Es gebe keine Kontamination mit der Baustelle. Das Problem mit dem alten Gebäude sei absolut dramatisch, die Pfosten massiv beschädigt. Schon deshalb würden bei einer Sanierung die Räume noch einmal wesentlich kleiner werden.

„Der Beschluss heute bewirkt einen Abriss ohne Kostenschätzung. Ich erwarte entsprechende Vorlagen für den nächsten Ausschuss“, bemerkte Reinhard Herder. Peter Knitsch äußerte, dass man für eine Entscheidung vernünftige Vorlagen brauche. „Wir diskutieren nach den Osterferien darüber, wo wir 40 oder 50 Tsd. Euro einsparen können“, verdeutlichte er. Seine Fraktion wünsche sich genauere Zahlen. Bürgermeister Christoph Schultz machte darauf aufmerksam, dass man nicht zweigleisig fahren könne und jetzt Sanierung oder Neubau kalkulieren könne. Dennis Sauereßig äußerte, dass das Schulgebäude „einfach durch sei“. Reinhard Herder erinnerte den Bürgermeister an das Forum Sandheide vor einigen Jahren. Damals habe er geäußert, das wäre der Ruin für die Stadt. „Jetzt geht es um ganz andere Summen“, gab er zu bedenken.

Herder brachte den Antrag ein, dass die Schule mit Eltern und Lehrern ein Raumkonzept erstellen solle und die Kosten ermittelt werden sollten. Dafür stimmten Linke, Grüne, SPD und FDP, der Rest stimmte dagegen. Somit erhielt der Antrag keine Mehrheit. Der Verwaltungsvorschlag für den Abriss der Schule erhielt dann, bei Gegenstimmen von B90/Grüne, Linke, FDP-Tierschutz, die erforderliche Mehrheit.

Abstimmung in der Ratssitzung

Auch in der darauf folgenden Ratssitzung erhielten die Fraktionsanträge nicht die notwendige Mehrheit. Es blieb beim Beschluss der beiden Verwaltungsvorlagen. Bei der Abstimmung zur Rankestraße enthielten sich Grüne und Linke, der Rest stimmte dafür. In der Abstimmung für den Abriss der Johannesschule gab es Gegenstimmen von den Grünen und der Fraktion FDP-Tierschutz. Die Linke und ein Mitglied der SPD enthielten sich.

Kommentar: Ob am Ende modulare Schulbauten bevorzugt werden, die voraussichtlich eine wesentlich kürzere Bauzeit und geringere Kosten verursachen, wird man erst sehen, wenn die Ausschreibungen beendet sind. Schaut man auf das Beispiel aus Köln (YouTube Video), dann könnte das auch für Erkrath eine echte Alternative zum herkömmlichen Bau sein.

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