
Am Samstag (29. November 2025) war Tag der offenen Tür auf Gut Falkenberg. Der Andrang war riesig.
Etwa 50 der insgesamt nie mehr als 200 Schüler der Privatschule wohnen die Woche über auch im Internat. Ein bisschen fühlt man sich in den Gängen des Wohnbereichs wie auf Harry Potters Hogwarts, nur das hier nicht Gryffindor oder Slytherin sondern Fritz Walter oder Berta von Suttner an den Türen steht. Sowie die Schülerinnen und Schüler in der kleinen Privatschule keine Gefahr laufen ‚Nummern‘ zu sein, so haben nicht einmal die Zimmer des Internats Nummern. Sie tragen Namen. Namen von berühmten Personlichkeiten und neben den Türen hängen Informationen über diese Persönlichkeiten. Auch eine Art von Geschichtsunterricht, dessen Inhalte sich so auf sehr direkte Art einprägen. Selbst die Schulregeln findet man im Bergischen Internat einfach und übersichtlich gleich auf der Hauswand.

„Das Alte nicht vergessen, das Neue nicht verleugnen“, beschrieb es Rainer Humpert, der als Sozialarbeiter Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Eltern da ist, die dahinter stehende Philosopie. Jungen und Mädchen haben im Internat jeweils eine eigene Etage. Das Verhältnis Jungen und Mädchen läge so bei 60 zu 40 Prozent erfahren wir. Jeder Erzieher im Internat betreut fünf bis zehn Kinder intensiv und ist auch für die Freizeitgestaltung mit zuständig. Etwa für die Organisation einer Nachtwanderung, für die im Internatsumfeld perfekte Bedingungen herrschen.

Natürlich haben die Kids auch viele Möglichkeiten sich nach Unterricht und Hausaufgaben selbst zu beschäftigen. Ein Fitnessraum steht genauso zur Verfügung, wie ein gemeinsamer Wohn- und Aufenthaltsraum mit Teeküche, Sofalandschaft, Beamer, Leinwand und mit Tischen, an denen gespielt werden kann. Auch der Außenbereich bietet viele Möglichkeiten für Spiel, Spaß und Aufenthalt. „Unsere Internatsschüler sollen sich die Woche über hier zu Hause fühlen“, erklärte Humpert. Freitags endet der Unterricht früh und die Internatsschüler fahren dann zum Wochenende nach Hause. Die meisten von ihnen kommen aus einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern, aber es gibt auch Ausnahmen, wie Schüler aus Wesel oder sogar Leer in Ostfriesland.

Fast 50 Jahre Bergisches Internat
Und genauso lange ist Bernd Kesseler Schulleiter. Eigentlich könnte er längst im Ruhestand sein, aber sein Herz schlägt für diese besondere Privatschule und so ist er weiter dabei. Welche Erfolgsgeschichte er mit dieser Schule schreiben würde, konnte er vor fast 50 Jahren kaum ahnen. 1977 gegründet ist sie bis heute in keinster Weise ‚verstaubt‘. Die Kinder nutzen IPads und lernen im Fach Digitalkunde mit den Gefahren des Internets umzugehen, Fake News von echten Nachrichten zu unterscheiden oder mit KI umzugehen.


Jens Frantzen unterrichtet das Fach Digitalkunde ebenso wie Gesellschaftslehre und Musik und da ist er auf einen relativ großen Teil musikbegabter Schüler besonders stolz. „Wir haben eine eigene Schülerband. Die sind jetzt in der 7. Klasse und spielen schon wie Profis“, verriet er uns im Gespräch. Das Gesangstalent einer Sechstklässlerin konnten wir vor Ort selbst erleben. Ihm und seinen Kollegen ist anzumerken, dass sie ähnlich ‚für die Schule brennen‘, wie der Schulleiter. Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. „Einige Schüler sind zu uns gewechselt, weil sie an größeren Schulen Mobbing erlebt haben“, erzählt uns Jens Frantzen. Oft sitzen Schüler mit 11 bis 15 Kids in einer Klasse. „In höheren Jahrgängen sind es auch mal 16 oder 17, wie aktuell bei den Achtklässlern“, berichtete uns Klassenlehrer Jens Melzer, der sich gerade vorbereitete, um interssierten Eltern und möglichen Schülern seinen Englischunterricht zu demonstrieren.

Kleine Unterrichtseinblicke gab auch Helene Färber, die in den Klassen fünf bis sieben Biologie und Deutsch unterrichtet. Durch eine Kooperation mit dem Biobauerhof ‚Hof zur Hellen‘ im Windrater Tal in Velbert kann sie praktische Anteile im Unterricht nutzen. Die Schülerinnen und Schüler erfahren in drei festen Terminen auf dem Hof, wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert. Dazu gehört für die Älteren auch das Verständnis fürs Ökosystem Feld. Neben dem Anpflanzen von Kartoffeln, die sie später auch selbst ernten dürfen, lernen sie auch viel über die Hühner, Schweine und Rinder auf dem Hof. Die dürfen sie streicheln und füttern. „Rinder sind sehr scheu“, erzählt uns Schülerin Caro. „Und die Hühner fühlen sich tatsächlich an, wie das Innere eines Kissens. Ganz weich“, ergänzt sie und erzählt, dass sie sogar Hühner auf dem Arm halten durften. Im Klassenraum wurden derweil Pflanzsäcke mit Kartoffeln vorbereitet.

Viel Programm am Tag der offenen Tür
Neben Einblicke in den Unterricht sowie Rundgänge durch Schule und Internat gab im Innenhof Eisstockschießen. Dank einer Allianz zwischen Bergischem Internat und Kampfkunst Schule Yen bot auch Emre Nuhogullarindan einige Vorführungen. Außerdem gab es kunstvolles Gestalten von Weihnachtsbaumschmuck in Falttechnik und Lasergravuren, die Guido Pleithner schon zum dritten Mal am Tag der offenen Tür anbot. Sein Sohn besucht die Schule. „Eigentlich haben wir in den letzten Jahren immer Kastanien graviert, aber dieses Jahr waren wir zu spät dran“, berichtete er. Alternativ hatte er runde Glasplättchen mitgebracht und sie gegen Spende graviert. Nächstes Jahr beendet sein Sohn die Schule. „Ich kann mir vorstellen, dass trotzdem weiterzumachen, wenn ich weiter für die Firma tätig bin“, sagte er. Das ist Voraussetzung für das Angebot, denn er arbeitet im Vertrieb für die Solinger Firma Östling Marking Systems GmbH, die die Laser anbietet. Für die kleinen Pausen war auch gesorgt. Neben Bratapfel, Kaffee & Kuchen wurde hinterm Haus fleißig Stockbrot gebacken.
Mehr über das Bergische Internat unter www.internat.de.






Hinterlasse jetzt einen Kommentar