Wenn ein geplanter Theaterabend Außer Kontrolle gerät

von Timo Kremerius

„Der zerbrochene Krug“ in der Stadthalle. Foto: © Volker Beushausen

Eigentlich sollte am vergangenen Mittwoch die Komödie Außer Kontrolle auf Erkraths Bühne zu sehen sein, doch eine kurzfristige Erkrankung der Hauptdarstellerin zwang das Westfälische Landestheater zur Absage. Mit dem Stück Der zerbrochene Krug ließ man die Zuschauer dennoch nicht mit Regen stehen.

Zwei Tage vor einer Aufführung ohne Hauptdarstellerin dazustehen, ist der Albtraum eines jeden Theaters und Veranstalters. Doch statt die Segel zu streichen, bewiesen das Kulturamt und das Westfälische Landestheater echtes Krisenmanagement. Innerhalb kürzester Zeit wurde mit Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ ein Ersatzprogramm auf die Beine gestellt. Alle Abonnenten wurden umgehend informiert. Wer das neue Stück nicht sehen wollte oder durch das schlechte Wetter abgeschreckt wurde, konnte seine Karte problemlos zurückgeben. Dass dann am Ende nur 250 statt der erwarteten 350 Zuschauer in der Stadthalle Platz nahmen, tat der Atmosphäre zunächst keinen Abbruch. Das Publikum, das gekommen war, zeigte sich gespannt auf die „deutsche Komödie par excellence“.

Klassischer Stoff in modernem Gewand

Die Inszenierung bot allerdings Diskussionsstoff: Während die Sprache dem historischen Original treu blieb, tobten die Schauspieler in moderner Sportkleidung über die Bühne. Für Traditionalisten sicher gewöhnungsbedürftig, doch die Spielfreude des Ensembles machte vieles wett. Besonders kurios: Auch bei diesem Ersatzstück gab es offenbar personelle Engpässe, denn die Rolle der Zeugin Frau Brigitte wurde kurzerhand von einem Mann besetzt – eine Entscheidung, die der Qualität jedoch keinen Abbruch tat.

Licht und Schatten im Zuschauerraum

Trotz des engagierten Einsatzes auf der Bühne kam es nach der Pause zu einem sichtbaren Zuschauerschwund. Die ohnehin lichten Reihen leerten sich weiter. Ein harter Schlag für die Schauspieler, die eine solches „Abwatschen“ angesichts ihrer Leistung nicht verdient hatten. Es scheint sich einmal mehr zu bestätigen, dass das Erkrather Publikum mit klassischer, teils schwererer Kost weniger anfangen kann als mit leichter Unterhaltung.

Ein faires Publikum zum Finale

Jene, die bis zum Ende blieben, honorierten den Abend mit herzlichem, verdientem Applaus, in den sich sogar ein leiser Klatschmarsch mischte. Die Stimmen nach der Vorstellung waren positiv: Zuschauerin Renate B. betonte, dass sie sich zwar auf etwas anderes eingestellt hatte, der Abend aber dennoch sehr schön gewesen sei. Gottfried Z. lobte explizit den unermüdlichen Einsatz des Kulturamtes.

Am Ende bleibt festzuhalten: Dank eines exzellent arbeitenden Kulturamts, eines sich flexibel zeigenden Westfälischen Landestheaters und eines fairen Publikums wurde aus einer drohenden Absage ein interessanter Theaterabend, der trotz aller Widrigkeiten Anerkennung verdient.

Zum Abschluss der Kabarettsaison kommt Christian Ehring mit seinem neuen Programm „Versöhnung“ am Freitag, den 17.04.2026 nach Erkrath. Zum Abschluss der Theatersaison gibt es am 29.04.2026 das Schauspiel „Bis das der Tod“ von Stefan Vögel unter anderem mit Alice von Lindenau, Julian Boine, Markus Schöttl, Elisabeth Ebner, Stefan Schneider und Andere. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Telefon 0211 240740 09.

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