Von vierbeinigen Senioren lernen

von Nicole Marschall

Pauline (Ehrenamtlerin bei „Seniorpferde aktiv mit Kindern“) zeigt, wie man Pferde putzt und pflegt. Foto: Nicole Marschall

TSV Kinder- und Jugendzentrum besucht Pferdeschutzhof

Tiere machen Spaß, erfordern aber auch eine Menge Verantwortungsbewusstsein. Ein Leben lang. Das und vieles mehr lernte eine Gruppe des TSV Hochdahl Kinder- und Jugendzentrums auf Gut Rodeberg.

Möhren und Äpfel mögen alle Pferde. Das wissen die meisten Kinder schon im Grundschulalter. Dass das knackige Gemüse und Obst aber nicht für alle Pferde gut ist, haben zwölf Mädchen und Jungs im Alter von sieben bis elf Jahren nun bei einem vom TSV Hochdahl Kinder- und Jugendzentrum im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Aufholen nach Corona“ durchgeführten Besuchs bei den Seniorpferden von Gut Rodeberg in Unterbach gelernt: Viele der bereits sehr alten Tiere können harte Nahrung nicht mehr richtig kauen – und können dadurch krank werden.

Mit dieser Information konnte Tabea Kutny, ehrenamtliche Helferin des Vereins „Seniorpferde aktiv mit Kindern“, den Kindern gleich zu Beginn des Aufenthalts auf dem Hof anschaulich vermitteln, wie (lebens)wichtig es ist, fremde Tiere auf einer Weide nicht einfach zu füttern. Und dass jedes Tier wie auch jeder Mensch seine Eigenheiten und individuellen Bedürfnisse hat. „Ein Tier zu halten, bedarf sehr viel Verantwortung. Wir möchten die Kinder Schritt für Schritt an diese Verantwortung heranführen“, erklärt sie. Die Vermittlung von Verantwortungsbewusstsein, Respekt und Gleichbehandlung liegt den Aktiven von „Seniorpferde aktiv mit Kindern“ genauso am Herzen, wie dafür zu sorgen, dass Mensch und Tier gleichermaßen Spaß haben. „Bei uns im Stall gibt es keine Gewinner oder Verlierer, kein besser oder schlechter. Ein Mensch ist ein Mensch, gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Behinderung oder Alter. Das Gleiche gilt auch für unsere Pferde. Nur weil sie alt und altersbedingt teilweise eingeschränkt sind, haben sie keinen geringeren Wert. Sie sind toll, so wie sie sind!“, so Kutny.

Gabriela Klosa, Leiterin des TSV Hochdahl Kinder- und Jugendzentrums, war schon einmal mit einer Gruppe Kinder auf Gut Rodeberg. „Es war ein tolles Erlebnis. Die Kinder waren begeistert und haben noch lange von den Pferden gesprochen“, sagt sie rückblickend. Dass die naturnahe Umgebung, die Tiere und die Ruhe vor Ort Besucher entspannen und vom Alltag abschalten lassen, habe sie sogar an sich selbst bemerkt. „Der Fokus geht vom eigenen Ich aufs Pferd. Die Kinder werden ruhiger, entwickeln Empathie und Aufmerksamkeit“, so Klosa: „Sie machen mit den Tieren Erfahrungen, an denen sie wachsen.“ Die leuchtenden Augen der Kinder zeigten, wie stolz sie nach dem ersten Pferdeputzen waren, die Verantwortung für ein so großes Tier übernehmen und es führen zu dürfen. Kindern den Kontakt zu Tieren zu ermöglichen, hat das Kinder- und Jugendzentrum in letzter Zeit vermehrt ins Programm aufgenommen: Der Besuch eines Streichelzoos und eines Bauernhofs, bei dem nachhaltige Lebensmittel im Vordergrund standen, gehörten dazu.

Kindern einen schönen Nachmittag mit den Pferden und Ponys des Seniorpferde-Vereins zu ermöglichen und dabei gleichzeitig soziale Kompetenzen erlernen zu können, stand auch beim zweiten Besuch auf Gut Rodeberg im Vordergrund. In Kooperation mit Fatima Assila von der Flüchtlingsbetreuung der Stadt Erkrath hatte der TSV diesmal gezielt Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund den Aufenthalt auf dem Pferdeschutzhof angeboten. Da Reiten auf Gut Rodeberg aufgrund des Alters der Pferde nicht mehr möglich ist, hat das Team des TSV schon im Vorfeld viel Aufklärungsarbeit geleistet: Was braucht ein Pferd? Was kann es im Alter vielleicht nicht mehr? Vergleiche mit den eigenen Omas und Opas zogen die Kids dann vor Ort ganz von selbst.

„Wir möchten, dass die Kinder auf Gut Rodeberg Spaß haben“, fasst Tabea Kutny zusammen: „Und das gilt auch für unsere Pferde. Reiten ist bei uns leider nicht mehr möglich, aber es gibt viele Alternativen, die man vom Boden aus mit den Pferden machen kann. Diese Übungen machen nicht nur Spaß, sondern stärken auch die Bindung zum Pferd. Gut Rodeberg soll für Mensch und Tier eine Wohlfühloase sein, in der man den Alltagsstress vergessen kann.“ Das Team vom TSV kommt gerne wieder, wenn das Budget es zulässt. Eine Verbindung mit den Selbstbehauptungskursen „Starke Mädchen“ / „Starke Jungs“ beispielsweise könnte sich Diplom-Sozialpädagogin Gabriela Klosa gut vorstellen.

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