Sommerinterview: Dennis Saueressig

von Ria Garcia

Dennis Sauereßig - Foto: tb

Die Kommunalpolitik hat Sommerpause. Wir haben die Gelegenheit genutzt und einige Fragen an die Politiker gerichtet. Heute im Interview: Dennis Saueressig, Fraktionsvorsitzender der AfD.

Baustellen auf Erkraths Straßen, Baustellen bei der Bahn:
Während der kompletten Sommerferien fahren weder die S 8 noch die S 28. Gleichzeitig erschweren Baustellen während der Ferienzeit Pendlern den Weg zur Arbeit.

Redaktion: Was sagen Sie in dieser Situation frustrierten Pendlern zur Mobilitätswende?

Dennis Saueressig: Die Berufspendler sind frustriert mitunter, weil die Straßen verstopfen und der öffentliche Nahverkehr manchmal einem Glücksspiel mit unbekanntem Ausgang gleicht. Die aufkommende Mobilitätswende vom ÖPNV wieder zurück zum Auto ist daher für die Menschen, die sich noch ein Auto leisten können, nur die Konsequenz. Auch Anreize wie ein 9 Euro Ticket führen zwar kurzfristig zu einer günstigen Anreise nach Sylt, aber wer Spaß und das Geld hat, besucht die Hochzeit eines Freundes mit dem Privatjet auch wenn der ÖPNV eine Anreise ermöglicht.

Steigende Mieten:
Bezahlbarer Wohnraum ist knapp und wird mit dem weiteren Wegfall von Sozialwohnungen noch knapper. Aber nicht nur Kaltmieten sind ein Problem. Steigende Energiekosten treiben auch die Nebenkosten in die Höhe.

Redaktion: Mit welchen Maßnahmen würden Sie kurz bis mittelfristig dafür sorgen, dass mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht?

Dennis Saueressig: Bezahlbarer Wohnraum ist nicht knapp. Sie finden in ganz Deutschland einzelne Regionen in denen man für unter 6€/qm kalt wohnen kann. Die Frage ist eher ob Sie dort wohnen wollen oder müssen. Wohnraum in guten Lagen wird zusehends teurer, da gerade in Segment kleiner Wohnungen von 40-60qm die Nachfrage von außen extrem zugenommen hat. Alleine das Einwanderungssaldo seit 2015 beträgt über 3,2 Millionen Menschen, die zusätzlich in Deutschland eine Wohnung suchen. Diese Menschen sind oft sozial schwach und benötigen Unterstützung aus dem Sozialsystem.

Die allgemeine Wohnungssuche bezieht sich eher auf städtische Regionen, auch Ballungsgebiete genannt, und nicht auf ländliche Dörfer. Eine Maßnahme Wohnraum wieder bezahlbarer zu machen wäre die Unterstützung des sogenannten kleinen Mannes, entweder mit höheren Mindestlöhnen, oder mit einer Steuersenkung für Arbeitnehmer. Dieses Geld kann aus den ausufernden Sozialsystemen abgezogen werden, da dieses System mittlerweile mehr Menschen „in Lohn und Brot“ hält als man es sich vorstellt. Rentner die ihr Leben lang gearbeitet haben, bekommen Renten die geringer ausfallen als Sozialleistungen für Zugezogene. Wenn man mehr Wohnraum schaffen will, darf man als Land bzw. Gesellschaft keine unkontrollierte Zuwanderung in unser Land und die Sozialsysteme ermöglichen. Der Fokus muss zurück auf die Menschen die Ihren Beitrag in Deutschland leisten oder geleistet haben, egal aus welchem Land und welcher Herkunft. Das letztlich die Energiekosten als Teil der Nebenkosten den normalen Bürgern das Ersparte auffressen, liegt an unserer Regierung, die lieber Ideologien verfällt, statt Realpolitik zu betreiben. Nicht umsonst haben wir in Deutschland die höchsten Energiepreise weltweit.

Grundsteuer:
Erkrath hat aufgrund einer Mehrheitsentscheidung auf eine Grundsteuererhöhung verzichtet, die Nachbarstädte – wie etwa Mettmann – bereits vorgenommen haben. Statt dessen wurde ein freiwilliges Haushaltssicherungskonzept beschlossen, für dessen Realisierung eine Beratungsgesellschaft ein Gutachten erstellen soll, das Sparpotentiale aufzeigt.

Redaktion: Wo sehen Sie die meisten Sparpotentiale in der Stadt?

Dennis Saueressig: Als Fraktion haben wir diesem Vorgehen der Haushaltskonsolidierung mit Nachdruck zugestimmt. Unserer Ansicht nach wirtschaftet Erkrath nicht schlecht. Wir haben sehr engagierte und kompetente Mitarbeiter/Beigeordnete. Das Problem für Erkrath sind eher die vielen ausufernden Bauprojekte die zeitgleich oder versetzt parallel realisiert werden müssen wie auch der Fachkräftemangel. Darüber hinaus ist ein Kostenfaktor im Haushalt seit 2015 die Flüchtlingshilfe in Millionenhöhe, die nicht wie viele annehmen vom Land übernommen wird, sondern zu einem sehr großen Teil bei den Erkrathern als minus im Haushalt steht. Uns geht es darum diese Summen vom Land einzufordern.

Redaktion: Kann die Stadt ohne Grundsteuererhöhung in den nächsten Jahren einen ausgeglichenen Haushalt erreichen?

Dennis Saueressig: Wir werden die Bürger so gut wir können vor weiteren Erhöhungen schützen. Wenn wir weiterhin vom Land bei der Flüchtlingshilfe im Stich gelassen werden, kleine Zuschüsse gefeiert werden als ob sie annähernd die Kosten decken, dann sehe ich selbst mit Erhöhung der Grundsteuer keinen ausgeglichenen Haushalt. Und zur Erinnerung, auch die Stadt Erkrath muß für Energie deutlich mehr bezahlen. In naher Zukunft sehe ich kaum Einnahmeerhöhungen, daher bleibt ein Potential die Senkung der Ausgaben und Kosten.

Steigende Energiepreise, Engpass beim Gas:
Gas wird knapp und möglicher Weise zum ‚Druckmittel‘ im Ukrainekrieg. Laut Medienberichten werden Zweidrittel der Haushalte in Deutschland mit Gas beheizt.

Redaktion: Wie kann Erkrath in Zukunft unabhängiger von steigenden Energiepreisen werden?

Dennis Saueressig: Die Gasversorgung ist in Deutschland und auch in Erkrath ein sehr großes Thema. Nicht nur bei den Kunden der Fernwärme steuern wir energiepolitisch auf ein Desaster zu. Statt zu bremsen, beschleunigt unsere Regierung mit Blick auf die sich nähernde Wand. Die aktuelle Regierung treibt den Gaspreis in die Höhe, die Verbraucher kauen über Ihre Anbieter dasselbe Gas aber auf dem Weltmarkt über Umwege und mit einem mächtigen Aufschlag von zukünftigen Sonderabgaben ein. Wenn wir uns von der Bundespolitik und den Konsequenzen der handelnden Regierung unabhängiger machen wollen, dann geht dies nur über die eigene Produktion von z.B. Fernwärme mit einem nur geringen Hauptenergieträger Gas. Strom ließe sich zum Teil über gezielte Photovoltaikprojekte erzeugen. Möglichkeiten die Abhängigkeit zu reduzieren sind vorhanden, es liegt an uns.  

Fachkräftemangel:
Seit Jahren ist der ‚Fachkräftemangel‘ Thema. Aktuell auch in der Stadtverwaltung. Unbesetzte Ingenieurstellen erfordern möglicher Weise eine Prioritätensetzung bei geplanten Baumaßnahmen. Aber auch in vielen anderen Bereichen der Verwaltung oder bei Erziehenden und Mitarbeitern in der Sozialarbeit könnte es künftig kritisch werden.

Redaktion: Was schlagen Sie vor, damit die Stadt als Arbeitgeber attraktiver wird?

Dennis Saueressig: Die Frage impliziert das wir als Arbeitgeber unattraktiv sind. Ich möchte in den Raum stellen das wir einfach zu wenige Fachkräfte in Deutschland haben, und andere Städte uns den ein oder anderen abgeworben haben, nach Aussage des Bürgermeisters. Solange das Angebot die Nachfrage nicht deckt, ist ein Wettstreit nicht zielführend.

Redaktion: Welche Maßnahmen sollte die Stadt kurz- und mittelfristig ergreifen, um offene Stellen besetzen zu können?

Dennis Saueressig: Als Stadt suchen wir konsequent nach Fachkräften. Die Stellenanzeigen finden die Interessierten leicht. Eventuell wäre es ein Anreiz, wenn wir für neue Fachkräfte günstigen Wohnraum in Erkrath stellen könnten. Wir leben auch in einer Zeit in der viele junge Menschen gar keine Lust haben traditionelle Berufe zu erlernen. Der ein oder andere träumt von einer Influencerkarriere in sozialen Medien, oder sieht keinen Sinn darin am Wochenende zu arbeiten wenn die Sozialleistungen am Ende höher sind als der Lohn. Wir haben auch eine Generation hoch qualifizierter Fachkräfte die in den Ruhestand gegangen sind. Von diesen Fachkräften sind vielleicht einzelne bereit nochmal aktiv vielleicht auf Teilzeitbasis zu unterstützen. Man darf diese vorhandene Fachkompetenz nicht vergessen.

Stadtweiher:
Der Anstauversuch ist bis November verlängert worden.

Redaktion: Wie soll es Ihrer Meinung nach mit dem Stadtweiher weitergehen?

Dennis Saueressig: Der Stadtweiher ist selbst unter großer Anstrengung zu erhalten. Ein Erholungsgebiet ist wichtiger denn je in diesen verrückten Zeiten in denen der Bürger mehr und mehr Angst vor der Regierung bekommt, statt die Regierung vor den Bürgern.

Persönliches Anliegen:

Redaktion: Welches Thema liegt Ihnen persönlich in Bezug auf die Stadt aktuell am meisten ‚auf dem Herzen‘? (Erklären Sie warum.)

Dennis Saueressig: Als Thema das mich persönlich beschäftigt, ganz klar die Energiepolitik. Momentan mache ich mir ernsthaft Sorgen um meine Mitbürger in Erkrath. Das was auf uns zukommt an Kosten und Energieproblemen ist nicht nur nicht witzig, sondern wird bald bittere und kalte Realität. Die Bürger decken sich bereits jetzt mit Elektroheizungen ein, daher wird aus einem Gasversorgungsproblem schnell ein Stromproblem. Die Bürger zu Bitten in den eigenen Wohnungen zu frieren und am besten kalt zu duschen damit in Deutschland nicht das Licht ausgeht ist keine Alternative für mich wenn diese von Menschen kommt die nicht wissen was harte körperliche Arbeit ist. Erklären Sie mal einem Menschen auf dem Bau im Winter, der sich krumm macht bei Wind und Wetter, das er zu Hause frieren und kalt duschen soll. Für alles scheint unbegrenzt Geld da zu sein nur nicht für die eigenen Bürger die dieses Geld aufbringen. Als Bürger habe ich mich noch nie so im Stich gelassen gefühlt.

Diese Entwicklung und kommenden Probleme wurden von der AfD auf Bundesebene nicht nur einmal angeprangert. Alternative Energiequellen wie Sonne und Wind sind super als Ergänzung, aber Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke abzuschalten bevor eine funktionierende Alternative 24 Stunden und 7 Tage die Woche Sommer wie Winter verfügbar ist, entstammt einer Ideologie und keiner Realpolitik. Ich frage mich aber auch ob die Menschen mittlerweile die Hoffnung auf Besserung aufgegeben haben. In Frankreich kann ich mir so Zustände wie in Deutschland nicht vorstellen ohne das die Menschen auf die Straßen strömen um ihren Protest zu äußern. Ich kann nur allen die bis hier hin gelesen haben versichern, dass wir weiterhin als kleine Fraktion für die Vernunft für Erkrath einstehen und das beständig auch bei Gegenwind.

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5 Kommentare

  1. Hallo Frau Bleichert,
    Ihr Kommentar bezieht sich nicht auf das Interview mit Dennis Sauereßig, in dem Sie keinerlei rassistische Äußerung finden. Wenn Sie Hetze über die AfD loswerden wollen, ist dieser Kommentarbereich nicht der richtige.
    Nehmen Sie doch Stellung zu den Aussagen von Dennis Saueressg und polemisieren Sie nicht pauschal gegen die AfD

  2. Laaaaangweilig. Hat der Herr keine neuen Argumente im Köcher als die nehmen uns die Arbeit, Frauen und jetzt Wohnungen weg?
    Komme mir vor wie in der Southpark-Episode “They took our jobs”. Albern.

  3. Was für eine verdrehte und menschenverachtende Sichtweise hat die AFD doch. Wir müssen nur alle geflüchtete Menschen rauswerfen, bzw erst gar keine Hilfe geben und unsere Regierung muss mit den Diktatoren und Aggressoren dieser Welt kooperieren, damit es uns allen gut geht Das wir dann erst richtig verlieren werden, unsere Freiheit, unseren (immer noch sehr grossen) Wohlstand und an Würde und Menschlichkeit … das erkennt jede und jeder, der einfach eins und eins zusammen zählt. Ich bin entsetzt über die rassistischen Äusserungen.

  4. Natürlich sind, wie immer, für die AfD die Flüchtlinge an Allem schuld! Mangel an bezahlbarem Wohnraum, verschuldete Haushalte. Wie wär’s mal mit was Neuem? Ein Konzept z.B., anstatt Vorurteile und Neiddebatten zu befeuern!

  5. Einstehen für die Vernunft in Erkrath ist großartig, deswegen bitte ich Herrn Saueressig darum , konkret zu antworten und nicht zu polemisieren. Ob Merz nach Sylt fliegt zum Kumpel Lindner ist zB völlig irrelevant für die Lösung von Nahverkehrsproblemen. Auch die folgenden Antworten bieten weder realistische Kenntnis noch Lösungsansätze der gegenwärtigen Probleme der Stadt. In diesem Fall hätte die Stadt die Aufwandsentschädigung für die Ratssitzungen besser verwenden können.

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