So schön war das Museumsfest

von Ria Garcia

Spiel, Spaß und Handwerkliches Geschick beim Museumsfest. Foto: Lutz Wulfestieg

Jedes Jahr am letzten Ferienwochenende findet das Museumsfest des Neanderthal Museums statt und das war auch in diesem Jahr wieder ausgesprochen gut besucht und bot einige Attraktionen.

Einige Stände und Aktionen gehören fest dazu und sind eigentlich in jedem Jahr dabei, wie etwa das Brotbacken im Lehmofen mit Wolfgang Heuschen. Bei ihm können die Kids mit einfachen Mitteln Mehl mahlen und später frisch gebackene Fladenbrot, bei dem auch das gemahlene Mehl zum Einsatz kommt, aus dem Lehmofen genießen.

Die steinzeitliche Schmuckwerkstatt und die Herstellung eigener Helden aus Ton sind gefragte Aktionen, bei denen Kinder und Eltern oft warten müssen, bis ein Platz an die Tischen frei wird. Auch am Feuerzelt und am Stand der Regiobahn herrschte reger Betrieb. Ähnlich sieht es beim Speerwerfen oder Bogenschießen aus. Archäologe Johannes Tinnes, der auch Bogenbau Seminare anbietet, kann über die Auswahl der Bögen, die am Stand ausliegen, allerhand Historisches erzählen und die Besucher mit auf ‚eine Reise in die Geschichte der Bögen als Jagd- und Kriegswaffe‘ nehmen. Er zeigte uns zweiteilige Pfeile, die auf der Jagd zum Einsatz kamen, weil eine größere Anzahl von mitgeführten Pfeilen ein nicht unerhebliches Gewicht hatte. So konnten die Jäger für den nächsten Schuss neue Spitzen aufsetzen, statt des ganzen Pfeils verlustig zu gehen. Selbst Ötzi habe zweiteilige Pfeile bei sich getragen, erzählte er. Für alle die, denen die Anstehzeit zum Bogenschießen zu lange wurde, gab es direkt nebenan den Mitmachzirkus, bei dem nicht nur die Kids ihre Geschicklichkeit erprobten.

Mit dabei waren auch das Deutschen Sport- und Olympia-Museum, der grüne Zoo Wuppertal, der Tierpark Bochum und die Zoom Erlebniswelt. Auch Führungen durch das eiszeitliche Wildgehege gab es. Nachwuchsarchäologen konnten wieder an Ausgrabungen teilnehmen, Tierknochen untersuchen oder erfahren, wie in der Steinzeit ‚gekocht‘ wurde. Rudolf Walters zeigte, wie in der steinzeitlichen Kochgrube gekocht wurde und was es so bei den Neandertalern zu Essen gab. Damit nicht genug, hatte er auch noch eine ganze Gaderode dabei, mit der Besucher sich selbst für Selfies und Fotos in Neandertaler verwandeln konnten. Was vielleicht die Jagdbeute der Neandertaler war, konnten Besucher am Stand des Naturschutzvereins Neandertal erfahren.

Für das leibliche Wohl war natürlich auch abseits des Brots aus dem Lehmofen und der steinzeitlichen Kochgrube gesorgt. Der Freundeskreis für Flüchtlinge Erkrath bot Kaffee und Kuchen, ein Wagen von der Eiszeit für die kühle Erfrischung, beim Museums Caterer gab es Leckeres vom Grill und das Restaurant Gavi und das Neandertal No. 1 boten ebenfalls kleine oder größere Snacks an. An den Ständen der Honig-Manufaktur und der NeanderBiene gab es dann noch Honig aus der Region zum Mitnehmen. Die Initiatoren der NeanderBiene konnten dann beim Fest auch noch das TYPISCH neanderland Siegel entgegennehmen. Sie waren einer von sechs neu ausgezeichneten Betrieben (wir berichteten).

Ein Highlight passend zur noch laufenden Sonderausstellung „Stereotypes Neanderthalerin“ war der Stand von Elena Moos. Die Top-Feuersteinkünstlerin zeigte vor Ort ihre Kunstfertigkeit in der Herstellung von scharfen Klingen aus Feuerstein, die mühelos Leder durchtrennen. Besucher hatten unter ihrer Anleitung die Möglichkeit sich selbst in der Technik zu üben und eigene Klingen anzufertigen. Auf die Frage, wie man zu dieser Kunstfertigkeit kommt, antwortete sie: „Angefangen hat es mit dem Bogenschießen.“ Die Pfeilspitzen aus Feuerstein seien sehr spröde und würden schnell stumpf, erklärte sie. Schließlich habe sie sich mit der Herstellung von Pfeil- und Speerspitzen beschäftigt. Das Hobby prägte schließlich auch ihre Berufswahl. Sie studierte Archäologie in Tübingen und beschäftigt sich heute mit der Archäo-Handwerkstechnik, also mit Handwerken, die nicht mehr ausgeübt werden. Wer Elena Moos zuschaut, gewinnt den Eindruck, als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätte. Sie vermittelt einen guten Eindruck von der Kunstfertigkeit, die bereits die Neandertaler hatten.

Wer es in diesem Jahr nicht geschafft hat: Das Museumsfest findet jährlich am letzten Ferienwochenende statt.

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