Skulptur einer liebenswerten Stadtmitte

von Ria Garcia

Noch ist dem Rohbau nicht anzusehen, wie er sich später optisch ans Industriedesign der alten Papierfabrik angleichen soll. Foto: nic

Erkrath sei schon ein merkwürdiges Städtchen gewesen, erinnerte Hasso von Blücher in seiner Begrüßungsrede während des Richtfest an der Neanderstraße an die eher atypische Entwicklung des Ortskerns.

Am 9. Oktober 2025 wurde Richtfest an der Neanderstraße 51 und 53 gefeiert. Unter dem Projektnamen „WA2 *pose marré“ entstehen hier 37 neue barrierefreie Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 2703 Quadratmetern. Für Erkrath eine gute Nachricht, denn Wohnraum fehlt. Vor allem bezahlbarer Wohnraum. Der ist allerdings an dieser Stelle, auf dem Gelände der Alten Papierfabrik, nicht vorgesehen. Zumindest keine preisgedämpften oder öffentlich geförderten. Luxuswohnungen sollen es dennoch nicht werden. Das Projekt ist privat finanziert und für Hasso von Blücher, seine Frau Constanze und das Team der Neue Mitte Erkrath GmbH ist der Name Programm: Sie gestalten in Alt-Erkrath eine neue Mitte.

Der Wohnkomplex, dessen Rohbau nun fertiggestellt ist, bietet eine Tiefgarage und Wohnungen mit einer Größe von 53 bis 112 Quadratmetern für unterschiedliche Wohnbedarfe. Zusätzlich wird es im Außenbereich Parkpläte auf Rasengittersteinen und einen Fahrradparkplatz geben. Jede Etage ist barrierefrei mit einem Aufzug erreichbar. Schon jetzt gibt es eine Warteliste für die Wohnungen. Besonders gefragt sind die kleineren Wohneinheiten. Die Nähe zur Düssel und der damit verbundene Hochwasser gefährdete Bereich, haben schon in der Planung zu besonderen Sicherheitsmaßnahmen geführt. Es gibt hochwassersichere Torsysteme. Mobile Dammbalken sollen das Gebäude bei Hochwasser wirksam schützen.

Hasso von Blücher und seine Frau Dr.
Constanze von Blücher. Foto: nic

Der Blick auf die historischen Gebäude der Alten Papierfabrik macht den besonderen Charme der Wohnlage an der Düssel aus. Zur Neanderstraße hin erhält der Wohnkomplex eine Glasfassade, die vom Straßenlärm abschirmen soll und gleichzeitig zum Begegnungsraum für die Bewohner wird, denn hinter dieser Glasfassade verläuft ein Flur mit Nischen und Sitzbänken. Auf der nach Süden ausgerichteten Rückseite Richtung Alte Papierfabrik erhalten die Wohnungen aufgeständerte Balkone. Auf dieser Seite des Gebäudes sind die Schlaf- und Aufenthaltsräume der Wohnungen angeordnet. Ein zentrales Blockheizkraftwerk versorgt die Wohnungen mit Strom und Wärme. Eine automatisierte Gebäudeüberwachung unterstützt die Energieversorgung und ermöglicht einen nachhaltigen Betrieb.

Während die Entwurfsplanung durch das Architekturbüro bkplan GmbH aus Erkrath lag, hat die gna Grimbacher Nogales Architekten GmbH aus Düsseldorf die Ausführungsplanung übernommen. Die Entwicklung des Areals ist Hasso von Blücher zu verdanken. Nach dem Ende von Pose Marré stand die Industriebrache zum Verkauf. Der damalige Insolvenzverwalter fand schließlich einen Investor, der mehrere Supermärkte mit 500 Parkplätzen bauen wollte. Hasso von Blücher und seine Frau hielten das für eine Katastrophe. Mit dem Kauf des Geländes schaffte von Blücher die Option das ehemalige Industriegelände zur „neuen Mitte“ von Alt-Erkath zu entwickeln. Seine Frau, Dr. Constanze von Blücher, ist heute Geschäftsführerin der Neue Mitte GmbH. Langsam, aber stetig, entwickelt sich die ehemalige Industriebrache, die jetzt neben der Bernsau Villa (weiße Villa) weitere Wohnbebauung erhält. Optisch wird der dreiteilige, klassisch gemauerte, Geschosswohnungsbau mal verputzt und mal verklinkert der alten Papierfabrik angeglichen. Die Ausführung hat die Firma domoplan übernommen, auf deren Instagram-Kanal ein kleiner Film von Richtfest zu sehen ist.

Nach dem Bau folgt eine Begrünung mit eigenem Bewässerungssystem. Auch eine Dachbegrünung soll es geben, die mit Photovoltaik ergänzt sein wird. „Langsam schält sich die Skulptur einer liebenswerten Stadtmitte heraus“, erklärte Hasso von Blücher in seiner Rede zum Richtfest. In den drei Standorten, Haus Morp, Brügger Mühle und Pose Marré seien inzwischen rund 40000 Quadratmeter Wohn- und Gewerbeflächen gebaut worden. Davon entfielen auf Pose Marré bisher rund 143 Wohneinheiten mit circa 16000 Quadratmeter Wohnfläche und 29 Gewerbeeinheiten mit ungefähr 8000 Quadratmeter Nutzfläche. „Die Brügger Mühle, die 20 Jahre lang unverkäuflich war, haben wir mit der behutsamen Einbindung der Natur in einen Bürokomplex verwandelt, der bei allen Mietern höchste Akzeptanz hat“, führte er weiter aus. Mit den so geschaffenen Gewerbeflächen seien rund 30 Unternehmen mit etwa 300 neuen Arbeitsplätzen nach Erkrath geholt worden. Auch Weltfirmen wie Giant und Johnson seien darunter.

Mit diesem Bau wächst die neue Mitte oder auch das ehemalige Pose-Marré Gelände weiter. So ein bisschen stellt sich auch die Neugierde ein, wie es am Ende dieser Entwicklung einmal aussehen wird. Auch darauf, ob die Bernsau Villa dann vielleicht auch wieder in altem Glanz erstrahlt. Wie sagte Hasso von Blücher am Ende seiner Rede: „Ich möchte Sie nur daran erinnern, dass wir nicht auf die Erde gekommen sind, um Häßlichkeit zu erzeugen.“ Dann kann es ja eigentlich nur schön werden, sollte man meinen.

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